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Kompressor | Beitrag vom 11.11.2014

Film über Fela Kuti"Ein unerträglicher Macho"

"Finding Fela" zeigt die nigerianische Musiklegende als kontroversen Künstler

Andreas Müller im Gespräch mit Christine Watty

Schauspieler Kevin Mambo spielt  Fela Kuti im Broadway Musical FELA!, in New York, USA. (picture alliance / dpa / Monique Carboni / Ho)
Szene aus FELA!, einem Musical am New Yorker Broadway, das in dem Film über Fela Kuti ebenfalls behandelt wird. (picture alliance / dpa / Monique Carboni / Ho)

In "Finding Fela" ist zu sehen, wie der Afrobeat-Pionier zwei Dutzend Frauen heiratet und seine Band dirigiert wie ein Diktator. Musikkritiker Andreas Müller sieht in der rebellischen Art des verstorbenen Musikers zudem einen "Schlag in die Fresse des Systems".

Der Oscar-Preisträger Alex Gibney hat bereits Filme über Hunter S. Thompson, Lance Armstrong und die Wikileaks-Plattform gedreht. In "Finding Fela", der am 13. November beim BIFF Braunschweig International Filmfestival Premiere feiert, widmet sich der Regisseur dem nigerianischen Afrobeat-Pionier Fela Kuti.

Andreas Müller, Musikjournalist vom Deutschlandradio Kultur, ist fasziniert von der ambivalenten Persönlichkeit des Nigerianers. Er sei ein Revolutionär, Visionär und Menschenrechtsaktivist gewesen. Als Musiker habe er sich wie "ein Diktator seiner Band" aufgeführt, der mit expliziten Songs die Militärjunta seines Heimatlands angriff. Das Militär schlug zurück und tötet Felas Mutter in ihrem Haus. Mit seiner rebellischen Art sei Kuti "ein Schlag in die Fresse des Systems" gewesen, sagt Müller.

Verfall durch erlittene Gewalt und Drogenkonsum

Privat sei der Musiker "ein unerträglicher Macho" gewesen, der bei einer Zeremonie zwei Dutzend Frauen heiratete und das als traditionell verteidigte. Der Dokumentarfilm schildert auch Fela Kutis Verfall durch erlittene Gewalt und massiven Drogenkonsum. Andreas Müller sagt, der Regisseur Gibney schaffe es zwar nicht, die Figur einzufangen, schließlich sei Fema Kuti nur schwer zu erfassen. Aber "trotzdem scheitert er nicht, weil er klar macht, dem kann man nicht beikommen. Das ist Gibney auf faszinierende Weise gelungen."

Außerdem erfahre der Zuschauer nicht nur einiges über den Musiker und seine Biografie, sondern auch über die Geschichte postkolonialer Gesellschaften, in denen nach der Befreiung Hoffnung aufkeimte, Kreativität sprießte und etwas ganz Neues entstand. Und auch die Reaktionen der korrupten und brutalen Regime darauf thematisiere der Film eindrucksvoll, sagt Müller.

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