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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 27.11.2014

ForschungImpfen – Jein Danke!

Status Quo und Grenzen der Impfforschung

Von Maximilian Julius Klein und Thomas Klug

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Impfungen gegen  Krankheiten wie Krebs oder Aids? Forscher arbeiten daran
Impfungen gegen Krankheiten wie Krebs oder Aids? Forscher arbeiten daran.

Während Ärzte noch Überzeugungsarbeit bei Schutzimpfungen leisten müssen, forscht man bereits an Impfungen gegen Krankheiten wie Krebs, Aids oder Demenz.

Geimpfte sind nicht gesünder als Ungeimpfte – im Gegenteil.

Die Alternative zum Impfen ist das Nichtimpfen! Keine einzige Impfung benötigt hier und heute ein Kind bis zu dem 15. Lebensjahr.

Zur Erklärung zunehmender Dummheit und zunehmender Gewaltkriminalität brauchen wir nicht die ausgefallensten Theorien heranziehen, denn die Lösung liegt auf der Hand: Intelligenzverlust führt zur Kriminalität. Um es deutlich zu sagen: Ursachen dieser Entwicklung sind die Impfungen.

Impfen ist ein staatliches Verbrechen, welches in Konsequenz das Leben der Menschheit in naher Zukunft absichtlich zerstört!

 Es ist aus spiritueller Sicht nicht gut, Kinder gegen Kinderkrankheiten zu impfen.

Erfahren Sie, was hinter der Geschichte des Impfens wirklich steckt: Lügen. Lügen. Lügen

Die dunklen Seiten des Internets - Verschwörungen für jeden Geschmack. Es sind Seiten von religiösen Fanatikern, Erkenntnisallergikern und Wissensabstinenzlern. Man muss das nicht ernst nehmen. Doch es könnte etwas dahinter stecken: Ein dumpfes Gefühl, irgendein Unbehagen und der leise Verdacht: Impfungen könnten mehr schaden als nutzen. Oder es ist einfach das Interesse mehr darüber zu erfahren, warum es nötig sein soll, schon Neugeborene mehrfach zu impfen – schließlich ging es doch früher auch ohne. Und: Werden beim Impfen nicht die Krankheitserreger eingesetzt, vor denen man sich eigentlich schützen will?

Auf der anderen Seite stehen Forschung und Wissenschaft, die neue Möglichkeiten entwickeln, um Krankheiten gar nicht erst ausbrechen zu lassen. Es gibt neue Impfstoffe, die Hoffnungen wecken. Prof. Thomas Weinke, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Infektiologie im Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam erwähnt davon besonders zwei:

"Der Hepatitis B-Impfstoff kann letztendlich Leberkrebs verhindern. Und wir haben einen Impfstoff zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs. Der für junge Mädchen eingesetzt wird. Beide Impfstoffe hoch effektiv. Das bedeutet, dass wir da wirklich sehr, sehr viel erreicht haben in den letzten Jahren."

Es gibt neue Ziele – und Träume. Sebastian Dietrich von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen"

"Der Impfstoff ist der Traum für viele Krankheiten. Wenn wir einen Impfstoff für Tuberkulose hätten … - das wäre ein Traum. In Deutschland spielt sie nicht mehr so eine Rolle, aber überall, wo wir sind ist Tuberkulose nach wie vor eine Bedrohung für die Leute. Wenn es eine Impfung gegen HIV gäbe, das wäre fantastisch. Es würde keine Ansteckung mehr für HIV geben."

Welche neuen Impfstoffe sind zu erwarten?

Schwere Krankheiten und enorme Beeinträchtigungen der Lebensqualität bedeuten gleichzeitig Herausforderungen für Forschung und Medizin. Welchen Krankheiten lassen sich durch Impfungen verhindern, welche neuen Impfstoffe sind zu erwarten? Der Mikrobiologe Prof. Christian von Eiff, Dozent an der Universität Münster und Forschungsleiter beim Pharmaherstellers Pfizer:

"Derzeit haben wir Pneumokokkenimpfung. Das ist ein sehr großer Schritt, ein Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff, weil tatsächlich die Todesfälle durch diesen Erreger enorm hoch sind. 1,6 Millionen Menschen sind an diesem Erreger gestorben pro Jahr weltweit. Insofern ist das schon ein ganz großer Schritt gewesen. In der Zukunft werden wir hoffentlich weitere Impfstoffe zu Meningokokken haben. Und Meningokokken, das sind Bakterien, die häufig eine Meningitis, das heißt eine Hirnhautentzündung auslösen können. Das ist eine sehr schwere Erkrankung, die nicht selten auch mit dem Tod assoziiert sein kann, obendrein auch noch mit Komplikationen verbunden sein kann. Und hier einen erfolgreichen Impfstoff zu finden oder zu entwickeln, ist etwas, was ganz oben auf der Agenda steht. Wobei man sagen muss: Es gibt verschiedene Meningokokken - Erreger. Es gibt auch schon verschiedene auf dem Markt, gegen bestimmte Serotypen. Wir versuchen auch weiter, möglichst das ganze Spektrum zu erreichen."

Die Zusammenarbeit von Universitäten mit Pharmafirmen steht in der Kritik. Tatsächlich ist universitäre Forschung ohne Gelder der Industrie selten möglich. Kritiker vermuten hier Interessenkonflikte. Hinzu kommt, dass die Pharmafirmen nicht den besten Ruf haben. Auch die Geschichte von Pfizer umfasst dunkle Kapitel. Nigerianische Behörden werfen Pfizer vor, ein inzwischen verbotenes Antibiotikum an Kindern getestet zu haben. In der Folge soll es mehrere Todesfälle gegeben haben. Pfizer soll Arzneistudien zurückgehalten und Staatsanwälte in Nigeria bedroht haben. Genau das wird als Argument für die vollständige Ablehnung von Impfungen benutzt. Impfungen gäbe es nur, so meinen die fundamentalistischen Impfkritiker, um Pharmafirmen hohe Profite zu garantieren. Natürlich wollen auch Pharmafirmen hohe Gewinne erzielen. Doch sie investieren auch Milliarden in die Forschung. Dabei konzentrieren sich auf Medikamente und Impfstoffe, die in der westlichen Welt gefragt sind. Krankheiten, die eher in ärmeren Ländern kursieren, stehen nicht sehr weit oben auf ihrer Prioritätenliste.

Die Zahl der möglichen Impfungen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Der wissenschaftliche Fortschritt ermöglicht Impfungen, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Der Infektiologe Thomas Weinke:

"Denn was wir machen ist ja eigentlich nur zu verhindern, dass diese Krankheitserreger auf den Menschen zukommen und damit eine Erkrankung auslösen. Und wenn wir diese Erkrankung verhindern können ist das eigentlich keine Gefährdung für den Menschen sondern ganz im Gegenteil, es schützt ihn und es hilft ihm."

Impfungen. Die Idee, durch abgeschwächte Krankheitserreger die Immunabwehr des Körpers zu stärken, ist über tausend Jahre alt, angewendet zum Beispiel von hinduistischen Heilern, den Brahmanen:

Die Brahmanen legten mit Pockenmaterie getränkte Baumwolle auf den rotgeriebenen Vorderarm und zogen giftgetränkte Seidenfäden durch die Haut. Bei den Chinesen war das Anziehen von Hemden von Blatternkranken und die Methode des Pockensäens allbekannt: Mit Pockeneiter getränkte Baumwolle oder die feuchten Schorfe der Pockenpusteln wurden Kindern in die Nasenlöcher gestopft, freilich nicht immer mit Erfolg. Bei den Griechen war die Einimpfung des Blatterngifts durch Nadelstiche in die Gesichtshaut im Anfange des 18. Jahrhunderts allgemein eingeführt.

So berichtet es der Mediziner und Autor Otto von Boltenstern in seinem 1880 erschienenen Buch 'Die neuere Geschichte der Medizin'.

Die alten Impfpraktiken klingen für heutige Ohren weder appetitlich, noch vertrauenserweckend.

Weinke: "Aber wir haben ja natürlich bessere Impfstoffe zur Verfügung. Da hat sich extrem viel entwickelt in den letzten Jahren. Es fing mit Einzelimpfstoffen an. Heute haben wir Kombinationsimpfstoffe. Was schließlich dazu geführt hat, dass wir eine Vielzahl von Erkrankungen von Impfungen haben, mit denen wir diese Erkrankungen verhindern können."

"Impfungen gehören zu den wirksamsten präventiven medizinischen Maßnahmen"

Impfen hat das Leben von Menschen mehr beeinflusst, als manche technische Innovation. So sieht es Christof von Eiff: "Die Impfungen gehören wirklich zu den wirksamsten präventiven medizinischen Maßnahmen. Ich denke mit Ausnahme von sauberem Trinkwasser hat keine andere Maßnahme mehr Leben gerettet als die Impfstoffe. Das steht tatsächlich auch in vielen Lehrbüchern und Handbüchern, und diese Aussage, zu der stehe ich auch, ist auch sehr gut belegbar. Wir hätten eine deutlich schlechtere Welt, eine viel höhere Kindersterblichkeit, die gab es auch. Die Menschen würden auch nicht so alt werden. Gerade zu Beginn und am Ende des Lebens ist man besonders gefährdet durch Infektionen."

Das System ist in der Lage selbstständig Bedrohungen zu erkennen. Überwindet der Feind den äußeren Verteidigungswall, greifen die Spezialkräfte sofort und rücksichtslos an. Das System ist unser Immunsystem. Es ist eine Wunderwaffe des Körpers. Millionen von Abwehrzellen beschützen uns vor einer Vielzahl von Angreifern, die erheblichen Schaden anrichten können.

Eiff: "Der Oberbegriff sind Mikroorganismen. Und zu den Mikroorganismen gehören die Bakterien, die Viren, die Pilze und die Parasiten. Das sind vier völlig unabhängige Pathogene, also krankmachende Erreger. Man versucht ganz spezifisch, je nach Merkmal eines Erregers Impfstoffe zu entwickeln. Das ist sehr, sehr unterschiedlich zwischen Bakterien und Viren. Die Malaria gehört zu den Parasiten. Dann gibt es Pilze, ist eine ganz eigene Welt."

Entscheidend ist das Antigen, meist Proteine, also Eiweiße, die sich an bestimmte Rezeptoren binden können und so die Bildung von Antikörpern anregen. Das heißt: Das Immunsystem lernt. Kennt das System den Erreger, kann es diesen in Zukunft erfolgreich bekämpfen. Das Ziel ist, die Krankheit nicht erst ausbrechen zu lassen und nicht zu übertragen. Geimpft wird mit abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserregern.

Eiff: "Ein Lebendimpfstoff sind Impfstoffe, die Erreger enthalten, die sich noch vermehren können, das heißt die Erreger sind zwar abgeschwächt, damit sie eben keine tatsächliche Erkrankung auslösen. Da braucht man auch keine Angst zu haben, wenn man einen Lebendimpfstoff bekommt, weil sie sind tatsächlich so abgeschwächt, dass es nicht zu einer Infektion kommt. Beispiele hierfür sind Masern, Mumps und Röteln. Aber es sind eben so genannte Lebendimpfstoffe, wo die Erreger sich noch vermehren können. Im Gegensatz dazu gibt es die so genannten Tot-Impfstoffe mit inaktivierten Erregern, die enthalten einen kompletten abgetöteten Erreger oder Fragmente des Erregers. Beispiel hierfür sind Pneumokokken, Tetanus und Diphtherie."

