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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.05.2015

Fondazione Prada in MailandModehaus prescht in Sachen Kultursponsoring voran

Von Thomas Migge

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Die italienische Designerin Miuccia Prada auf der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des neuen Prada-Museums in Mailand am 2. Mai 2015. (GIUSEPPE CACACE / AFP)
Die italienische Designerin Miuccia Prada auf der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des neuen Prada-Museums in Mailand am 2. Mai 2015. (GIUSEPPE CACACE / AFP)

Eine Kunsthalle in Venedig hat die Mode-Unternehmerin Miuccia Prada schon. Jetzt eröffnet deren Mailänder Niederlassung. Der Architekt Rem Koolhaas hat dafür eine Alkoholfabrik umgebaut. Zu sehen sind antike Kunst im hypermodernem Ambiente sowie Werke zeitgenössischer Stars.

"Warum antikes Sammlertum als Ausstellungsthema? Eine Antwort geben die außergewöhnlichen Stücke, die wir hier zeigen und die bei den Besuchern Staunen erzeugen werden. Der Besucher dieser Ausstellung darf sich einige Stunden lang wie antiker Prinz fühlen."
 
Salvatore Settis durfte sich so richtig ausleben. Einem der angesehensten Kunsthistoriker Italiens waren endlich einmal finanziell nicht die Hände gebunden. Die Fondazione Prada gab das nötige Geld um weltberühmte römischen Kopien griechischer Kunstwerke auszuleihen. Und so zeigt die Ausstellung "Serial Classic" den bronzenen Läufer aus der Villa dei Papiri in Pompeji, den Apollo aus Kassel und andere römische Meisterwerke, die Kopien altgriechischer Vorbilder sind. Settis ist Kurator einer Ausstellung, die das Thema Original und Kopie in der Antike präsentiert.

Antike Bronzen und Marmorkunstwerke in hypermodernem Ambiente. Mit diesem Kontrast öffnet die Mailänder Niederlassung der Fondazione Prada ihre Pforten. Nach der hauseigenen Kunsthalle des Modemultis in Venedig, in der Ca’ Corner della Regina am Canal Grande, wo primär zeitgenössische Kunst aus eigenen Beständen gezeigt wird, ist die Mailänder Kunsthalle als kultureller "Multifunktionspace" gedacht. Als, so die Tageszeitung "la Repubblica", "Kulturspielwiese von Modemacherin Miuccia Prada".

Eine gigantische Spielwiese, mit rund 18.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Geschaffen von Stararchitekt Rem Koolhaas. Er baute dafür eine Alkoholfabrik komplett um und aus:
 
"Das ist ein ehemaliger Industriekomplex aus verschiedenen Gebäudearten, dem wir nur zwei Objekte hinzugefügt haben. Das Hinzugefügte ähnelt den bereits bestehenden Strukturen."

Stilistisch anregender Mix aus Neu- und Altbauten

Wie in Essen, wo er die Zeche Zollverein in ein Museum verwandelte, schuf Koolhaas auch in Mailand ein Hybrid aus Bestehendem und Neuem. Das Resultat ist ein architektonisch und stilistisch anregender Mix aus Neu- und Altbauten.
 
"Die Atmosphäre der bestehenden niedrigen Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert ist für mich typisch italienisch und ein wenig melancholisch. Im Innenhof errichtete ich, und das ist die Essenz unseres Projekts, zwei Gebäudeeinheiten: ein vertikales und ein horizontale Element."
 
Rem Koolhaas entwarf einen großen Querriegel im vorderen Teil des Hofes: an drei Seiten verglast. Die Stirnseite ist mit geflechtartigem Aluminium verkleidet. In der Nähe erhebt sich ein weißer neunstöckiger Betonturm. Ein Teil der restaurierten Altbauten - mit Kino, Konferenzsaal und Cafè - ist mit Blattgold belegt, und bietet so einen kräftigen Farbkontrast zum Weiß des Turms und Beigegrau der übrigen Gebäude. Das Resultat ist eine Vielfalt höchst unterschiedlich breiter und hoher Gebäudeelemente, die Ausstellungsmachern viel Platz bieten. Viel Platz für vielfältiges Kulturschaffen.

Zeitgenössisches Kunstschaffen und klassische Kunstthemen
 
Zur Eröffnung der Prada-Stiftung werden in Mailand nicht nur römische Skulpturen präsentiert. Neben Skulpturen des amerikanischen Bildhauers Robert Gober und verschiedenen Installationen europäischer Künstler wie Louise Bourgeois sind auch die jüngsten Dokumentationen der Filmemacher Roman Polanski und des Mexikaner Alejandro Innaritu zu sehen.

Der italienische Kunsthistoriker Germano Celant, Direktor der Fondazione Prada, der weltweit Ausstellungen organisiert und 1997 die Kunstbiennale in Venedig leitete, ist ein Garant für heterogene Kulturinteressen. Er will, dass der Mailänder Stiftungssitz - ganz anders als die venezianische Niederlassung, die primär Kunst aus Prada-Sammlungen zeigt - das komplexe und verwirrende zeitgenössische Kunstschaffen klassischen Kunstthemen gegenüberstellt.

Germano Celant: "Der politische und auch ideengeschichtliche Wandel unserer Zeit beeinflusst das gesamte Kunstschaffen. Zunehmend begreifen Künstler, dass es nicht nur um Ästhetik geht, sondern um Kunst als Mittel einer neuen Vision der Realität."
 
In diesem Sinn soll die Fondazione Prada in Mailand zum Spiegel zeitgenössischen Kunst- und Kulturschaffens werden. Bleibt zu hoffen, dass Miuccia Prada auch in Zukunft beeindruckende Umsätze erzielt, im vergangenen Jahr rund 3,5 Milliarden Euro, damit ihr Kultursponsoring, und somit auch Italiens Kulturszene, weiterhin davon profitieren können.

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