Mittwoch, 05.08.2020
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.09.2019

Filmfestspiele VenedigHollywood-Stars im Mittelpunkt

Anke Leweke im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Brad Pitt gibt Fans Autogramme und ist von Fotografen umringt. (imago images / APress)
Brad Pitt bei der Premiere seines Films "Ad Astra" in Venedig. (imago images / APress)

Vor allem die Hollywood-Stars stehen im Fokus des Festival-Geschehens in Venedig. Verschiedene US-Produktionen haben unserer Filmkritikerin Anke Leweke zufolge eine Gemeinsamkeit: die politischen Momente.

Brad Pitt bricht im Science Fiction-Film "Ad Astra" ins Weltall auf, Scarlett Johansson und Adam Driver liefern sich einen Rosenkrieg in "The Marriage Story" - und Joaquin Phoenix spielt in dem Film "Joker" Batmans zukünftigen Gegenspieler. Drei Filme aus dem Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig, die es in sich haben: "Wenn man sich die Filme näher anschaut, zwischen den Bildern liest, dann haben die alle ihre politischen Momente", sagt unsere Filmkritikerin Anke Leweke. 

"The Marriage Story": Scheidung auf amerikanisch

"Man kann zwar denken: 'Eine Scheidungsgeschichte, das ist völlig unpolitisch.' Doch wenn man zeigt, wie die Menschen leben, arbeiten und lieben oder sich eben nicht mehr lieben, wenn man deren Geschichte präzise verortet, kann man viel über den Zustand einer Gesellschaft erfahren", erklärt Leweke.

Noah Baumbachs "The Marriage Story", eine Netflix-Produktion mit Scarlett Johannson, spielt zwischen New York und Los Angeles und zeigt vor allem eins: Eine Scheidung in den USA ist sehr teuer. "Das macht die Scheidung schmutzig, weil es nur noch um die Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen geht. Es gibt keinen respektvollen Umgang miteinander mehr", analysiert Leweke.

"Ad Astra": US-amerikanische Männer

In "Ad Astra" wiederum werde das US-amerikanische Männerbild verhandelt, erklärt die Kritikerin. Brad Pitt spiele den typischen Pionier, einen Einzelgänger und Selfmade-Mann.

"Joker": Ein Psychogramm

Am meisten irritiert habe allerdings der Film "Joker", so Leweke. "Das ist die Geschichte eines gedemütigten Mannes, der von seiner Umgebung nicht respektiert wird, dann Amok läuft und die Identität des Jokers annimmt." Regisseur Todd Phillips sage über seinen Film, dass man ihn durchaus politisch lesen könne, je nachdem "durch welche Linse" man ihn sich anschaue.

Der Film mit  Joaquin Phoenix in der Hauptrolle kommt im Herbst in die deutschen Kinos. Mit den klassischen Batman-Filmen hat er wenig gemein:

"Das ist kein Feuerwerk der Spezialeffekte, das ist ein Psychogramm. Man könnte auch sagen, dass Robert De Niros 'Taxi Driver' einen Seelenverwandten bekommen hat", so Leweke. Der zweifache Oscarpreisträger Robert De Niro ist übrigens in einer Nebenrolle zu sehen.

(nho)

76. Internationale Filmfestspiele von Venedig
28. August bis 7. September 2019

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