Anders als in den USA, Großbritannien, Italien und einigen anderen Ländern gibt es in Deutschland keine Impfpflicht. Die Ständige Impfkommission, angesiedelt beim Robert-Koch-Institut, gibt regelmäßige Impfempfehlungen heraus, zusammengefasst im sogenannten Impfkalender. In der Vergangenheit stand die Kommission in der Kritik, weil einige ihrer Mitglieder eine Nähe zu Impfstoffherstellern hatten. Die öffentliche Kritik hat Wirkung gezeigt: Inzwischen wird versucht, Interessenkonflikte offenzulegen oder gleich auszuschließen. Die Sitzungsprotokolle der Kommission sind öffentlich. Die Impfempfehlungen werden in der Regel einmal jährlich herausgegeben. Sie haben keinen verpflichtenden Charakter, allerdings müssen die Krankenkassen die Kosten für die empfohlenen Impfungen übernehmen.

Viele Impfungen sind möglich, doch was davon ist nötig – und allgemein von Nutzen? Im Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" haben sich Mediziner wie der Kinderarzt

Karl-Reinhard Kummer zusammengefunden. Sie sind sich darin einig, dass Impfungen als Schutzmaßnahme vor bedrohlichen Erkrankungen wichtig sind. Doch sie hinterfragen die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impftermine – ab wann also sollte ein Neugeborenes geimpft werden. Und sie wollen auch über mögliche Nebenwirkungen von Impfungen informieren, um im Einzelfall zwischen den Risiken einer Erkrankung und einer Impfung abwägen zu können.

Kummer: "Man muss sich auf die essentiellen, wirklich notwendigen Impfungen konzentrieren in Zukunft. Wobei die Argumente eigentlich kaum ausgetauscht werden, darüber, es gibt keinen wissenschaftlichen Diskurs darüber welche der Impfungen eigentlich entbehrlich sind. Im Gegenteil wir haben in den letzten Jahrzehnten eine massive Vermehrung an Impfempfehlungen gehabt. Auch in der alten DDR gab es bei weitem nicht so viele Impfungen wie jetzt. Wir haben jetzt so 30 Impfungen die in den ersten zwei Jahren empfohlen werden wenn man die Kombinationsimpfstoffe dabei berücksichtigt. Und das waren vor dreißig Jahren ungefähr fünf."

Der Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheidungen" begleitet die Arbeit der Ständigen Impfkommission kritisch und fragt auch nach den langfristigen Folgen einzelner Impfungen.

Kummer: "Zum Beispiel die Impfung gegen das Humanus Papilloma Virus (HPV) ist, abgesehen davon, dass heute niemand weiß ob die Impfung heute in 25 Jahren hilft, wirklich einen Gebärmutterkrebs zu verhüten. Das stelle ich jetzt mal anheim. Aber es gibt immer wieder Berichte von unklaren Krankheitsbildern junger Frauen, die diese Impfung bekommen haben."

Es gibt andere Befürchtungen. Die Impfungen enthalten Fremdeiweiße, die schaden könnten. Thomas Weinke sieht darin kein Problem:

Weinke: "Dieses Argument, dass man mit viel Eiweißen einen Schaden anrichten könnte, halte ich für nicht gegeben, weil natürlich auch wir uns, im täglichen Leben mit so vielen, wir nennen das Antigenen, also Fremdeiweißen, auseinandersetzen. Das fängt bei Nahrungsmitteln an, über die Expositionen in der Umwelt. So dass ich das, was ich in guten Studien für gesichert halte, und das sind die Impfstoffe, für wirklich sicher halte auf dieser Ebene."

"Alle Impfstoffe enthalten Aluminium"

Zum Impfstoff gehören die Adjuvantien, also Hilfsstoffe, die die Wirkung verstärken.

Kummer: "Alle Impfstoffe enthalten Aluminium. Es gibt immer wieder Diskussionen, ich erwähne nur das Beispiel Morbus Alzheimer, da wird sicher zu Recht diskutiert das Aluminium dabei eine Rolle spielt. Auch hinsichtlich der Babynahrung, wird zum Beispiel dringend abgeraten da von Soja, wegen des Aluminiumgehaltes für Babynahrung, zu verwenden. Aber über die langfristigen Schäden durch diese Aluminiumzusätze ist wirklich viel zu wenig bekannt. Und das Problem ist das, dass Aluminium lebenslang im Organismus bleibt."

