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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 10.08.2018

Film über Itzhak PerlmanEin Leben für die Musik

Von Jochanan Shelliem

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Der Geiger Itzhak Perlman (picture-alliance / dpa / Oliver Weiken)
Der Geiger Itzhak Perlman (picture-alliance / dpa / Oliver Weiken)

Alison Chernick erzählt in einem Dokumentarfilm vom Leben Itzhak Perlmans. Der Schriftstellerin und Regisseurin ist es gelungen, eine große Nähe zu dem israelisch-amerikanischen Geiger herzustellen.

Unangestrengt ist das Geigenspiel von Itzhak Perlman. Seine Erdung findet der Ausnahmegeiger in seinem Judentum. Und wie die meisten Juden seit der Shoah stellt er sein Judentum nicht aus. Seine Familie erdet sein Spiel und das Leben der Perlmans bewegt sich im Rhythmus der jüdischen Feiertage. Toby Lynn, geborene Friedländer hatte sich schon als Teenie in Perlman verliebt. Zehn Jahre später – 1967 – wurde sie seine Gefährtin und Ehefrau, die ehemalige Geigerin koordiniert das Familienleben der zwei Söhne, drei Töchter und diversen Enkeln und zwei Hunden und begleitet Itzhak Perlman auf seinen Konzerttourneen.

"Unsere Ehe ist sehr glücklich, weil wir über gewisse Dinge gar nicht sprechen. Wir sind uns einfach einig und leben dieses Gefühl. An einem Freitagabend beispielsweise spielt Itzhak nicht, er reist auch nicht an Freitagabenden. Mir ist stets wichtig gewesen, dass wir gar nicht darüber reden müssen. Und dann ist da die Musik, die uns gemeinsam ist. Selbstverständlich spiele ich nicht in seiner Liga, aber ich weiß wohl einiges und wir kommen sehr gut miteinander aus."

In Rückblenden erzählt der Dokumentarfilm von Alison Chernick vom Leben des israelisch-amerikanischen Stargeigers, der als Kind an Polio erkrankte und seither im Sitzen spielen muss. Die Persönlichkeit des Wunderkindes, die sich frei von Dünkeln an den musikalischen Erfahrungen ebenso erfreut, wie an den Reaktionen seines Publikums verleiht dem Film ein lebensfrohes Funkeln und einen Pragmatismus, der schon seine Kindheit prägte.

1945 in Tel Aviv geboren, hatten sich seine polnischen Eltern in Israel sehr fremd gefühlt.

Perlman: "Als meine Eltern nach Israel kamen, waren sie Fremde im Land. Mein Vater nahm jede Arbeit an, die man ihm gab. Er wurde Friseur. Das wurde nichts, weil wir uns eine Wohnung in der Nähe meiner Schule suchen mussten. So wuschen meine Eltern dann die Wäsche unserer Nachbarn.

Sie richteten sich ausschließlich nach meinen Bedürfnissen aus. Alles, was in meiner Kindheit neben dem Schulunterricht geschah, hatte mit meiner Geige zu tun. Du übst oder Du übst nicht. Etwas anderes gab es nicht. Sie sagten, Du bist mit einem einzigartigen Talent gesegnet – ein Tennisspieler wirst Du nicht sein."

Der Durchbruch gelingt mit 19 Jahren

1958 wanderte die Familie in die USA aus. Perlman wurde an Juillard School angenommen und setzte sein Violinstudium bei Dorothy Delay und Ivan Galamian fort.

"Wenn man in einem kleinen Land lebt, sind die USA das Ziel, um die nächste Stufe zu erreichen."

Das größte Hindernis für seine Anerkennung jedoch blieb seine Behinderung. Ein Wunderkind, das auf Krücken die Bühne betritt, galt lange als nicht vorzeigbar. Der Durchbruch gelang dem 19-Jährigen 1964 in der Carnegie Hall, als er bei einem Wettbewerb den Leventritt-Gedenk-Preis gewann. Seither lebt Itzhak Perlman seine Musik auf allen internationalen Bühnen aus. Über Genregrenzen hinweg spielt er mit Klezmerbands, gastiert mit Philharmonischen Spitzenorchestern und pflegt noch eine andere jüdische Tradition: 2016, als er in Israel den Genesis Preis erhält, berichtet Perlman, wie seine Frau Toby und er begonnen haben, junge Musikerinnen und Musiker zu fördern.

Perlman: "Als ich in New York studierte, hat eine Dame aus reichem Hause mein Studium unterstützt, in dem sie mir die Taxifahrten zur Juillard School, Noten und Bücher finanzierte. Es ist nicht viel Geld gewesen, aber es hat den Unterschied ausgemacht, der mich gelehrt hat, was Geben heißt."

Bis heute setzen sich Itzhak und Toby Perlman für junge Nachwuchsmusiker ein. Mit dem Preisgeld des Genesis-Preises von 2016 unterstützen sie Menschen mit Behinderungen und verleihen ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Mut.

Alison Chernick ist es gelungen eine große Nähe zu Itzhak Perlman herzustellen. Die Perlmans diskutieren offen vor der Kamera und die Strahlkraft des beliebtesten Ausnahmegeigers unserer Zeit illuminiert den Film.

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