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Studio 9 | Beitrag vom 02.08.2017

Filmfestival Locarno wird 70Stars unterm Sternenhimmel

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

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Zuschauer sitzen in der Nacht vor der offiziellen Eröffnung des Filmfestivals vor einer großen Leinwand mitten in Locarno (picture alliance / dpa / Urs Flueeler)
Zur 70. Ausgabe des Festivals gibt es wieder Freiluftkino auf der malerischen Piazza Grande. (picture alliance / dpa / Urs Flueeler)

Am Mittwochabend wird das Internationale Filmfestival Locarno eröffnet. Auf der malerischen Piazza Grande werden zur 70. Ausgabe Fanny Ardant, Nastassja Kinski und Jürgen Vogel erwartet. Deutschland ist mit dem Drama "Freiheit" des Regisseurs Jan Speckenbach im Rennen.

Das Festival beginnt mit einer Uraufführung. Im Spielfilm "Morgen und alle anderen Tage" der französischen Regisseurin Noémie Lvovsky geht es um ein neunjähriges Mädchen, dass nach der Trennung seiner Eltern bei der Mutter lebt, einer zerbrechlichen Frau am Rande des Wahnsinns.

Ein typischer Streifen für das Locarno Festival, das für Filme mit sozialen und politischen Inhalten steht, für Autorenfilme. Zum Jubiläum in diesem Jahr hat sich das Festival aber bewusst breit aufgestellt - erklärt der künstlerische Direktor Carlo Chatiran:

"Die 70. Ausgabe des Locarno Festivals ist sehr großzügig. Und zwar in dem Sinne, dass Filme gezeigt werden für alle Zielgruppen - für Cineasten, aber auch für die Menschen, die nur einmal im Jahr ins Kino gehen. Großzügig aber auch im Sinne, dass großartigen Schauspieler da sein werden, wie Matthieu Amalric, Jürgen Vogel, Fanny Ardant, Nastassja Kinski und Adrien Brody."

Carlo Chatiran, künstlerischer Direktor des Filmfestivals in Locarno.  (ARD / Dietrich Karl Mäurer)Carlo Chatiran, künstlerischer Direktor des Filmfestivals in Locarno. (ARD / Dietrich Karl Mäurer)

Der aus "Der Pianist" bekannte US-Schauspieler Adrian Brody erhält in diesem Jahr einen Ehrenpreis. Nastassja Kinsky wird mit einer Hommage geehrt. In verschiedenen Wettbewerben sind mehr als 300 Streifen zu sehen sein - Kurz- Spiel und Dokumentarfilme.

18 Filme im Wettbewerb

Um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, bewerben sich 18 Filme. Deutschland ist mit dem Drama "Freiheit" des Regisseurs Jan Speckenbach im Rennen.

Um den begehrten Publikumspreis bewirbt sich unter anderen der Film "Iceman - Der Mann aus dem Eis". Jürgen Vogel verkörpert darin den als Ötzi bekannt gewordenen Steinzeitmenschen, der Anfang der 90er-Jahre in Südtirol aus dem Gletschereis geborgen wurde.

Rund 8000 Besucher werden den Film unterm Sternenhimmel verfolgen können - auf der mittelalterlichen Piazza Grande, dem zentralen Platz Locarnos. Freiluftkino sei immer ein Risiko, sagt der Präsident des Festivals Marco Solari, doch das mache den besonderen Reiz Locarnos aus.

Locarno ist mit 70 Jahren das drittälteste Filmfestival Europas - nach Cannes und Venedig.

Marlene Dietrich traf hier ihren Förderer Josef von Sternberg wieder, den Regisseur von "Der blaue Engel". 2006 gewann Ulrich Mühe hier den Publikumspreis für seine Rolle in "Das Leben der Anderen".

Mitmachaktion "Movie of my life"

Locarno ist das größte Kinofestival der Schweiz - mit wirtschaftlicher Bedeutung für das Tessin, den italienisch-sprachigen Landesteil. Wichtig ist es den Veranstaltern, dass das Festival nicht in der Vergangenheit verharrt. So zielt die Mitmachaktion "Movie of my life" gezielt auf junge Leute - erklärt der künstlerische Direktor Carlo Chatrian:

"Für die Feier zum 70. Jubiläum haben wir beschlossen, junge Menschen zu fragen, welche Beziehung sie zum Film haben. Wir fragen nach dem Film, der eine Spur in ihrem Leben hinterlassen hat. Ich denke, das ist besonders wichtig in einer Epoche, in der wir so viele Möglichkeiten haben, Filme zu schauen, auf dem Handy, im Fernsehen oder auch auf der Leinwand." 

Zudem hat man ein Beraterteam ins Leben gerufen. Dessen jugendliche Mitglieder sollen kritisieren und Wünsche äußern. So soll das 70-jährige Festival fit gemacht werden für die Zukunft.

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