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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.08.2010

Finanzdemokratie 2.0

Lothar Lochmaier: "Die Bank sind wir." Heise Verlag, Hannover 2010, 145 Seiten

Wird mit Social Banking der zweiten Generation eine neue Investmentkultur entstehen? (AP)
Wird mit Social Banking der zweiten Generation eine neue Investmentkultur entstehen? (AP)

Der <papaya:link href="http://lochmaier.wordpress.com/" text="Wirtschaftsjournalist Lothar Lochmaier" title="Homepage des Wirtschaftsjournalisten Lothar Lochmaier" target="_blank" /> hat ein Buch über die Chancen und Perspektiven einer neuen Web-Investmentkultur geschrieben. Im Social Banking der zweiten Generation sieht er die Möglichkeit, dass die Kunden sich aus ihrer passiven Rolle befreien.

Eine Revolution im Bankenwesen werden die sich neu formierenden, finanziellen Netzwerke im Internet nicht auslösen. Dennoch: Sie bieten einen Gegenentwurf zur Black Box Bank. Die Verbindung aus sozialem Netzwerk und Web-2.0-Anwendungen zum Austausch von Geld schafft weltweit eine neue, soziale Finanzkultur. Sie kann ein Korrektiv zur klassischen Bankenlandschaft werden, so das Fazit dieser Analyse neuer Banking-Ansätze im Internet.

Banken, die einem sozialen Ansatz folgen, sind nichts Neues. Schon im 15. Jahrhundert gab es erste Modelle, mit denen das rein profitorientierte Wirtschaften von Geldhäusern um den Aspekt des Gemeinwohls erweitert wurde. Im Internet bekommt der Begriff "sozial" allerdings eine neue Bedeutung. Dahinter steht nicht zwingend ein hehrer Anspruch im Umgang mit Geld. Gemeint ist vielmehr das Verknüpfen von (Geld-)Interessen über verschiedene Plattformen, denen somit eine soziale Funktion zukommt. Social Banking im Internet steht für das transparente Verhältnis zwischen Anleger, Kreditgeber und Finanzinstituten.

Wie das genau funktioniert und wie vielfältig die verschiedenen Geld-Portale im Netz angelegt sind, beschreibt Lothar Lochmaier sehr praxisnah. Akribisch hat er die unterschiedlichen Modelle zusammengetragen und an konkreten Beispielen nachvollziehbar gemacht.

Das Spektrum reicht von Kreditvergabe-Plattformen, die dem Ziel der reinen Geldvermehrung dienen, bis hin zu Konzepten, bei denen soziale und ökologische Motive der Anleger im Mittelpunkt stehen. Eines haben jedoch alle Geldgeber gemeinsam: Sie wollen selbstbestimmt ihre Finanzen regeln – ein Anliegen, das ihnen die klassischen Banken versagen. Von denen im Stich gelassen fühlen sich auch die Geldsuchenden, die hoffen, wenigstens noch im Netz erschwingliche Kredite zu bekommen.

Hier kommt die gesellschaftliche Dimension von Social Banking im Internet ins Spiel, die Lochmaier kritisch analysiert. Er beschreibt einerseits das Geschäftemachen in den Netzgemeinschaften als eine Reaktion auf das Versagen der klassischen Banken, deren Interessen sich mit denen ihrer Kunden nur selten decken. So betrachtet billigt der Autor den Plattformen das Potential zu, ein eigenständiger Finanzbereich zu werden; eine unsichtbare, virtuelle Säule der künftigen Bankenökonomie.

Gleichzeitig sieht er die Perspektive dieser Internetpflänzchen beinahe pessimistisch. Er stellt fest, dass deren Anspruch oftmals nicht eingelöst wird; das Risiko, seine Investitionen zu verlieren ist grundsätzlich hoch. Nicht alle Betreiber von Plattformen sind seriös. Und der Run überschuldeter Haushalte auf die sozialen Kreditbörsen in den USA beschert diesen einen Sog nach unten.

Bei mehr als der Hälfte aller Plattformen zur Kreditvergabe weltweit sieht Lochmaier Handlungsbedarf und macht Vorschläge für Mindeststandards. Diese Analyse und die gut lesbare, ausführliche Bestandsaufnahme des Status Quo macht sein Buch zu einem Muss für alle, die ihre Geldgeschäfte aktiv im Internet gestalten wollen.

Besprochen von Vera Linß

Lothar Lochmaier: Die Bank sind wir. Chancen und Perspektiven von Social Banking
Heise Verlag, Hannover 2010
145 Seiten, 15,90 Euro

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