Flüchtling, Gastarbeiterkind, Diplomatensohn

    Mehr Diversität in den Bundestag

    32:42 Minuten
    Joe Chialo gibt einer Frau Wahlkampfmaterial.
    Er ist der Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie: Joe Chialo, Direktkandidat der CDU, beim Wahlkampf in Berlin. © Deutschlandradio / Claudia van Laak
    Von Vivien Leue, Alexander Moritz, Katharina Thoms, Claudia van Laak und Agnes Bührig · 01.08.2021
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    Sie kamen als Geflüchtete ins Land, sind Kinder sogenannter Gastarbeiter oder wuchsen in einer Diplomatenfamilie auf. Und alle haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen bei der Wahl im September in den nächsten Deutschen Bundestag.
    In wenigen Wochen ist es so weit. Dann wissen die fünf Porträtierten aus fünf Parteien, ob sie es geschafft haben - und als Abgeordnete im 20. Deutschen Bundestag vertreten sein werden.

    "Kultur schafft Identität und Gemeinschaft"

    Joe Chialo, Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie, leitet mit großem Erfolg ein Musiklabel in der Hauptstadt. "Kultur schafft Identität und Gemeinschaft," sagt der heute 51-Jährige. Jetzt kandidiert der "Sunnyboy der CDU", wie ihn manche nennen, im Wahlkreis Berlin-Spandau und Charlottenburg Nord als Direktkandidat.

    "Sachsen ist bunt und vielfältig"

    Aus politischen Gründen flüchtete seine Familie im Jahr 2003 aus dem Irak. Im sächsischen Plauen fand er ein zweites Zuhause, studierte Bauingenieurswesen und arbeitet als Bauleiter für eine Dresdner Baufirma. Dass Sachsen auch bunt und vielfältig sein kann, das steht für Kassem Taher Saleh außer Frage. Für die Grünen will er nun das Direktmandat in Dresden holen.

    "Mit rotem Parteibuch im tiefen Schwarzwald"

    Derya Türk-Nachbaur und SPD-Chefin Saksia Esken posieren zwischen zwei Feuerwehrmännern für ein Foto.
    Unterwegs mit der SPD-Chefin: Derya Türk-Nachbaur (2. v. l.) schaut mit Saskia Esken bei der Freiwilliger Feuerwehr Neubulach vorbei.© Deutschlandradio / Katharina Thoms
    Über sich selbst sagt sie, sie sei das eingehaltene Aufstiegsversprechen der Sozialdemokratie. Derya Türk-Nachbaur, Tochter türkischer Einwanderer, wurde 1973 im ostwestfälischen Paderborn geboren. Heute lebt und arbeitet die Mutter von vier Kindern im Schwarzwald-Baar-Kreis. Von dort aus will sie für die Sozialdemokraten in den Bundestag einziehen. Eine ziemliche Herausforderung. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren, sagt die engagierte Sozialdemokratin.

    "Auch Flüchtlinge gehören ins Parlament"

    Im 21. Jahrhundert sollte es normal sein, dass ein Flüchtling im Parlament sitzt. Davon ist Shoan Vaisi, der als politisch Verfolgter vor zehn Jahren aus dem Iran floh, überzeugt. Jetzt kandidiert er für Die Linke in seiner zweiten Heimatstadt Essen auf einem aussichtsreichen Listenplatz für den Bundestag. Dass man auch in der Politik für seine Positionen kämpfen muss, steht für den ehemaligen Profiringer außer Frage.
    Shoan Vaisi sitzt an seinem Schreibtisch.
    Flüchtete vor zehn Jahren aus dem Iran: Der Ex-Profiringer Shoan Vaisi tritt für Die Linke an.© Deutschlandradio / Vivien Leue

    Der liberale Grieche

    Aufstieg durch Bildung – dass das funktionieren kann, dafür sei er der beste Beleg, sagt Grigorios Aggelidis, griechischer Gastarbeitersohn, heute Mitinhaber einer unabhängigen Vermögensverwaltung. Eigentlich hätte er auch bei der SPD landen können, wenn ihm die Freiheit des Einzelnen und die Eigenständigkeit nicht so wichtig wären. Und so fand er seine politische Heimat bei den Liberalen.
    Fünf Kandidaten aus fünf Parteien: Fünf Menschen, die mit ihrer Geschichte und ihren Erfahrungen mehr Vielfalt in den Bundestag einbringen wollen.
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