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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.01.2018

Forschung zu Fans"Nicht jeder Konsumartikel hat Kultcharakter"

Harald Lange im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Ein bärtiger Mann trägt eine überdimensionale Flensburger-Bierflasche (imago/Steinach)
Den Kult befördern: Manche Biermarke ist Fan-Gegenstand. (imago/Steinach)

Fan kann man von Sportklubs oder Bands sein, aber auch von Autos und Biermarken. Harald Lange leitet das Institut für Fankultur an der Uni Würzburg und hat extreme Leidenschaft kennengelernt. Er hat auch Vorschläge, wie sich Fantum befördern lässt.

Zuerst hat er die Fankultur im Fußball untersucht, mit seinem neuen Projekt greift Fanforscher Harald Lange weiter aus - auf alles, wovon man Fan sein kann.

In seiner Forschung auf ganz ungewöhnliche und teils auch skurrile Gegenstände des Fantums gestoßen:

"Autos, bestimmte Modeartikel, Biermarken, Erfrischungsgetränke. bis hin zum Thema Reise und alle möglichen anderen Sportarten."

Die Wohnung und die Lieblings-Biermarke

Bierfans begründeten ihr Fantum in aller erster Linie über den Geschmack. Sie würden dann auf diese Biermarke schwören und auch niemals ein anderes Bier trinken, es sei denn, das Lieblingsbier wäre ganz und gar nicht verfügbar.

"Aber darüber hinaus kommt es nicht nur auf das Trinken und den Trinkgenuss an, sondern man umgibt sich auch mit der Historie des Bieres, man rekonstruiert, wo kommt es her, in welcher Gegend, wer hat da alles eine Rolle gespielt. Man sammelt Bierdeckel und andere Merchandising-Artikel zu dieser Brauerei und versucht alles zu bekommen, was mit diesem Bier in Verbindung steht und stattet damit dann auch die Wohnung aus."

Im Extremfall sei die ganze Wohnung, das gesamte Lebensumfeld eines Bierfans mit solchen Ausstattungen bestückt.

Merchandising und Fan-Kultivierung

Lange betont, bei den Konsumartikel würden aber nur ganz bestimmte Artikel zum Fanobjekt. Eine Systematik habe die Forschung aber noch nicht erkannt für die Frage, welche sich da besonders gut für eignen. Das Spektrum sei doch relativ weit.

"Nicht jeder Konsumartikel ist geeignet, auch den Status eines Kultcharakters zu bekommen, der dann letztlich auch Fangegenstand werden kann. Das hat sehr viel mit einer Geschichte zu tun – und in der Geschichte eine Produktes da stecken natürlich auch ganz viele Erlebnisse, und damit auch Emotionen und andere Menschen mit drin. Man fühlt sich regelrecht ein und wird auch eins mit dem Produkt."

Lässt es sich befördern, dass etwas zum Fangegenstand wird? Der Würzburger Fanforscher betont, das sei bei jedem Thema etwas ganz Besonderes.

"Aber es lassen sich gewisse Regelmäßigkeiten im Hinblick auf Emotionalität, Bindung und Leidenschaft ausmachen."

Ein Schlüssel, wenn man ein Projekt zum Fangegenstand machen wolle, sei die Kommunikation, insbesondere, wenn man nicht mit großem Geld agieren könne, sagt Lange:

"Es muss Gelegenheiten geben, über das Produkt, über das Event, über den Gegenstand zu reden, zu kommunizieren. In unserer heutigen Zeit mit all den Möglichkeiten im Internet wären eben Foren und andere Online-Plattformen das probate Mittel, um so einen Prozess anzustoßen und zu befeuern. Und das auch immer wieder zu kombinieren mit Fanaktivitäten wie Reisen, wie Treffen, wie Messen und wo weiter."

Für sein neues Projekt ruft Prof. Dr. Lange Fans auf, an einer Umfrage teilzunehmen. Es handelt sich um eine Untersuchung, die Fanszenen übergreifend und überregionale angelegt ist.

(mf)

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