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Studio 9 | Beitrag vom 22.04.2019

Filmkomponist Martin BöttcherDer Schöpfer der "Winnetou"-Melodie ist gestorben

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Martin Böttcher sitzt an einem Klavier und lächelt freundlich in die Kamera. (imago images / Köhn)
Filmmusik-Komponist Martin Böttcher erhält 2014 in Halle den Ehrenpreis Filmmusik (imago images / Köhn)

Martin Böttcher ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er zählt zu den wichtigsten Komponisten des bundesrepublikanischen Kinos der 60er-Jahre.

Der Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur Martin Böttcher ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Wie der Bayerische Rundfunk aus dem Familienkreis erfahren hat, starb Böttcher bereits am 19. April.

Der gebürtige Berliner wurde vor allem durch die Melodien in den "Winnetou"-Filmen bekannt. Neben dem Komponisten Peter Thomas ("Raumpatrouille") zählte er zu den wichtigsten Filmkomponisten des bundesrepublikanischen Kinos der 60er-Jahre. Später verlegte er sich vor allem auf Arbeiten fürs Fernsehen.

Mit seiner "Old Shatterhand"-Melodie gelang ihm 1962 ein beachtlicher kommerzieller Erfolg. Insgesamt schrieb Böttcher die Musik zu über 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen, unter anderem "Sonderdezernat K1", "Forsthaus Falkenau" und "Pfarrer Braun". Auch zu den klassischen deutschen "Edgar Wallace"-Filmen der Rialto Film steuerte Böttcher zahlreiche Kompositionen bei.

Er kam aus dem Jazz

Seine Karriere begann Böttcher im Alter von 18 Jahren als Gitarrist beim NDR, kurz nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist. "Das war ein kleines Wunder", sagte der Verstorbene einmal auf einer Veranstaltung, "ich war ja im Prinzip ein völliger Laie." Seine erste Filmarbeit schrieb er 1955 für den Berliner Produzenten Artur Brauner. Mit seiner zweiten Arbeit für "Die Halbstarken" gelang ihm 1956 endgültig der Durchbruch.

Pierre Brice als Häuptling "Winnetou" vor Kulisse eines Wasserfalls. (picture alliance / dpa )Pierre Brice als Apachen-Häuptling "Winnetou". Martin Böttcher komponierte für insgesamt zehn Karl-May-Verfilmungen die Musik. (picture alliance / dpa )

"Man merkt in den frühen Kompositionen aus den 50ern und 60ern, wo Martin Böttcher herkommt", erklärte unser Autor Oliver Schwesig in einem Beitrag aus dem Jahr 2012: "Aus dem Jazz. Bei den Edgar Wallace-Filmen ist es der straffe Big-Band-Swing, bei den Halbstarken ist es zum Beispiel ein Blues-Motiv."

Neben seinen zahlreichen Film- und Fernseharbeiten komponierte Böttcher außerdem Chansons für unter anderem Françoise Hardy, Romy Schneider und Elisabeth Flickenschildt.

(thg)

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