Seit 05:05 Uhr Studio 9

Montag, 14.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Interview / Archiv | Beitrag vom 11.05.2015

ForschungDroht ohne Tierversuche wissenschaftlicher Stillstand?

Stefan Treue im Gespräch mit Dieter Kassel

Podcast abonnieren
Tierschützer demonstrieren am 20.12.2014 in Tübingen gegen den Einsatz von Affen in der Forschung am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. (picture alliance / dpa - Michael Latz)
Tierschützer demonstrieren in Tübingen gegen den Einsatz von Affen in der Forschung am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. (picture alliance / dpa - Michael Latz)

Sollten Tierversuche abgeschafft werden? Für Stefan Treue, Leiter des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen, ist ein komplettes Verbot kaum vorstellbar. Dann wäre in der Forschung kein weiterer Fortschritt möglich, meint er.

Das Thema "Tierversuche" erhitzt schon seit etlichen Jahrzehnten die Gemüter. Neue Wellen schlug es, als der renommierte Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis seine Versuche an Rhesusaffen einstellte, nachdem er, seine Familie und seine Mitarbeiter wiederholt massiv bedroht worden waren.

Die Reaktionen folgten auf dem Fuße: In einem offenen Brief sprachen sich 16 Nobelpreisträger für Tierversuche aus - sie seien wichtig und unverzichtbar für den medizinischen Fortschritt. Heute wiederum wird im Europäischen Parlament über die Forderung der EU-Initiative "Stop Vivisection", Tierversuche zu verbieten, debattiert.

Ein weiterer Fortschritt wäre kaum möglich

Für Stefan Treue, Leiter des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen, ist ein komplettes Verbot kaum  vorstellbar: "Wir hätten dann einen kompletten biomedizinischen Stillstand. Natürlich gibt es viele Bereiche, die ohne Tierversuche auskommen, aber die befruchten sich immer gegenseitig.  Das heißt: Theoretiker, bildgebende Verfahren, Modellbildner brauchen alle die Tierversuche und umgekehrt brauchen die Tierversuche wiederum die Computermodelle, die Zellkulturen. Und dieses ganze System würde so nicht mehr funktionieren." Die Forschung käme zwar "nicht heute und nicht morgen zum Stillstand, aber ein weiterer Fortschritt wäre dann nicht mehr möglich".

Wissenschaftler leben immer noch im Elfenbeinturm

Treue  sieht das Hauptproblem in jahrzehntelanger mangelnder Transparenz und Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Es sei "leider der Fall, dass wir als Wissenschaftler sicherlich aus einer Tradition des Elfenbeinturms kommen. Also, traditionell der Meinung sind, wir machen unsere Forschung, im Wesentlichen nimmt die unsere gesamte Zeit in Anspruch und wir können es nicht auch noch schaffen, auch noch die Öffentlichkeit zu informieren".

Dies sei jedoch ein Ansatz, den die Wissenschaft "dringendst überwinden" müsse. "Und dass wir so wenig kommuniziert haben in der Vergangenheit, hat sich natürlich auch zum Schaden entwickelt".

Mehr zum Thema:

Umstrittene Tierversuche mit Affen - "Aufnahmen sind teilweise nicht authentisch"
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 04.05.2015)

Neurowissenschaften - Das Für und Wider von Tierversuchen mit Primaten
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 01.10.2014)

Genforschung und Tierversuche - Millionen Mäuse für die Medizin
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 30.09.2014)

Forschung - Berlin: Hauptstadt der Tierversuche
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 25.04.2014)

Tierversuche - Mahnwache im Morgengrauen
(Deutschlandradio Kultur, Reportage, 02.04.2014)

Interview

SPD-Regionalkonferenzen Mehr Slogans als Inhalte
Die Kandidaten für den Parteivorsitz der SPD stehen bei der letzten Regionalkonferenz auf der Bühne und halten übergroße Ballons mit der Aufschrift "#UnsereSPD". Bei der Konferenz geht es um die Nachfolge für die zurückgetretene Parteivorsitzende Nahles. (Lino Mirgeler/dpa/Picture-alliance)

Sechs Kandidatenduos stellen sich den SPD-Mitgliedern zur Wahl für den Parteivorsitz. Der "Spiegel"-Journalist Markus Feldenkirchen lobt den bisherigen Wettstreit als Möglichkeit der Mitwirkung. Dennoch sei das Verfahren zu starr ausgefallen.Mehr

Vogelkunde Der Ruf der Kraniche
Kraniche sind auf der Suche nach Futterplätzen auf den Äckern in Vorpommern, um sich vor dem Weiterflug in die Winterquartiere auf den Feldern Energiereserven anzufuttern. ( Bernd Wüstneck/dpa/picture-alliance )

Der Naturforscher Bernhard Weßling räumt mit einigen Mythen rund um die Kraniche auf. So sind sie treuloser als gedacht. Mit dem Computer analysiert der Experte die Kommunikation der Zugvögel und unterscheidet ihre Zurufe. Mehr

Großelterntag in Bayern Quantensprung beim Glück
Eine ältere Frau spielt mit ihrer Enkeltochter.   (Mascha Brichta/dpa/picture-alliance )

Auf Initiative von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Bayern jetzt einen Großelterntag. In "Opas Blog" schreibt Detlef Untermann seine Gedanken über das Großelterndasein nieder und gerät darüber ins Schwärmen. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur