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Im Gespräch | Beitrag vom 15.06.2021

Fotograf Klaus BädickerDer Berliner Stadtchronist

Moderation: Ulrike Timm

Auf einer Schwarz-weiß-Fotografie steht ein Trabant vor einer Mauer, auf der "sofort abreißen!" steht. (Klaus Bädicker)
„Sofort abreißen“: Das Bild ist titelgebend für Klaus Bädickers gleichnamiges Buch über die Wohnungsmisere in der Spandauer Vorstadt. (Klaus Bädicker)

Aufgegeben, abgerissen oder gesprengt: Seit über 40 Jahren fotografiert Klaus Bädicker Häuser und Straßen in Berlin-Mitte. Altbauten kennt der Ur-Berliner ebenso gut wie die Plattenbausiedlungen der DDR. Geboren wurde er mitten im Bombenhagel im Prenzlauer Berg. 

Klaus Bädickers Laufbahn als Chronist der Entwicklung von Berlin-Mitte begann in den 1980er-Jahren beim Volkseigenen Betrieb Kommunale Wohnungsverwaltung Berlin Mitte. Viele Häuser, die er damals fotografierte, hat er seitdem immer wieder abgelichtet. "Vergleichsbilder" nennt Bädicker seine Schwarz-Weiß-Fotografien, die inzwischen einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren abbilden.

Menschen vereinsamen in Berlins Mitte

Besonders interessieren Klaus Bädicker bis heute die Höfe der Berliner Mietskasernen: "Der Hof ist so ein geschlossener Raum. Man hat die Straße verlassen und kommt in das Intimleben eines Hauses rein. Denn in dem Haus wohnen Menschen, die sitzen – jedenfalls früher war das so üblich – auf dem Hof gemeinsam. Wir haben unter irgend so einem Holunderstrauch gesessen und haben selbst gemachten Wein getrunken in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg. Und das Gefühl wollte ich immer wieder haben."

Porträt von Klaus Bädicker, vor einer mit Efeu bewachsenen Wand. (Florian Lesse)Chronist Berlins, der inzwischen auch Motive in Brandenburg fotografiert: Klaus Bädicker (Florian Lesse)
Mit Sorge beobachtet der Chronist der Berliner Mitte, wie Wohnraum in den Innenstadtbezirken immer teurer werde und Menschen immer mehr vereinsamten. "Da ist eine große Gefahr zu befürchten", sagt Bädicker.

Die Bilder bleiben im Kopf hängen

Bevor Klaus Bädicker Architektur fotografisch dokumentierte, erlernte er einen Bau-Beruf und studierte danach Baustoffkunde in Weimar. "Es hat mir mindestens geholfen beim Begreifen von Häusern, wie die Dinger sich zusammensetzen, woraus sie sich zusammensetzen", erzählt Bädicker.

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Seine Fotokamera habe er immer dabei, sagt der Fotograf. "Und wenn ich sie nicht dabeihabe, bin ich ganz unglücklich. Ich seh‘ auch im Urlaub immer durch diese Linse. Ich verarbeite das alles im Kopf. Die Bilder bleiben ja auch im Kopf hängen bei mir."

Vor einigen Jahren hat Bädicker begonnen, seinen dokumentarischen Radius um das Land Brandenburg zu erweitern. 282 Guts- und Herrenhäuser hat er dort schon fotografisch festgehalten und an die 3.000 Dörfer besucht. Es sei den Ortsbürgermeistern zu verdanken, dass diese Guts- und Herrenhäuser nicht abgerissen wurden. "Das Land Brandenburg ist ein sehr schönes Land. Inzwischen habe ich das Land Brandenburg gründlich durchfahren."

Klaus Bädicker: "Sofort abreißen"
Eigenverlag, Berlin
Zu beziehen bei ausgewählten Berliner Buchhändlern
312 Seiten, 25 Euro

(ruk)
 

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