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Länderreport | Beitrag vom 30.10.2020

Flughafen BERDie Spinne, der FEX und die Taxen

Von Wolf-Sören Treusch

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Ein Regionalexpress steht auf Gleis 1 des Bahnhofs am Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt". (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Der Regionalexpress bringt Fluggäste im 15-Minuten-Takt von Schönefeld zu den wichtigsten Berliner Bahnhöfen. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Droht ein Verkehrschaos auf der Fahrt zum neuen Berliner Airport BER? Die Flughafengesellschaft setzt auf den Öffentlichen Personennahverkehr: Fluggäste sollen nach Möglichkeit Bus und Bahn nutzen. Das Angebot ist gut, aber längst nicht perfekt.

Im Minutentakt zum BER: Das öffentliche Nahverkehrsnetz Berlins ist auf die Eröffnung des neuen Flughafens gut vorbereitet. Ein Engpass allerdings bleibt: die sogenannte Rudower Spinne. Hier müssen Fluggäste, die mit der U-Bahn aus der Stadt zum BER fahren, in den Bus umsteigen.

Im Drei- bis Fünfminutentakt

"Sie gucken jetzt hier auf die Liste an Bussen, die nach Schönefeld fahren, die werden dann, wenn der Flughafen eröffnet ist, im Drei- bis Fünfminutentakt losfahren. Und das wiederum heißt hier eine große gelbe Schlange, um es mal so zu formulieren, die sich nach Schönefeld durchdrängt, das ist hier für den Verkehr ein Kollaps. Also: Es wird ganz katastrophal."

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Martin Hikel ist der zuständige Bezirksbürgermeister von Neukölln. Er fordert deshalb, die U7 bis zum Flughafen zu verlängern. Zukunftsmusik. Denn noch gibt es keinen Handlungsbedarf, noch steigen hier nicht 30.000 Fluggäste am Tag um, wie eine Studie prognostiziert hat. Corona sei Dank.

Pkw verstopfen den Südosten

Klar ist allerdings: Nicht nur die Busse werden die Straßen im Südosten Berlins verstopfen, wenn der BER im Vollbetrieb ist. Auch die Pkw, bestätigt Falko Liecke, stellvertretender Bürgermeister von Neukölln:

"Wir haben schon Erkenntnisse, dass - wenn die Autobahn dicht ist und man kommt nicht mehr zum BER durch - die Menschen ausweichen, die Abfahrten nutzen, um dann sich durch die Stadt zu quälen und irgendwie zum BER zu kommen. Natürlich ist das am Ende keinen Deut schneller. Es macht es aber schlimm für die Menschen, die das aushalten müssen."

Der Verband der Verkehrsbetriebe Berlin Brandenburg VBB hat daher ein dichtes Liniennetz konzipiert, damit der neue Airport aus Berlin und Umgebung gut erreicht werden kann.

Alle 15 Minuten ein Regionalexpress

Zwei Drittel der Passagiere werden öffentliche Verkehrsmittel nutzen, schätzt die Flughafengesellschaft. Und auch viele der Tausenden von Menschen, die am und im Flughafen arbeiten, werden mit Bus und Bahn kommen. Man sei darauf gut vorbereitet, sagt VBB-Planungsexperte Jürgen Roß:

"Wir haben für den BER ein sehr umfassendes Verkehrskonzept aus Schienen- und Straßenanbindungen, wir haben die Regios alle Viertelstunde nach Berlin, wir haben stündlichen Regionalverkehr nach Potsdam, wir haben ein sehr dichtes Busnetz hier in der Umgebung, mit einer Verbindung zum U-Bahnhof nach Rudow."

Hinzu kommen zwei S-Bahnlinien, die den BER im Zehn-Minuten-Takt anfahren. An den Wochenenden besteht ein durchgehender Nachtverkehr im 30-Minuten-Takt. Dazu wird es auch noch den ersten Nachtexpress Berlins geben, einen Bus, der nur nachts von Bahnhof Zoo zum BER fährt.

Außer den vier Regionalzügen, die den BER pro Stunde anfahren, gibt es auch noch den Flughafen-Express FEX. Der ist im Halbstundentakt unterwegs, allerdings nicht so schnell, wie sein Name vermuten lässt. Der Grund: Vom Hauptbahnhof fährt er einen großen Umweg über den S-Bahn-Ring, weil die anderen Strecken ausgelastet sind.

Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB ist mit dem Angebot dennoch zufrieden:

"Der BER ist für einen Flughafen in Deutschland sehr gut angebunden. Mit einer Einschränkung: Die Dresdner Bahn ist noch nicht fertig. Wenn die aber fertig ist, kommt man auf schnellem Wege aus Berlin und auch aus Brandenburg zum BER, und man kann da auch jederzeit nachsteuern. Wir halten das für realistisch."

Die ICE-Anbindung kommt erst 2025

Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit den Anwohnern wird nun endlich die so genannte Dresdner Bahn ausgebaut. Das ist die direkte Schienenverbindung vom Hauptbahnhof zum BER. Bis 2025 soll das dauern. Eigentlich zu lange, findet Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

"Wir haben die S-Bahn, wir haben die Regionalbahn, wir haben den Airport Express, das ist wunderbar, aber die ICE-Anbindung fehlt bisher. Berlin hat die infrastrukturellen Voraussetzungen, jetzt geht es darum, auch Zugverbindungen an den Flughafen direkt zu bringen."

Solange das noch dauert, werden die Fluggäste auch das Taxi nutzen. Hier haben sich die Streithähne rechtzeitig vor Eröffnung des Flughafens geeinigt. Acht Jahre lang galt: Berliner Taxifahrer durften ihre Kunden am Flughafen Schönefeld abliefern, also im Land Brandenburg, mussten aber leer wieder zurückfahren. Das alleinige Laderecht hatten die Taxifahrer aus dem Landkreis Dahme-Spreewald.

Kompromiss für die Taxifahrer

Jan Thomsen von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beschreibt den Kompromiss, der jetzt gefunden wurde.

"Ab Tag eins des BER-Betriebs werden 300 Taxen aus Berlin dort Kunden bedienen können und eben auch 300 Taxen aus dem Landkreis. Das ist eine faire Vereinbarung und ein guter Erfolg."

Je nachdem, wie die Nachfrage ist, kann die Zahl der Taxis auch erhöht werden. Bis maximal 550 pro Bundesland. Die Mehrheit der Fluggäste dürfte jedoch Bus und Bahn nutzen. Denn da sind Berlin und Brandenburg und ihr neuer Hauptstadtflughafen tatsächlich ganz gut aufgestellt.

Weitere Beiträge über den BER

Von Tempelhof bis BER - Ein Jahrhundert Berliner Flughafengeschichte
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 28.10.2020)

Bilanz des Probebetriebs - Flughafenchef sieht BER "bestmöglich vorbereitet"
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 19.10.2020)

Flughafen Berlin-Brandenburg - "Ein schicksalhafter Bau"
(Deutschlandfunk, Interview, 18.10.2020)

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