Finneas O’Connell: "Optimist"

    Eine Wundertüte für das Debüt im Rampenlicht

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    Finneas O’Connell sei einer der begabtesten Songwriter und Produzenten seiner Generation, sagt Aida Baghernejad. Doch sein erstes Album überzeugt sie nicht. © Deutschlandradio
    Aida Baghernejad im Gespräch mit Oliver Schwesig · 14.10.2021
    Finneas O’Connell arbeitete bisher als Songwriter und Produzent für andere, vor allem seine Schwester Billie Eilish. Das Debüt des US-Musikers klinge nicht nach seiner Schwester, sagt Kritikerin Aida Baghernejad. Aber die Platte wirke unentschlossen.
    Der Song "A Concert Six Months From Now" ist das erste Stück auf dem Debütalbum "Optimist" des US-amerikanischen Singer-Songwriters und Multiinstrumentalisten Finneas. Es geht um Konzerte während der Coronapandemie.
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    Bisher arbeitet Finneas O‘Connell für andere Künstlerinnen und Künstler – allen voran seine Schwester Billie Eilish, für die er bis heute als Songwriter und Produzent tätig ist. Aber auch für Selena Gomez, Camilla Cabello oder die Newcomerin Girl in Red.
    Mit seinem Solodebüt setze sich Finneas größtenteils ab vom zurückgenommenen und experimentelleren Pop, den er mit seiner Schwester entwickelt, sagt die Musikjournalistin Aida Baghernejad. Anders als die Arbeiten mit Billie Eilish sei "Optimist" oft stärker am sehr lauten Pop- und Rock-Mainstream geschult. Der Song "A Concert Six Months from Now" kippe sogar in eine Art Stadionrock. In Harmonien von Balladen wie "Only A Lifetime" oder "Love is Pain" könne man allerdings durchaus Parallelen zu Finneas‘ Songwriting für Billie Eilish heraushören.
    Es sei eine Platte ohne durchgängiges Soundkonzept. Sie klinge wie eine Wundertüte, in der für jeden etwas dabei ist, so Baghernejad: ein kleines stilles Klavierstück, von ASMR-Entspannungsvideos inspirierter Future-Pop, wie man ihn auch von Billie Eilish kenne, oder großen Schweinerock, der die Wände in der von ihm besungenen Hollywood-Bowl, einer Auftrittsbühne in Los Angeles, zum Wackeln bringt.

    Momente für die Eltern der Billie-Eilish-Fans

    Manchmal passe das auch alles in einen Song wie etwa bei "Hurt Locker". Aida Baghernejad meint: "So richtig auf geht das für mich nicht, aber diese Momente könnten ja vielleicht die Elterngeneration der Billie Eilish-Fans abholen."
    Am stärksten sei das Album, wenn Finneas in einem Song konsistent einen Stil durchziehe. Am Anfang der Single "The 90s" sei das so. Dann kippe es aber in ein Geballer elektronischer Dance Music.
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    Ein Hype, wie ihn Finneas als Produzent und auch als Songwriter erlebt, tut nicht immer gut. Das kann man beispielsweise an James Blake sehen: Er war auch einmal eine Produzentenhoffnung. Dann hat er musikalisch nachgelassen und sich erst auf den letzten beiden Platten berappelt.

    Zerrissen zwischen all den Möglichkeiten

    Finneas sei in einer ziemlich selbstironischen Rolle in einem aktuellen Musikvideo von James Blake zu sehen, erklärt Aida Baghernejad. Dort fliegt ihm – im Gegensatz zu Blake – alles zu. Es scheine auch außerhalb des Videos so zu sein: Besonders, nachdem er mit Billie Eilish sechs Grammys gewonnen hatte, inklusive den Preis als Produzent des Jahres 2020, hätten so gut wie alle mit Finneas zusammenarbeiten wollen.
    In jedem Fall sei Finneas O’Connel einer der begabtesten Songwriter und Produzenten seiner Generation, sagt Baghernejad. "Das Album scheint mir aber noch zu unentschlossen zu sein, zu zerrissen zwischen all den Möglichkeiten, die ihm für Soloarbeiten im Gegensatz zu Kollaborationen offenstehen." Er scheine vor allem zeigen zu wollen, was er musikalisch und stimmlich alles kann. Die Texte blieben zu sehr in Platitüden und Klischees verhaftet.
    (abr)
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