Fotograf Christoph Bangert

    "Ich vermisse den Krieg"

    14:31 Minuten
    Ein Porträt des Fotojournalisten Christoph Bangert am Schreibtisch in einem Arbeitszimmer.
    Fotojournalist Christoph Bangert © picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd
    Christoph Bangert im Gespräch mit Christine Watty · 14.09.2021
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    Es ist nicht leicht, als Kriegsfotograf ins normale Leben zurückzufinden, sagt Christoph Bangert. Er hat den Absprung trotzdem geschafft, auch weil er irgendwann am Sinn seiner Arbeit zweifelte. Diese Zweifel thematisiert er in seinem Buch "Rumors of War".
    Irak, Afghanistan, Darfur, Fukushima: Jahrelang war der Kölner Fotograf Christoph Bangert für verschiedene Zeitungen und Magazine in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt unterwegs. Seine Erfahrungen hat er in mehreren Büchern verarbeitet:
    In "War Porn" (2014) beschrieb er die Schrecken und Grausamkeiten des Krieges im Irak. 2016 folgte mit "Hello Camel" ein Fotoband, der den oft absurden Alltag in Kriegs- und Krisengebieten zeigte.
    Jetzt hat Bangert mit "Rumors of War" den dritten Band seiner Trilogie zur Kriegsfotografie vorgelegt: ein Tagebuch seiner letzten Reise als Kriegsreporter, bei der er 2013 für die New York Times in Afghanistan war. Eine Mischung aus handgeschriebenen Texten, Fotos, Collagen, eingeklebten Visitenkarten und Alltagsmaterialien. Und eine Auseinandersetzung mit seiner Rolle als Kriegsfotograf.

    "Man vermisst die Ehrlichkeit und die Rauheit"

    Das Tagebuch beginnt mit den Worten "I miss war" - ich vermisse den Krieg. Für Menschen, die diese Situation nie kennengelernt haben, mag das eine Provokation sein, räumt Bangert ein. Und dennoch:
    "Man vermisst so diese Ehrlichkeit und diese Rauheit, aber vielleicht auch diese Direktheit, die das Leben im Krieg ausmacht."
    Dabei gehe es nicht nur um die Gefahr und den Adrenalinkick. "Sondern es ist eher der Sinn, den man empfindet, wenn man diese Arbeit macht", sagt der Fotograf. "Ich leiste einen gesellschaftlichen Beitrag. Meine Arbeit ist für die Gesellschaft, die ich dokumentiere, aber auch für die Gesellschaft zu Hause."
    Gleichzeitig ist sein Buch auch eine Auseinandersetzung mit den Zweifeln, die ihm damals schon kamen:
    "Macht es Sinn, in ein Krisengebiet zu fahren und dort Fotos zu machen? Steht mir das überhaupt zu als weißer, männlicher Fotograf? Wer bin ich denn schon, das zu machen?"

    "Man schickt das eigene Umfeld durch die Hölle"

    Hinzu kamen persönliche Zweifel, ob er die Arbeit als Kriegsreporter wirklich weitermachen wolle, sagt Bangert.
    "Ich hatte zu der Zeit schon zwei Kinder und man schickt eigentlich das eigene Umfeld, die eigene Familie und die Freundinnen und Freunde durch die Hölle, wenn man solche Arbeit macht, obwohl es vor Ort gar nicht immer so gefährlich ist."
    Und schließich hatte er auch Zweifel hinsichtlich der Situation in Afghanistan: "Es war damals schon abzusehen, dass das eigentlich nicht funktionieren konnte, die Besetzung des Landes, dieser Staat konnte nicht funktionieren."
    (uko)

    Christoph Bangert: "Rumors of War"
    Kehrer Verlag, 240 Seiten, Englisch, 35 Euro

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