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Im Gespräch | Beitrag vom 08.04.2021

Forstwirt und Ornithologe Wulf GatterAm liebsten wäre er ein Mauersegler

Moderation: Ulrike Timm

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Ein älterer Mann steht im Herbst auf einer Wiese. (Dorothea Gatter)
Mit zehn Jahren hat Wulf Gatte sein erstes Fernglas bekommen. (Dorothea Gatter)

Seit mehr als 50 Jahren beobachtet Wulf Gatter auf der Schwäbischen Alb Vögel und Insekten. Den naturbegeisterten Förster zog es aber auch ins afrikanische Liberia. Dort entdeckte er den Fleckflügelbülbül und vieles mehr.

Wer wie Wulf Gatter seit mehr als 50 Jahren Vögel beobachtet, braucht viel Geduld. Aber die hat der Forstwirt und Ornithologe von der Schwäbischen Alb. In seiner Forschungsstation am Randecker Maar erfasst er seit 1969 systematisch die Vogelarten, die über den ehemaligen Vulkankrater hinwegziehen. 70.000 Exemplare pro Vogelzug – mittlerweile eine riesige Datenbank, die Aufschluss über die Wanderungsbewegungen gibt.

Oft zieht es den 77-Jährigen schon in der Morgendämmerung hinaus. "Dann kommen die ersten Ringdrosseln, die ersten Singdrosseln, die Feldlerchen rufen. Die einen hört man nur, die anderen kann man schon sehen." Und dann wird gezählt. "Wir unterscheiden etwa 200 Arten an den Rufen; den wesentlichen Ausschnitt bilden circa 120 Arten von Singvögeln. Deren Rufe zu kennen, ist eigentlich eine Grundvoraussetzung."

Die Entdeckung des Fleckflügelbülbüls

Sein erstes Fernglas bekommt Wulf Gatter mit zehn Jahren – ein folgenreiches Weihnachtsgeschenk; seither ist er der Naturbeobachtung verfallen. Er studiert Forstwirtschaft, bleibt aber seinem Hobby treu. 1981 führt ihn seine Entdeckerlust ins afrikanische Liberia. Für drei Jahre ist er im Auftrag der Entwicklungsorganisation GTZ in dem Land unterwegs. Und erfüllt sich den Traum eines jeden Ornithologen: Er entdeckt eine bis dahin unbekannte Vogelart, den Fleckflügelbülbül. "`Bülbül´ heißt ursprünglich `Nachtigall´ auf Arabisch. Die Bülbüls sind eine sehr artenreiche Gruppe im Bereich der Tropen und Subtropen, die gibt es in Europa nicht, aber in Afrika. Es ist aber eine völlig andere Vogelgruppe, die nichts mit der Nachtigall verwandtschaftlich zu tun hat."

Die Wirren des liberianischen Militärputsches

In den Folgejahren kehrt er immer wieder nach Liberia zurück und erlebt die Wirren des Militärputsches und des späteren Bürgerkrieges mit. "Mein Arbeitsgebiet im liberianischen Regenwald grenzte in jeder Richtung an das der Revolutionsanhänger, die an der Ablösung der liberianischen Regierung beteiligt waren. Und das hat auch zu manchen Schwierigkeiten natürlich geführt. Unter anderem einer Nacht im Gefängnis oder andere Druckmittel, die man versucht hat auszuüben, um an die Maschinen unseres Projektes zu kommen."   

Langzeitbeobachtungen zum Insektensterben

Zurück auf der gemütlichen Schwäbischen Alb widmet sich Wulf Gatter vermehrt der Beobachtung der Vögel und auch der Insekten. Auch hier baut er eine umfangreiche Datenbank auf. Seine Langzeitbeobachtungen bestätigen das Insektensterben. "Wir haben festgestellt, dass die Unterschiede absolut dramatisch sind. Wir haben das bei den Schwebfliegen ausgerechnet und sind auf circa drei Prozent dessen gekommen, was Jahrzehnte vorher durchgezogen ist."

Begeisterung für den Mauersegler

Die Forschungsstation am Randecker Maar ist Wulf Gatters Lebenswerk; ob und wie es dereinst weitergeführt wird, ist noch offen. Derzeit versucht er, Finanzierungsmittel einzuwerben, "aber das ist schwierig". Aber noch denke er ja auch nicht ans Aufhören. Und was wäre Wulf Gatter gern, wenn er ein Vogel sein könnte? "Begeistern würde mich der Mauersegler. Er verbringt sein ganzes Leben in der Luft, wandert im Zweifelsfall von Nordskandinavien bis nach Südafrika und zurück." Leider sei auch ihr Bestand gefährdet, aber Mauersegler seien "das Spannendste, was die Ornithologie zu bieten hat. Und ich würde auf jeden Fall die Winter über den Wäldern von Liberia verbringen."

(sus)

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