Seit 23:05 Uhr Fazit

Donnerstag, 12.12.2019
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.05.2019

Filmfestival in CannesErst rausgeputzt, dann angefressen

Anke Leweke im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine Frau und zwei Männer in Uniformen blicken alarmiert und halten ihre Waffen bereit (Universal)
Jarmusch eröffnete Cannes: Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver spielen drei Polizisten, die es mit einer Zombieplage zu tun bekommen. (Universal)

Bill Murray, Adam Driver und Tilda Swinton, die Stars aus Jim Jarmuschs Zombie-Komödie "The Dead Don't Die", haben Cannes eröffnet. Erst auf dem roten Teppich und dann auf der Leinwand. Unsere Kritikerin hätte sich mehr Eigensinn von Jarmusch gewünscht.

Es ist nicht Jim Jarmuschs erster Genre-Film in Cannes. Er ist schon zuvor mit dem Western "Dead Men" mit Johnny Depp und dem Vampirfilm "Only Lovers Left Alive", in dem Vampire als Hüter unserer abendländischen Kultur auftreten, angereist. Nun ist Jarmusch mit einem Zombiefilm vertreten, der eine hochkarätige Besetzung aufweist: Bill Murray, Adam Driver und Tilda Swinton spielen in "The Dead Don't Die" mit - aber auch Iggy Pop, Selena Gomez und Tom Waits. 

Jarmusch nutze das Zombie-Genre, um eine "politisch-kulturelle Landkarte der USA" zu entwerfen, meint unsere Filmkritikerin Anke Leweke.

Bill Murray, Jim Jarmusch und Tilda Swinton auf dem Roten Teppich in Cannes. Jarmusch eröffnete die Filmfestspiele mit seinem Film "The Dead don't die". (dpa / picture alliance / ABACA / Genin Nicolas)Bill Murray, Jim Jarmusch und Tilda Swinton auf dem Roten Teppich in Cannes. Jarmusch eröffnete die Filmfestspiele mit "The Dead don't die". (dpa / picture alliance / ABACA / Genin Nicolas)

"Eine Lage der Nation, bei der, wie im Zombie-Genre üblich, die Untoten in ihre Städte zurückkehren und hier dann alle Handys in die Hände bekommen." Diese Zivilisationskritik sei etwas dünn geraten, findet Leweke.

"Und wenn man schon auf das Genre zurückgreift, dann muss man mehr Eigensinn entwickeln, als es Jim Jarmusch gemacht hat." Dass durch das Energiegewinnungsverfahren Fracking eine Zombiekatastrophe ausgelöst wird, findet Leweke zu simpel gedacht.

Stammtischpokal Goldene Palme?

Insgesamt würden viele Regisseure in Cannes auf Genre-Filme zurückgreifen, etwa auf Western oder Thriller. In Cannes tummeln sich auch in diesem Jahr die üblichen Verdächtigen, neben Jarmusch auch Ken Loach, Pedro Almodovar oder die Dardenne-Brüder.

"Was will man als Filmfestival von Cannes auch anderes machen? Das sind sozusagen die Ziehsöhne von Cannes. Insofern hat die Goldene Palme auch etwas von einem Stammtischpokal", sagt Leweke.

Mehr zum Thema

Filmfestspiele in Cannes - Zu wenig Frauen, zu viele alte Männer
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 14.05.2019)

Cannes: Die Wettbewerbsfilme - Große Filmemacher, wenig Neuentdeckungen
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 18.04.2019)

Postkarte aus Cannes - Man (er-)kennt sich
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 13.05.2019)

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons007 jagt Dr. No
Sean Connery als 007 überreicht Eunice Gaysson als Sylvia in dem britischen Film "James Bond - 007 jagt Dr. No" Casino-Chips. (dpa - Bildarchiv)

"Aus der peitschenden Geliebten wurde eine brave Ehefrau", lesen wir in der "Süddeutschen Zeitung" über Ian Flemmings Partnerin Anne. Und weil ihn fortan die Ehe so sehr langweilte, habe er die titanische Popfigur James Bond erfunden, heißt es.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur