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Im Gespräch | Beitrag vom 25.09.2018

Fotografin Barbara KlemmDas Leben als der beste Lehrmeister

Moderation: Susanne Führer (Wdh. vom 25.10.2017)

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Barbara Klemm im Oktober 2014 bei der Eröffnung einer Ausstellung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)
Barbara Klemm im Oktober 2014 bei der Eröffnung einer Ausstellung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)

Barbara Klemms Fotografien haben Ikonen-Charakter. Auf ihr Konto geht unter anderem das berühmte Foto vom Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker. Mit uns spricht sie über ihre Einflüsse und ihr Leben.

Viele ihrer Bilder haben Geschichte geschrieben, allen voran der innige Bruderkuss von Breschnew und Honecker. Die Fotografin Barbara Klemm hat über Jahrzehnte das politische Geschehen in Deutschland für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" begleitet. Bis heute macht sie ihre Aufnahmen nur in Schwarz-Weiß.

Durch glücklichen Zufall entdeckt

Erste Erfahrungen mit dem Entwickeln von Fotos sammelte Barbara Klemm, die 1939 in Münster geboren wurde, in der Dunkelkammer ihres Vaters. Nachdem sie schon mit 14 Jahren die Schule verlassen hatte, machte sie eine Ausbildung zur Fotografin und kam fünf Jahre später durch einen glücklichen Zufall zur FAZ. Nach zehn Jahren in der Klischeeherstellung und im Fotolabor, bekam sie erste Aufträge als journalistische Fotografin. Sehr bald erkannte man ihr Talent und stellte sie als Redaktionsfotografin ein. 

"Ich bin in der FAZ sozusagen angekommen und habe daraus was gemacht. Die Zeitung hat mir diese Chance gegeben. Die Zeitung - so sehr konservativ sie auch in der Studentenbewegung war und zuweilen auch heute noch ist -, sie hat doch auch eine Liberalität und setzt auf die Qualität. Und ich denke, wenn Sie mit guten Bildern zurückkommen, war das kein Problem, die auch in die Zeitung zu bringen. Und die Leser der FAZ denke ich, vielleicht ist es da auch ganz gut gewesen, denen auch zu zeigen, wie die Welt draußen aussieht. Vielleicht sind ja manche schon auch etwas enger in ihrem Denken."

Zeigen, was oft übersehen wird

Alles, was sie könne, habe sie das Leben gelehrt, sagt Barbara Klemm. Viel beachtet sind auch ihre zahlreichen Reisereportagen, in denen sie immer wieder das Thema Armut thematisiert.

"Das berührt mich am meisten, weil es etwas ist, was mich auch immer interessiert hat und beschäftigt hat. Ich denke immer, die Reichen haben ihre Welt, das interessiert mich nicht sonderlich, da gibt es andere Fotografen, die das viel besser können. Also das ist nicht mein Interesse gewesen, sondern ich wollte was aufzeigen, was eigentlich jeder sehen kann und oft übersieht und erst merkt, wenn er es sozusagen als Bild in der Zeitung sieht oder in einem Buch." 

Gute Atmosphäre für die Porträtierten 

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Künstlerfotografie. Wie sie zu ihren berühmten Fotos kommt, hat sie "Im Gespräch" erzählt.

"Ich gucke, dass es eine Atmosphäre gibt, in der er sich wohlfühlt. Ich arbeite da ohne Stativ, ohne Lampen, sondern nur mit dem natürlichen Licht und mit einer Unterhaltung, die ja manchmal ganz banal und anders war, als das, was derjenige tat. Aber manchmal hatte ich natürlich auch Glück, dass mir was eingefallen war, was ihn interessiert hat. Also es war eine große Mischung und ich habe nie länger als eine Stunde gebraucht für die Porträts, weil ich dann das Gefühl hatte für beide wird es dann etwas unangenehm."

Der ästhetische Feinsinn liegt in der Familie

Ihren feinen Sinn für Ästhetik wird sie unter anderem ihrem Vater zu verdanken haben, der Professor an der Karlsruher Kunstakademie war - und als einer der wichtigsten Postminimalisten gilt. Eine Reihe seiner Bilder sind derzeit im Kunstmuseum Ahlen zu sehen. 

"Er sagte immer, er war kein abstrakter Maler, sondern er war ein gegenständlicher Maler, aber er reduzierte auf wenige Formen und er hat auch sehr wenig Farben benutzt und es ist eine sehr haptische, unglaublich schöne Malerei."

 

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