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Religionen / Archiv | Beitrag vom 16.02.2020

Fitness-Center mit MissionBibelverse beim Hanteltraining

Von Arndt Peltner

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Außenansicht des "God's Gym" mit dem großen Titelschriftzug an der Wand. (Arndt Peltner)
Schwitzen mit höheren Weihen: Im God's Gym geht es um mehr als Muskeln. (Arndt Peltner)

Pastor Garry Shields betreibt einen Fitnessclub der besonderen Art: Ihm geht es nicht nur ums Gewichtheben, sondern vor allem um Gottes Wort. Aber auch Atheisten sind in "God's Gym" im kalifornischen Oakland willkommen.

An der Ecke Broadway und 25. Straße in Downtown Oakland in Kalifornien steht ein Flachbau. Eigentlich nicht weiter auffallend, wären da nicht ein paar riesige Lettern: "God’s Gym" und zwischen den beiden Wörtern das Bild eines sehr muskulösen Jesus, der vor einem Kreuz und gesprengten Ketten steht. "We care", wir kümmmern uns, lautet eine Leuchtschrift im Fenster. Seit 30 Jahren unterhält Gary Shields hier seinen Fitnessclub der etwas anderen Art.

Eisen stemmen im Namen des Herrn

"Ich habe 1987 zu Gott gefunden", erzählt Shields. "Damals war ich in mir selbst gefangen, etwas Linderung bekam ich durch Gewichtheben und Bodybuilding. Vorher hatte ich zehn Jahre lang geboxt und andere eher aggressive Sportarten betrieben. Und so habe ich den Kraftraum am Anfang ‚Iron Pit Gym‘ genannt, denn das war es für mich. Ein ‚Iron Pit‘ ist der Gewichthebebereich auf einem Gefängnishof."

Seine "Kraftbrüder" waren damals vor allem ehemalige Strafgefangene, die sich in diesem Iron Pit wohl fühlten. Doch dann kam Ende der 90er Jahre jener Tag, an dem sich alles änderte.

Garry Shields sitzt auf einer Hantelbank in seinem Fitnessstudio. (Arndt Peltner)In den Trainingspausen liest Garry Shields in der Bibel. (Arndt Peltner)

"Eines Tages fuhr ich hierher und dachte mir, das war’s", erinnert sich Shields. "Ich griff mir schwarze Farbe und malte einfach über den Namen, so einfach war das. Zwei Monate lang stand da nichts. Und ich betete zu Gott, er solle mir sagen, wie ich das hier nennen soll. Und er sagte: ‚God’s Gym‘. Und ich antwortete ihm: ‚Ich weiß, es ist dein Fitnessclub. Alles in meinem Leben gehört dir‘".

Bei Gary Shields wird weder "Eye of the Tiger" von Survivor gespielt, noch Gospel Music, und doch dreht sich alles ums Pumpen. Kraftmaschinen, Freihanteln, Gewichte, Fitnessräder und Laufbänder, alles steht eng nebeneinander.

Gott als Schlüssel zum Erfolg

Der 57-jährige Shields - oder Big G, oder Brother Gary, wie er auch genannt wird - macht keinen Hehl daraus, dass in diesen verschwitzten vier Wänden Gott zu Hause ist:

"Wenn hier jemand reinkommt und mich fragt, warum das hier ‚God’s Gym‘ heißt, dann antworte ich nur zu gerne: Er ist der Schlüssel zum Erfolg in meinem Leben. Wie würdest Du es nennen? Joes Muckibude?"

Gary Shields ist hochgewachsen, breite Schultern, dicke Oberarme, ein paar Tätowierungen sind zu sehen. Er erzählt gerne und viel, lacht dabei, aber ihm laufen bei seinen Erzählungen auch mal die Tränen herunter, vor allem dann, wenn er über seine persönliche Beziehung zu Gott spricht.

Vom Trainer zum Pastor

Shields erzählt, dass er um Mitternacht alleine mit dem Training anfängt, dabei Gospelmusik oder die Bibel als Audiobook anhört, danach frühstückt, um schließlich den Kraftraum für seine Kunden vorzubereiten. Es gibt keine Laufkundschaft wie bei den Fitnessketten, er legt Wert auf das persönliche Training. Und immer wieder liest er zwischendurch in der Bibel.

"Das führte auch dazu, dass Leute kamen und mich danach fragten", sagt Shields. "Das führte zu einem Bibelstudium mit anderen. Ich bin nicht ausgebildet, aber ich rede von der Güte Gottes und was das in der heiligen Schrift bedeutet und wie sich das auf mein Leben auswirkt. Wie ich nach dem, was in der Bibel geschrieben steht, lebe. Und das führte zur Straßen-Missionierung, dazu, dass ich erst Assistenzpastor und innerhalb von zwei Jahren Pastor wurde. Fühlst Du, was ich sage?"

Missionar mit Geschäftssinn

Shields hat eine Mission, den Gospel, das Wort Gottes zu verbreiten. Und doch, er zwingt es niemandem auf, der zu ihm kommt, dafür ist er zu sehr auch Geschäftsmann.

"Mann, jeder kommt zu ‚God’s Gym‘", sagt Shields. "Atheisten, Gläubige, Muslime. Sie kommen nicht unbedingt hierher, weil das hier ‚God’s Gym‘ ist. Sie kommen, weil wir uns um sie kümmern. So steht es auch im Fenster. ‚We care‘. Ich kenne die Namen von all den 200 Menschen, die regelmäßig hier durch diese Tür kommen. Ich kenne sie, denn ich bemühe mich um sie. Wenn ihnen das egal oder unangenehm wäre, würde ich mit ihnen nichts zu tun haben wollen. Gut, richtig und wahr."

Er sei ehrlich zu jedem, der zum ihm komme, betont er. Einen Schwarzenegger könne er nicht aus jedem machen, sagt er mit einem Lachen. Und doch, Bodybuilding, Fitness- und Krafttraining hat für ihn viel mit Gott zu tun. "Pumping irons" sei durchaus in Gottes Sinne.

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