Seit 16:05 Uhr Echtzeit

Samstag, 24.08.2019
 
Seit 16:05 Uhr Echtzeit

Musik / Archiv | Beitrag vom 30.05.2014

FolkGroßartige Songs, trauriges Ende

Jackson C. Frank: "Jackson C. Frank"

Von Oliver Schwesig

(Label: Earth Records )
Ausschnitt des Album-Covers "Jackson C. Frank" von Jackson C. Frank (Label: Earth Records )

Der Amerikaner Jackson C. Frank gehörte zu den wichtigsten Protagonisten der britischen Folkbewegung. Trotzdem ist er heute weitestgehend unbekannt. Die Wiederveröffentlichung seines einzigen Albums könnte das nun ändern. Im Leben des Amerikaners Jackson C. Frank gab es einige Schicksalsschläge.

Man hat ja im Laufe seines Kritikerlebens schon hunderte Biografien von Musikern aus allen Jahrhunderten vor der Nase gehabt. Aber bisher war wohl keine so tragisch wie die des gebürtigen Amerikaners Jackson C. Frank.

Als Elfjähriger geriet er in einen Brand in seiner Schule, der einen großen Teil seiner Haut vernarbte. In den anschließenden Monaten, die er im Krankenhaus verbringen musste, lernte er Gitarre zu spielen. Erst nach Jahren erhielt Frank Geld von der Versicherung. 100.000 Dollar – damals ein kleines Vermögen. Mit dem Geld machte er sich nebst einer Gitarre auf nach London und landete in einer Musikerwohnung, in der gerade zwei unbekannte amerikanische Songwriter Station gemacht hatten: Paul Simon und Art Garfunkel. Simon gefielen die Songs von Jackson C. Frank auf Anhieb und er produzierte sein erstes Album, das in England enthusiastisch aufgenommen wurde.

Tragische Biografie, großer Einfluss

Und hier endet im Prinzip die Erfolgsgeschichte von Jackson C. Frank. Was danach kam, kann man nur noch tragisch nennen: Neue Musik von Frank wollte Ende der 60er keiner mehr hören. Die Rockmusik war interessanter. Er geriet in Vergessenheit. Als das Geld aufgebraucht war, ging er nach Amerika zurück, und lebte jahrzehntelang auf der Straße und wurde depressiv. Irgendwann schossen ihm in den 70ern zwei Jugendliche mit einer Spielzeugpistole das linke Auge aus. Verarmt und psychisch krank starb er 1999 in einem Hospiz.

Das musikalische Erbe von Jackson C. Frank besteht aus dieser einen LP. Sein Einfluss aber war gewaltig. Sandy Denny, Bert Jansch und Nick Drake – sie alle bezogen sich auf ihn. Dutzendfach wurde er gecovert, in anderen Songs kodifiziert und sogar auf der Leinwand erklangen seine Lieder. Existenzialistische Songs voller Trauer, die sein eigenes Leben prophetisch vorwegnahmen. Es sind Archetypen des Folksongs: spartanisch, melancholisch, introspektiv und bis heute von einer zeitlosen Gültigkeit, die ins Mark erschüttern kann.

Earth Records hat dieses Album jetzt auf LP herausgebracht, der Platte ist die CD-Version beigelegt.

Album der Woche

Album der WochePopmusik in Reinform
Die Sängerin Sia Furler. (picture alliance / dpa)

Für zahlreiche Künstler hat sie schon Hits geschrieben, jetzt kümmert sie sich auch um ihre eigene Karriere: Auf ihrer neuen Platte "1000 Forms of Fear" setzt sich Sia mit ihren Ängsten auseinander.Mehr

weitere Beiträge

Radiofeuilleton - Musik

Neo-CountryFamilienangelegenheiten
(Galileo Music Communication )

Carper Family will auf seinem neuen Album eigene Vorstellungen von Country-Musik umsetzen. Dafür gräbt das Trio aus Austin in Texas alte Traditionals aus und vertraut auf die Magie akustischer Instrumente.Mehr

Blues-RockZurück in die frühen 70er
Album-Cover: "Great Western Valkyrie" von Rival Sons (Earache Records)

Auch mit ihrem neuen Album "Great Western Valkyrie" begleitet der Hörer die kalifornische Rockband Rival Sons auf eine Reise in die Vergangenheit und landet in den frühen 70er-Jahren. Ungefähr in der Zeit, als Led Zeppelin, Deep Purple und Bad Company ihre großen Erfolge feierten.Mehr

SoulInnovativer Beat-Bastler
Ausschnitt aus dem CD-Cover "Early riser" von Taylor McFerrin (Brainfeeder Records)

Können Sie sich noch an Bobby McFerrin erinnern? Genau – "Don’t worry be happy". Sein Sohn Taylor McFerrin bastelt auf seinem ersten Album "Early riser" mit altem Jazz, Hip Hop und Beats an der Zukunft des Soul.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur