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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.03.2020

Finanzielle Hilfen für KünstlerEin Weg mit Hürden

Janina Benduski im Gepräch mit Vladimir Balzer

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Mit Hilfe einer Schnur produziert ein Mann hunderte bunter Seifenblasen.  (dpa / picutre alliance / Boris Roessler)
Hilfe vom Bund und den Bundesländern soll Menschen der freie Kunstszene finanziell absichern. (dpa / picutre alliance / Boris Roessler)

Seit letzter Woche können freie Künstler finanzielle Mittel in der Coronakrise beantragen. Janina Benduski vom Bundesverband Freie Darstellende Künste berichtet über Rückmeldungen von Kreativen und die Solidarität der Öffentlichkeit.

Für richtige Erfahrungsberichte zu finanziellen Hilfen für Künstlerinnen und Künstler sei es noch sei es zu früh, sagt Janina Benduski. Benduski ist die Vorsitzende des Bundesverbands freie Darstellende Künste.

Aufgrund der Bearbeitungszeit hätten auch diejenigen, die ihre Anträge bereits eingereicht haben, noch keine Rückmeldung erhalten. Zudem habe der Ansturm am vergangenen Freitag beim Ausfüllen der Onlineformulare zum Zusammenbruch der Internetseiten beispielsweise der Investitionsbank Berlin geführt. Prinzipiell brauche die Bank drei Werktage zur Bearbeitung und um die Zahlung auszulösen, so Benduski: "Die Anträge selber sind an sich nicht kompliziert, die verlangen auch nicht allzu viel Informationen. Die wollen wissen, wer der Mensch ist, Ausweis- und Steuernummern und wer dahinter steht – verlangen jetzt aber keine Nachweise."

Geld von Bund und Ländern

In den Bundesländern gebe es zwar verschiedene Verfahrensweisen. Aber grundsätzlich werde unterschieden zwischen der Förderung aus Bundes- und Landesmitteln. "Pauschal gesagt ist es so, dass die Bundesmittel wirklich ausschließlich Betriebskosten abdecken. Also alles, was eine Firma an Kosten verursacht. Die rollen, wenn man Miete für Büroraum zahlt oder sein Betriebstelefon oder eine Versicherung oder Angestellte bezahlt. Während die Landesmittel in Teilen auch wirklich für die Lebenshaltungskosten verwendet werden können und das Einkommen für den einzelnen Menschen ersetzen."

Coronavirus-NewsletterDies stabilisiere die freie Szene der Künstlerinnen und Künstler für die nächsten Wochen. Niemand könne sagen, wann wieder mit regulärem Spielbetrieb geplant werden könne, doch schon jetzt sei klar: "Der Zeitraum, der durch Einkommens- oder durch Verdienstverlust geprägt ist, der wird sehr viel länger sein, als die jeweilige Zeit des Veranstaltungsstopps. Und ob das dann am Ende reicht, um die Leute über die Krise zu bringen, das kann gerade niemand sagen."

Regeln der Kulturwirtschaft

Kritisch sei, dass die Politik klassisch denke, im Sinne von Krediten für Unternehmen: "Diese Kredite funktionieren so für den Kulturbereich nicht, weil die meisten Kulturinstitutionen im Nachhinein nicht mehr Gewinn erwirtschaften. Das heißt, sie können die quasi einfach nie zurückzahlen." Es brauche zusätzlich Förderprogramme für mittlere und kleinere Institutionen, damit diese ihre Programme, zum Beispiel auch in digitaler Form, weiterführen können.

Solidarität sichert die Zukunft

Die Krise zeige die enorme Solidarität und auch ein Bewusstsein der Öffentlichkeit: "Es gibt Petitionen, es gibt Spendenaktionen. Es gibt ganz viele Menschen, die ihr Ticket-Geld nicht zurückhaben wollen und die eine direkte Anbindung an ihre Szene formulieren und das auch vermissen – und ich glaube, dieser Moment der Kostbarkeit dessen, was dann nicht zur Verfügung steht. Das wird ganz sicher erhalten bleiben."

Durch die Coronakrise sei der Kulturpolitik und Kulturverwaltung sicherlich klar geworden, dass es Sinn mache, kreative Strukturen dauerhafter zu unterstützen und diese Strukturen widerstandsfähiger zu gestalten, so Benduski: "Dass diese eine bestimmte Krisenzeit auch überstehen können, ohne ganz zusammenzubrechen."

(mle)

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