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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 17.01.2014

Flughafen HahnDrohnen statt Billigflieger

Architekturstudenten entwerfen Ideen für Hunsrück-Airport

Von Ludger Fittkau

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Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair steht auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück (AP)
Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair steht auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück (AP)

Der von Budgetfliegern angesteuerte Flughafen im rheinland-pfälzischen Hahn ist angeschlagen: Passagier- und Frachtzahlen gehen seit Jahren zurück. Jetzt haben Architekturstudenten neue Konzepte entwickelt.

Die besten Riesling-Rebsorten der Welt - sie gedeihen Luftlinie gerade mal 20 Kilometer vom Hunsrück-Flughafen Hahn entfernt an den Steilhängen der Mosel. Der Rheingau ist nicht weit, ebenso die Weinstraße und das Elsass mit seinen Sterne-Restaurants. Der Hunsrück-Flughafen soll zum kulinarischen Einfallstour für Gourmetfreunde als aller Welt werden. Das planen rheinland-pfälzische Architektur-Studierende. Der Hunsrück selbst soll mit einer Kette supermoderner Restaurantbauten überzogen werden – als neue Touristenattraktion.

Die Idee knüpft an ein bereits bestehendes regionales "Gourmetnetzwerk" an, so Ulrike Weber, die den Workshop zur Zukunft des Flughafens Hahn organisiert hat:

"Die Restaurants sollten entsprechend gestaltet werden, also mit einer dem Gourmet entsprechenden hohen Qualität und sollten so das Ganze visualisieren und über die Region verteilen. Und der Flughafen könnte als Vermarktungsstrategie funktionieren, das heißt als Einfallstor für den Hunsrück. Und die Gäste, die eigentlich an die Mosel wollen, würden dann zunächst vor Ort verweilen, um in einem der berühmten Gourmetlokale zu speisen."

Gourmet-Zutaten werden per Drohne geliefert

Die Zutaten für die Kette der Edel-Restaurants im Hunsrück könnten frisch mit Lastdrohnen oder kleinen, geräuscharmen Luftschiffen vom Flughafen auf dem Luftweg in die abgelegenen Orte der waldreichen Region geflogen werden, so ein weiteres Zukunftsszenario der Studierenden. Peter Spitzley vom Architektur-Fachbereich der TU Kaiserslautern:

"Was ganz interessant war ist, dass kurz nach dem Ende des Workshops plötzlich die Nachrichten übersprudelten mit diesen Meldungen von Amazon und DHL, die Drohnen-Auslieferung von Paketen. Und das war ja auch ein Szenario, dass tatsächlich dieser regionale Luftverkehr zur Stärkung der Region beitragen könnte. Und das ist vielleicht gar kein abwegiges Szenario: Wie versorge ich die ländliche Bevölkerung, auch gerade in Sinne des demografischen Wandels?"

In der nahegelegenen, dünn besiedelten Vulkaneifel gibt es tatsächlich schon die ersten Regionalstraßen, die aus Kostengründen geschlossen werden. Der Lastentransport durch die Luft könnte irgendwann eine realistische Alternative sein.

Peter Harsch studiert im dritten Mastersemester Architektur an der Hochschule Koblenz. Seine Gruppe entwickelte im Workshop am Flughafen Hahn die Idee eines neuen technisch-wissenschaftlichen Entwicklungszentrums auf dem Flughafengelände:

"Wir hatten uns überlegt, einen Kompetenz-Campus zu errichten. Zum Thema der Entwicklung dieses großen Flughafens. Weil man eben dort diese große Start- und Landebahn hat, weil wir die Fläche haben, dort einen Campus zu errichten, um Forschung – bei uns war es jetzt exemplarisch erneuerbare Energien oder auch Fortbewegungsmittel der Zukunft – zu schaffen. Ein Zentrum für diese Kernkompetenzen."

Ein Windrad wird zum Riesenrad umfunktioniert

"Hunsrück im Glück" – so lautet der Titel eines weiteren studentischen Szenarios für die Region um den Flughafen Hahn. Es geht um 2000 Jahre Kulturgeschichte von den Römern bis zum Kalten Krieg und zur aktuellen Energiewende, die binnen zwei Wochen im Hunsrück auf Themenrouten erwandert werden sollen. Als besonderes Highlight wollen Studierende aus Mainz und Trier eines der vielen neuen Windräder im Hunsrück zu einem Riesenrad umfunktionieren. In den Grotten der alten Edelsteinregion Idar-Oberstein sollen diejenigen übernachten können, die sich für die Geschichte der Edelsteingewinnung interessieren.

Eine Internationale Bauausstellung am Flughafen Hahn könnte zum Ausgangspunkt all dieser Szenarien werden, findet der Koblenzer Architekturstudent Peter Harsch:

"Ja natürlich, das wäre absolut denkbar, das man da eine neue Bauausstellung schafft, wo eben dann noch die Technik mit reinspielt und die erneuerbaren Fortbewegungsmittel. Wäre sicher interessant zu sehen, wie sich das entwickeln könnte in der Zukunft."

Die Zukunfts-Ideen der rheinland-pfälzischen Architekturstudierenden für den Hunsrückflughafen sind nun zu einer kleinen Ausstellung zusammengestellt worden. Sie soll in den nächsten Monaten durch Rheinland-Pfalz wandern.

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