Der Mikrobiologe Christof von Eiff, der für die Pharmafirma Pfizer forscht, sieht darin kein Problem:

"Es ist tatsächlich so, dass bei diesen Zulassungsstudien, die übrigens auch darüber hinaus, nach Zulassung eines Impfstoffes sehr gut geprüft wird, Nebenwirkungen, auch Langzeitnebenwirkungen, auch sehr seltene Nebenwirkungen. Deshalb gibt es ja diese vierte Phase auch und nach Zulassung noch, in der sehr große Patientenzahlen schon in den ersten Studienphasen untersucht wurde. Aber bei Nachzulassung in Phase vier wird dann noch mal ganz genau geschaut, ob ganz seltene Nebenwirkungen auftreten und egal durch welchen Bestandteil eines Impfstoffes, es würde auffallen, wenn dann hier ein Problem entsteht."

Klar ist: Absolute Sicherheit gibt es nicht – nirgends. Bevor die Ständige Impfkommission eine Empfehlung ausspricht, findet ein komplexer Abwägungsprozess statt:

Weinke: "Also es gibt natürlich immer ganz klare Risiko-Nutzen –Analysen bevor es überhaupt eine Impfempfehlung gibt. Die beschäftigt sich dann auch sehr intensiv nicht nur mit dem Risiko der Erkrankung, sondern auch mit einem potentiellen Nebenwirkungsspektrum. Und insofern ist da schon eine sehr ausgewogene Entscheidung, ein Entscheidungs-Prozess der oftmals auch nicht ganz einfach ist. Das ist die Grundlage, dass überhaupt eine Impfempfehlung gegeben wird. Und wenn wir eine solche Impf-Empfehlung haben, und die Erfahrung der letzten Jahre haben uns gezeigt, dass bestimmte Trägerstoffe es sogar vereinfachen und man mit geringeren Impfstoffmengen hinkommt. Also insofern darf man das sicherlich nicht pauschal verurteilen, aber man muss es auch kritisch hinterfragen."

Vielleicht liegt hier das Problem. Wer kann schon genau kritisch hinterfragen, wie nötig ein Impfstoff ist. Eltern wollen verständlicherweise informiert sein. Die Autorität des Weißkittels genügt nicht mehr.

Kummer: "Impfberatung kostet unglaublich viel Zeit. Wenn sie sauber den Katalog der Impfungen mit Eltern besprechen wollen, die Fragen haben, brauchen sie eine Stunde. Das ist meine Erfahrung. Das heißt, Eltern haben, wenn sie die Realität einer deutschen Arztpraxis sich angucken, gar nicht die Möglichkeit richtig informiert zu werden."

Genau das sei das Problem, sagt Kinderarzt Karl-Reinhard Kummer:

"Also ich möchte da auch meine Kollegen in Schutz nehmen, die nicht so viel Zeit aufwenden können. Es geht in der Praxis nicht. Wir müssen mit der Information zur Impfung als soziale Gemeinschaft anders umgehen können."

Bei Impfungen, so scheint es hierzulande, geht es nicht mehr um Leben und Tod, sondern um mögliche Nebenwirkungen von Impfungen. Prof. Thomas Weinke von der Ständigen Impfkommission:

"Jede Impfung macht Nebenwirkungen. Die üblichen Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Einstichstelle, sind natürlich auch eine lokale Röte an der Einstichstelle und wir müssen klar unterscheiden zwischen sogenannten Lebendimpfstoffe, wo abgeschwächte Infektionserreger gegeben werden, die aber keine Erkrankung auslösen. Und sogenannte Tot-Impfstoffe, die dieses Potential also nicht haben, die aber genauso effektiv sein können. Diese potentiellen, geringen Nebenwirkungen muss man bei jedem Impfstoff in Rechnung haben. Und muss sie auf der Liste haben und muss sie dem betreffenden Impfkandidaten auch natürlich nennen und beschreiben. Die sind in der Regel aber harmlos."

