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Interview | Beitrag vom 18.10.2019

Folgen des Brexit Wie britische Unis unter der Unsicherheit leiden

Jan Eichhorn im Gespräch mit Ute Welty

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Eingangstor zum Garten vom "Christ's College", St. Andrews Street, Cambridge, Cambridgeshire. (imageBroker/dpa/picture-alliance )
Studienplätze an britischen Universitäten waren lange weltweit begehrt, wie hier in Cambridge. (imageBroker/dpa/picture-alliance )

Die britischen Universitäten leiden unter der Unsicherheit durch den Brexit, sagt der Soziologe Jan Eichhorn. Nicht nur einzelne Wissenschaftler würden ins Ausland abgeworben, sondern ganze Institute der Natur- und Ingenieurswissenschaft.

Für die Wissenschaft in Großbritannien dürfte die Unsicherheit noch ein bis zwei Jahre andauern, ganz egal, wie das Brexit-Abkommen ausfallen wird, sagt der Soziologe Jan Eichhorn, der im schottischen Edinburgh als Dozent und Erasmus-Koordinator tätig ist.

"Wenn man alle Emotionen rauslässt, ist es theoretisch so, dass nichts Schlimmes passieren kann", sagte Eichhorn. "Aber es schwingt eben überall diese Unsicherheit mit und wir merken das." Wenn die Universität einen Tag der offenen Tür veranstalte, müsse man ständig darüber informieren, was der Brexit bedeute. "Diese Unsicherheit schadet tatsächlich."  

Die EU-Anträge laufen weiter

Formell sei es so, dass die Universitäten sagten, man solle sich weiter für EU-Forschungsgelder bewerben. "Die britische Regierung garantiert im Moment, alles, was praktisch vor dem Brexit passiert, wird auch im Nachhinein unterstützt." Gleichzeitig sei aber von anderen Instituten in EU-Ländern zu hören, dass sie lieber auf britischen Universitäten auf ihre EU-Anträge verzichteten. Viele Studenten hätten die Sorge, was denn passiere, wenn sie an einer britischen Universität studierten.

Gerade in den Natur- und Ingenieurswissenschaften würden bereits nicht nur einzelne Wissenschaftler, sondern ganze Institute ins Ausland abgeworben. In Ländern wie Australien werde die Chance genutzt, etablierten Wissenschaftlern gute Angebote zu machen. Es gebe auch noch Bewerbungen an britische Hochschulen, aber die Unsicherheit wirke sich aus.

Abkommen der Zukunft  

Es hänge sehr davon ab, was nach einem Brexit geschehe. "Wenn wir uns tatsächlich Sorgen machen müssen, ob wir Bestandteil von europäischen Forschungsprogrammen sind und Austauschprogrammen wie Erasmus, sondern tatsächlich rausfallen aus diesen Sachen, dann wird es tatsächlich einen ziemlich starken Einschnitt bedeuten können." Wenn dagegen Abkommen getroffen würden, bei denen Großbritannien dabei bleibe, werde sich der Effekt wieder ausbalancieren. Schließlich seien auch andere Länder nicht in der EU und dennoch an Erasmus beteiligt.

(gem) 

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