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Tonart | Beitrag vom 19.02.2020

Forscher über den Musiker"Andreas Gabalier öffnet eine Resonanzkammer für rechte Ideen"

Jens Wietschorke im Gespräch mit Andreas Müller

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Andreas Gabalier –auf seiner Stadion Tour 2019. (dpa/ HMB Media/ Heiko Becker)
Auf der Bühne gibt sich Andreas Gabalier als Rocker und zugleich volkstümlich. Dabei befördere er rechte Ideen, sagt Kulturwissenschaftler Jens Wietschorke. (dpa/ HMB Media/ Heiko Becker)

Traditionelle Rollenbilder, homophobe Äußerungen und brutale Erziehungsmethoden: Dem österreichischen Sänger Andreas Gabalier wird die Verbreitung rechter Ideen vorgeworfen. Er selbst streitet das ab. Ein Forscher hat ihn nun unter die Lupe genommen.

Es geht schon eine Weile hin und her: Kritiker werfen dem österreichischen Sänger Andreas Gabalier vor, rechte Ideen in seiner Musik und bei seinen Auftritten zu verbreiten. Gabalier streitet das ab, auch ein Hakenkreuz möchte er auf dem Cover seines Albums "Volks-Rock-’n’-Roller" beim besten Willen nicht erkennen können. Unter Berufung auf Tradition und darauf, dass "gewisse Dinge von früher nicht immer nur schlecht waren" äußert er sich regelmäßig homophob und durchaus auch reaktionär. Er vertritt traditionelle Geschlechterrollen, er hat einmal gesagt, man müsse sich auch mal wieder trauen dürfen zu sagen, dass man "Maderln" liebt – also ein heterosexueller, kerniger Mann ist. Er besingt brutale Erziehungsmethoden wie das Holzscheitelknien.

Nun ist der Musiker Gegenstand eines Symposiums in München zum Begriff der Nation im Pop. Der Kulturwissenschaftler Jens Wietschorke spricht dort unter dem Titel "Pop the heartland" über Gabalier. Es gehe ihm um einen kulturanalytischen Versuch. Dabei gehe es unter anderem darum, ein popkulturelles Phänomen, wie in diesem Fall Andreas Gabalier, im Spannungsfeld anderer Musikstile zu verstehen, sagt Wietschorke im Deutschlandfunk Kultur. Auch danach zu fragen, warum er gerade jetzt so erfolgreich sei – und auch inwiefern er politisch wirke.

"Meister der Andeutungen"

Gabalier argumentiere nicht nationalistisch im engeren Sinn, sondern ihm gehe es bei seinen Auftritten mehr um einen Sehnsuchtsort. Dabei handle es sich um ein sogenanntes Heartland, ein Begriff aus der Populismusforschung. "Der bezeichnet den Sehnsuchtsort aller Populisten, wo die Tradition und die kulturellen Selbstverständlichkeiten noch gelten." Ein Ort, an dem "die Gewohnheiten des Herzens herrschen und sich im Prinzip alle einig sind."

Abgesehen von "Spitzen" und Begriffen wie "Madln" und "Holzscheitelknien" habe Gabalier ein sehr positives Bild der Nation: die gute alte Zeit –ähnlich wie im Heimatfilm der 50er-Jahre. "Sein Österreich ist das Österreich der Berge, der Jodler, der Marillenknödel", so Wietschorke. "Diese harte Nation, die andere Bands im Rechtsrockbereich besingen", sei bei Gabalier nicht drin, so Wietschorke.

Gabalier habe viermal hintereinander das Münchner Olympiastadion gefüllt mit 72.000 verkauften Karten. Daher sei sein Einfluss enorm. Er verbreite aber nicht politische Ideen im eigentlichen Sinn. "Das Interessante an ihm ist, dass er einen Resonanzraum herstellt für solche Ideen." Er spiele sehr mit Andeutungen, sei geradezu ein "Meister der Andeutungen", erklärt Wietschorke. "Und das öffnet eine ganze Resonanzkammer für rechte Ideen."

(abr)

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