Alle möglichen Nebenwirkungen und Verdachtsfälle für Impfschäden werden in einer Datenbank des Paul-Ehrlich-Instituts gesammelt, dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Die Zahl der Verdachtsfälle und der tatsächlichen nachgewiesenen Impfschäden gehen weit auseinander. Gerade im Kindesalter wird häufig geimpft. Kommt es dann zu einer Erkrankung, wird schnell die Impfung als Ursache benannt. Dabei kann es auch viele andere krankheitsauslösende Faktoren geben.

Manche Krankheiten haben ihren Schrecken verloren: Pest und Pocken, die einst ganze Landstriche entvölkerten, gelten weitgehend als ausgerottet, auch wenn hin und wieder einzelne Krankheitsfälle auftreten. Doch andere Krankheiten sind auch gefährlich. Der Begriff "Kinderkrankheiten" ist irreführend.

Yushi, der Mann mit der senfverschmierten Schürze hinter der Theke sagte: "Völlig tot hier". "Es ist ja auch heiß", sagte Mr. Cantor. "Nein, es kommt keiner wegen dem Jungen".

"Alan Michaels". "Ja", sagte Yushi. "Er hat hier einen Hot Dog gegessen und hat Kinderlähmung gekriegt und ist gestorben, und jetzt haben alle Angst, hier reinzukommen." "Von Hot Dogs kriegt man keine Kinderlähmung. Wir haben tausende von Hot Dogs verkauft, und keiner, der sie gegessen hat, hat Kinderlähmung gekriegt. Aber dann wird ein Kind krank und sofort heißt es, das kommt von den Hot Dogs. Wie soll man von einem gekochten Würstchen Kinderlähmung kriegen?"

"Die Leute haben Angst", sagte Mr. Cantor. "Die haben eine Heidenangst und darum machen sie sich über alles mögliche Sorgen." Dann sagte Mr. Cantor nichts, sondern aß seinen Hot Dog und hörte "I'll be seeing you" zu Ende.

Newark 1944. Es ist eine fiktive Epidemie, die Philip Roth in seinem Roman "Nemesis" beschreibt. Die Krankheit ist real: Poliomyelitis, Kinderlähmung. Real sind auch die Reaktionen der Menschen, ihre Ängste, ihre Unsicherheiten. Und ihre Suche nach Schutz für die Kinder.

"Die Leute vom Gesundheitsamt waren da", sagte eine Frau. "Ich habe sie gesehen, sie haben an den Häusern, wo es einen Poliofall gegeben hat, Quarantäneschilder aufgestellt. Einer war in der Straße, wo ich wohne", fuhr sie mit bekümmerter Stimme fort. "Und das Gesundheitsamt tut nichts!", sagte jemand anderes wütend. "Was unternimmt die Stadt dagegen? Nichts!" "Was kann man den schon dagegen tun", sagte eine andere Frau. "Aber die müssen doch etwas tun können – sie tun es nur nichts!" "Sie sollten die Milch untersuchen. Kinderlähmung kommt von kranken Kühen und ihrer Milch." "Nein", sagte ein anderer, "es liegt nicht an den Kühen, sondern an den Flaschen. Die werden nicht richtig sterilisiert." "Warum wird nicht alles ausgeräuchert?", fragte jemand. "Warum setzen sie keine Desinfektionsmittel ein? Es müsste alles desinfiziert werden." "Die sollten tun, was sie in meiner Jugend getan haben", sagte jemand, "und den Kindern Kampferkugeln um den Hals hängen. Damals gab's was, das hieß Teufelsdreck und hat entsetzlich gestunken – vielleicht würde das helfen." "Oder irgendwelche starken Chemikalien auf die Straße streuen und alles wegspülen."

Eine Krankheit geht um - wer wird ihr nächstes Opfer

Es ist irritierend. Eine Krankheit geht um. Sie kommt scheinbar über Nacht. Sie verbreitet sich schnell – aber wie? Wer wird ihr nächstes Opfer? Gibt es ein Entkommen? Und was wird aus denen, die sich infiziert haben? Die Antworten sind heute klar: Eine Behandlung der Kinderlähmung ist noch immer nicht möglich. Eine Therapie kann nur die Symptome lindern. Doch der Kinderlähmung kann der Schrecken genommen werden - durch Impfungen. Anfang der 1950er Jahre war in den USA die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Polio geglückt. Schnell wurden über 1,8 Millionen Kinder geimpft. Erfolgreich. Doch 1955 gibt es einen Zwischenfall: Durch Produktionsmängel in einem mit der Herstellung des Impfstoffs betrauten Labor gelangten aktive anstelle der inaktiven Polioviren in den Impfstoff – über eintausend Kinder erkrankten, hunderte blieben gelähmt, fünf starben. Es war der schwerste Arzneimittelskandal in den USA. Das Impfprogramm wurde zunächst gestoppt. Erst 1961 wurde ein zweiter Polio-Impfstoff zugelassen, nachdem er in anderen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt wurde.

Kummer: "Aber grundsätzlich ist die große Impfkampagne gegen Kinderlähmung ein großer, wissenschaftlicher und auch gesundheitspolitischer Erfolg gewesen. Noch gar nicht mal so stark in den Ländern der industriellen Welt als eben in den Ländern der dritten Welt."

Sagt Karl-Reinhard Kummer vom Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheidung". Und Sebastian Dietrich von "Ärzte ohne Grenzen" meint:

"Ohne diese Impfungen hätten wir heute wahrscheinlich wie im letzten Jahrhundert ungefähr fünf bis zehntausend Kinderlähmungsfälle im Jahr und ein Teil dieser Fälle würde überleben und würde lebenslange Behinderungen haben. Und die würden wir im Straßenbild sehen. Die sieht man nach wie vor im Straßenbild von Indien, die sieht man nach wie vor im Straßenbild in Afrika nach wie vor, obwohl in den meisten Ländern auch die Kinderlähmung stark zurückgegangen ist durch die Impfung. Aber das sind die alten Fälle."

Die Kinderlähmung ist ausgerottet, zumindest in Deutschland. Sie könnte weltweit ausgerottet sein.

Dietrich: "Ich habe mehrere Jahre im Sudan gearbeitet, ich habe mehrere Jahre in Afghanistan zum Beispiel gearbeitet. Afghanistan ist eines der wenigen Länder, wo es nach wie vor noch Kinderlähmung gibt, wo es noch neue Fälle gibt. Im Moment beschränkt sich die Kinderlähmung oft auf Länder, wo Krieg herrscht, weil nur dort ist es nicht möglich, eine effektive Durchimpfung, die zu einer effektiven Bekämpfung der Kinderlähmung führt, durchzuführen. Es gab in der Vergangenheit mehrere Pläne der

Weltgesundheitsorganisation auch die Kinderlähmung als zweite Krankheit auszurotten. Das ist bisher leider fehlgeschlagen."

Fehlgeschlagen, weil Impfungen in Kriegsgebieten fast unmöglich sind. Und fehlgeschlagen, weil religiöse Eiferer nicht nur Misstrauen säen, sondern versuchen, Impfungen mit Gewalt zu verhindern. Zum Beispiel wird aus Pakistan immer wieder von gezielten Anschlägen auf Ärzte und Krankenschwestern berichtet, die sich an Impfprogrammen beteiligen.

Manche Legende geistert durch das Internet: Impfen löse Autismus aus. Ein britischer Mediziner, Andrew Wakefied, hat diese Legende in einer "Mumps-Masern-Rötelnstudie" 1998 in die Welt gesetzt. Er hatte lediglich zwölf Kinder untersucht. Zahlreiche andere Studien haben deutlich belegt, dass es den von Wakefield behaupteten Zusammenhang nicht gibt. Doch das kümmert diejenigen nicht, die Impfen für Teufelszeug halten. Sie behaupten auch, dass Impfungen für Allergien zuständig seien. Allerdings: In der DDR gab es eine Impfpflicht. Und es gab weniger Allergiker.

Es gibt Menschen, die sich nicht impfen lassen können: aufgrund von Krankheiten oder wegen diverser Unverträglichkeiten. Das ist kein Problem, sagt der Mediziner Thomas Weinke, solange der so genannte Herdenschutz besteht:

"Der Herdeneffekt ist das, was wir erreichen, wenn wir durch Impfung innerhalb einer Population von mehr als 90 Prozent haben, dann bedeutet das, dass dieser Erreger sich in der Population gar nicht verbreiten kann. Wenn ich dann eine Gruppe habe, sagen wir mal 100 Leute, die nicht geimpft sind, die treffen sich und ein Infektionserreger kommt dort
rein, dann bedeutet das, dass er innerhalb dieser Gruppe sich einfach verbreiten kann. Wenn wir aber jetzt 95 Geimpfte drumherum haben um einen Infektionserreger, dann bedeutet das, dass er sich nicht verbreiten kann."

Eine Entscheidung für eine Impfung ist also eine Entscheidung auch für andere. Sebastian Dietrich von "Ärzte ohne Grenzen":

"Ich denke, Deutschland ist eher ein Land der Impfmüden. In den meisten unserer Nachbarländer wird zum Glück mehr geimpft. Es zeigt sich auch in Masernausbrüchen, die hier stattfinden können und die nicht stattfinden sollten. Wir erreichen hier oft nicht die nötigen Durchimpfungsraten, um die Krankheiten völlig aus unserem Leben zu verbannen. Es wäre kein Masernfall in Deutschland mehr notwendig. In Amerika hat das z.B. geklappt für viele Jahre. Da werden jetzt wieder Fälle importiert. Bei der Kinderlähmung, ja man könnte jetzt aufhören, die zu impfen. Das würde dazu führen, dass in einigen Jahren kein Kind mehr einen Impfschutz hat. Und wenn dann ein Fall kommt, vom jemand, der keine Symptome hat, also jemand, der das mitschleppt nach Deutschland bringt, ein Urlauber, oder jemand, der in solch ein Land reist, dann hätten wir plötzlich wieder einen Riesenausbruch, weil dann ist keiner mehr geschützt. Jetzt kann es sogar sein, dass mal einer das mitbringt, aus Afghanistan oder Pakistan. Und wir kriegen das gar nicht mit, weil der bringt das zwar mit, aber es erkrankt hier gar keiner."

Infektionskrankheiten können sich leichter ausbreiten. Die Welt ist kleiner, die Reiseroute für Infekte leichter geworden.

Eine Seite im Internet. Es geht um Naturkost – eigentlich. Dort, im Diskussionsforum, wird ernsthaft eine Frage diskutiert: Wie kann man in Länder reisen, in denen es eine Impflicht gibt – und diese Impfpflicht umgehen? Es werden Ratschläge erteilt, Verschwörungen wiedergekaut. Eine Weltsicht jenseits der Realität. Torsten Dietrich von "Ärzte ohne Grenzen" hat in Afrika Dinge gesehen, die es hierzulande nicht gibt: Neugeborene mit Wundstarrkrampf. Eine Diagnose, die zugleich ein Todesurteil ist.

Dietrich: "Es gibt schlimmste Krämpfe im ganzen Körper und am Ende kommt es auch zu einer Atemlähmung. Das ist verursacht praktisch durch ein Gift, was produziert wird durch das Bakterium, was den Tetanus verursacht, d.h., auch Antibiotika, die sonst für bakterielle Krankheiten benutzt werden können, helfen da nicht mehr. Der Patient hat da über Tage oder Wochen schlimmste Krämpfe im ganzen Körper. Ich kann eigentlich nur zusehen und nicht wirklich was machen."

Wer sein Leben bedroht sieht, weil eine Seuche vor der Tür steht, entscheidet sich sicherlich schneller für eine Impfung. Da ist es nur ein kleiner Pieks. Doch der Fokus hat sich verschoben, denn Impfung ja oder nein – die Frage ist purer Luxus in entwickelten Industrieländern. Ein Luxus, den sich keiner leistet, der die Krankheit unmittelbar vor Augen hat. 

 

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