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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.03.2020

Filmwirtschaft in Zeiten von CoronaExistenzbedrohende Krise vor der Tür

Thomas Negele im Gespräch mit Britta Bürger

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Ein leerer Kinosaal. Leere Sitzreihen vor einer leeren Leinwand. (Reinhard Kurzendörfer / imago-images)
"Ohne Unterstützung vom Staat überleben die kleineren und mittleren Kinos nicht lange", sagt Thomas Negele von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft. (Reinhard Kurzendörfer / imago-images)

Auch die Filmbranche bekommt die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen gegen Corona zu spüren: In vielen Städten schließen Kinos. Der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Thomas Negele, hofft auf unbürokratische Hilfe von der Politik.

Wenn die Kinos schließen müssen verursache dies extreme Schäden, vor allem für die kleinen und mittleren Kinos, sagt der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), Thomas Negele. Aber selbst für die großen Kinobetreiber, die viele Standorte hätten, wäre ein drei- bis vierwöchiger Ausfall existenzbedrohend. 

Bei der Abwägung zwischen materiellen Überlegungen und der Gesundheit müsse man sich natürlich für die Gesundheit entscheiden. Er befürchte aber, dass die wirtschaftlichen Schäden in Deutschland extrem groß sein wird. Es gebe Filme, bei denen gerade die Dreharbeiten begonnen hätten und man könne die Produktionszeit nicht einfach auf viele Wochen strecken.

Finanzierungschaos durch Ausfall von Dreharbeiten

"Die Produzenten sind ja nicht so ausgestattet, als ob sie da drei, vier, fünf, sechs Wochen lang einfach ohne irgendetwas auskommen können. Das ist ja immer ganz streng. Meistens gehen die Dreharbeiten drei, vier Wochen und da muss jeder Tag sitzen, sonst zahlen die schon drauf."

Auch die Verleiher und TV-Sender würden im Vorfeld mitfinanzieren. Wenn das alles ins Stocken gerate, entstehe ein Finanzierungschaos und da Kino oft eine international vernetzte Arbeit sei, treffe es bei Co-Produktionen dann Beteiligte aus verschiedenen Ländern. Die Ausfallbürgschaften und Versicherungen, die die Produzenten oft abgeschlossen hätten, griffen hier wegen 'höherer Gewalt' nicht und dann sei man völlig ungeschützt.

Das gestern von der Bundesregierung geschnürte Maßnahmenpaket begrüße man bei der SPIO, aber man habe auch Forderungen an die Filmförderungsanstalt, sagt Negele. Man müsse überlegen, ob man die Fördergelder im Moment nicht umstrukturieren oder umleiten könne, um Verluste auszugleichen oder bestimmte Zeiten zu überbrücken. "Wir kommen auch wahrscheinlich mit dem Geld, das wir derzeit in der Förderung haben, nicht aus und werden vom Staat Unterstützung brauchen."

Zuschüsse statt Darlehen gefordert

Negele hofft auf eine baldige Einrichtung des vom Deutschen Kulturrat geforderten Notfallfonds für Selbständige und Kleinunternehmer in der Branche und auf unbürokratische Hilfe. "Wenn man wieder X Formulare ausfüllen muss und alles wahnsinnig kontrolliert wird, dann ist es für viele schon zu spät, weil die das Geld sofort brauchen, um weitermachen und überleben zu können."

Außerdem würde er bei den Hilfsgeldern der Filmförderungsanstalt Zuschüsse mehr begrüßen als Darlehen. "Wenn sie jetzt diese ganze negative Zeit über Darlehen auffangen, dann schleppen sie den Schuldenberg immer mit sich herum, da gehen dann wieder ein, zwei Jahre verloren, wo sie null Gewinn machen können. Und da sind viele kleine und mittlere Produktionen und Produzenten oder Verleiher gar nicht in der Lage, das zu bestehen. Von den Kinos ganz zu schweigen."

Er sei aber durchaus optimistisch, dass Lösungen gefunden werden können, die ein Kinosterben vermeiden. "Aber auf jeden Fall wird es nicht ohne Gelder gehen. Ohne Unterstützung vom Staat überleben die kleineren und mittleren Kinos nicht lange. Zwei Monate wären da schon viel zu lange!"

(rja)

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