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Fazit | Beitrag vom 07.07.2019

Folk-Festival RudolstadtEine Begegnung über die Musik hinaus

Jan Tengeler im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Zu sehen ist eine Bühne im Innenhof einer Burg. Vor der Bühne stehen hunderte Menschen. (imago images / viadata)
Das Rudolstadt-Festival fand über die ganze Stadt verteilt statt, auch in der Heidecksburg. (imago images / viadata)

Wieder kamen Zehntausende nach Rudolstadt – zu Deutschlands größtem Festival für Folk- und Weltmusik. Auf 30 Bühnen verwandelten 130 Bands und Solokünstler aus über 50 Ländern die Stadt in eine begehbare Klanglandschaft, wie unser Kritiker berichtet.

Der Musikkritiker Jan Tengeler berichtet im Deutschlandfunk Kultur vom besonderen Flair in Rudolstadt: Die Stadt werde während des Festivals zu einer begehbaren Klanglandschaft. Dies habe mit der besonderen Örtlichkeit zu tun: Am oberen Ende throne die Heidecksburg mit zwei Bühnen, von dort gehe es hinunter in den Stadtkern mit unzähligen kleinen und großen Bühnen und schließlich über die Saale in den Heinepark, wo noch einmal zwei große und mehre kleine Bühnen warteten.

Besonderes Highlight: die Jazzmaschine

Dies sei eigentlich ein Weg von 15 Minuten, erklärt Tengeler, doch meist dauerten die Wege länger, weil einfach so viel Interessantes auf dem Weg passiere. Eine dieser Überraschungen sei die Jazzmaschine: eine fünf Tonnen schwere Bühnenmaschine des Künstlers Stefan Albrecht in Anlehnung an den großen kinetischen Skulpteur Jean Tinguley, die sich auf zwei Etagen erstreckt. Mensch und Maschine musizierten gemeinsam, sieben Musiker auf der Bühne und eine Maschine, die nach Angaben des Künstlers aber nicht so gerade spiele wie ein Computer. Das Unrunde mache die Musik so lebendig.

Fokus auf Musik aus dem Iran

Rudolstadt sei also ein Festival der Entdeckungen: Ihm, so Tengeler, hätten die Konzerte der fränkischen Folk-Band "Gankino Circus" besonders gefallen, die Gruppe habe auch einen Festivalpreis "Ruth" erhalten. Auch die Auftritte der kurdisch-wienerischen Band "Kurdophone" und des Wiener Akkordeonisten Otto Lechner habe er als Höhepunkte erlebt.

Das Rudolstadt-Festival startete in den 50er-Jahren als sozialistisches Tanzfest. Nach der Wende stellte es sich in die Tradition ‚linker’ Folk-Festivals. In diesem Jahr stand es ganz im Zeichen des 50. Jubiläums von Woodstock, auch gab es einen besonderen Fokus auf Musik aus dem Iran.

Festival des Austauschs

Tengeler berichtet von einer weiteren Besonderheit des Festivals, dem Rahmenprogramm mit Workshops, Gesprächen und Diskussionen. Hier habe man sich beispielsweise mit Mitgliedern der iranischen Bands, die hier spielten, über die Lage in ihrem Land austauschen können.

Zu sehen sind drei Frauen, die in der Innenstadt von Rudolstadt musizieren. (imago images / viadata)Impressionen vom 29. Rudolstadt Festival: Straßenmusik in der Innenstadt (imago images / viadata)
Insgesamt sei Rudolstadt also ein Festival des Austauschs, des Dialogs jenseits tagespolitischer Themen, eines um aus erster Hand etwas über fremde Kulturen zu erfahren. Es gehe also weniger um große Parolen als vielmehr darum, einander zuzuhören: also eine Begegnung über die Musik hinaus.

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