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Fazit | Beitrag vom 24.01.2020

Florian Illies verlässt den Rowohlt VerlagHoffnungsträger ohne Fußabdruck

Jörg Plath im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Autor Florian Illies sitzt bei Lesung an einem Tisch, auf dem ein Glas und eine Flasche stehen. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Erst vor einem Jahr hatte Florian Illies begonnen als Verleger für Rowohlt zu arbeiten – nach seinem Ausscheiden "aus privaten Gründen" will er sich wieder mehr dem Schreiben widmen. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Erfolgsautor, Zeitschriftengründer, Auktionshausleiter – mit seinen vielen Talenten galt Florian Illies als Idealbesetzung für den Verlegerposten bei Rowohlt. Um Spuren zu hinterlassen, sei er zu früh ausgeschieden, meint Literaturredakteur Jörg Plath.

Die Erfolgsgeschichte von Florian Illies ist lang und begann, als er mit Ende zwanzig als Autor seinen Bestseller "Generation Golf" veröffentlichte. Kurz darauf wurde er Leiter des Feuilletons der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", gründete die Kunstzeitschrift "Monopol" und arbeitete als Geschäftsführer des Kunstauktionshauses Grisebach. Für "Die Zeit" war er dann als Herausgeber tätig, bevor er Anfang 2019 Verleger des Rowohlt Verlags im Medienunternehmen Holtzbrinck wurde.

Florian Illies habe 2019 die Verlagsleitung von Rowohlt in einer Phase großer Verunsicherung im Buchmarkt und auch im Verlag selbst übernommen, sagt Literaturredakteur Jörg Plath. Die Leitung des Holtzbrinck Unternehmens, zu denen auch weitere Verlage gehören, habe damals die Rowohlt-Geschäftsführerin, Barbara Laugwitz, kurzfristig von ihren Aufgaben entbunden und als Nachfolger Florian Illies präsentiert.

Unverständnis über Neubesetzung

"Da haben sich sehr viele Autoren bei Rowohlt beschwert über diese Form der Absetzung von Barbara Laugwitz, die unter den Autoren sehr beliebt war." Es sei schwer verständlich gewesen, warum die erfolgreiche und als Teamplayerin bekannte Laugwitz durch den neuen Verleger Florian Illies ersetzt wurde.

"Offenbar war der Grund, dass man jemanden brauchte, der Rowohlt mehr nach außen hin präsentieren kann, der bekannt ist als Buchautor, als Journalist, als Geschäftsführer der Villa Grisebach, also als Kunsthändler."

Eine Prägung erkennt man erst später

Dass das Verlagsprogramm spürbar von Illies in diesem einen Jahr geprägt worden ist, kann Plath nicht feststellen. Dies sei aber auch keine Überraschung, denn belletristische Werke und Sachbücher bräuchten nach einer Auftragserteilung durchaus zwischen zwei und zehn Jahren, um geschrieben zu werden. "Im Jahr 2021 und '22 wird man vielleicht sehen, was Florian Illies wollte."

Als Verlagsleiter sei Illies nicht öffentlich aufgetreten, allerdings als Autor seines Sachbuches "2013". Illies Wirken habe sich auch nicht auf die Zahl der von Rowohlt veröffentlichten Bestseller ausgewirkt, so Plath. Auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis sei der Verlag nur durch ein Buch von Norbert Zähringer vertreten gewesen. Wichtig sei, dass Verlage von der Größe Rowohlts, pro Saison mindestens einen Bestseller hätten: "Damit der Laden weiter läuft und damit auch die Bücher, die weniger verkauft werden, durchgeschleppt werden können."

Ideen von Barbara Laugwitz weiterverfolgen

Eigentlich brauche es künftig hinsichtlich der Popularität und des literarischen Anspruchs für den Verlag keine Änderung. Da habe Illies Vorgängerin Barbara Laugwitz eine gute Richtung vorgegeben. "Man muss zugleich aber auch Antworten finden - das wird schwierig - auf den Leserschwund, auf die Digitalisierung und auf die Konzentration im Buchhandel."

(mle)

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