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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.09.2015

Film "Es ist schwer, ein Gott zu sein"Düstere Science-Fiction-Geschichte

Von Jörg Taszman

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Der russische Filmregisseur Alexej German sitzt 2008 in einem Zimmer in Paris. (AFP / PATRICK KOVARIK)
Der russische Filmregisseur Alexej German 2008 in Paris (AFP / PATRICK KOVARIK)

Ein Planet mit Gelehrten und einer mittelalterlichen Diktatur: Das ist der düstere Stoff von "Es ist schwer, ein Gott zu sein" von Alexej German. Es geht um Faschismus und Stalinismus, die nicht von oben verordnet werden, sondern aus der verarmten, ungebildeten Masse kommen.

Die Filme des 2013 verstorbenen Alexej German genießen in Deutschland bei weitem nicht die Verbreitung und Anerkennung wie im französisch-  oder englischsprachigen Raum. Auf Deutsch gibt es nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Auch sind die nur sechs Filme, die der 1938 in Leningrad geborene German beendete, bei uns niemals auf DVD erschienen.

Der Sohn eines bekannten sowjetischen Schriftstellers hatte immer wieder Probleme mit der Zensur. Sein 1971 beendeter Film "Straßenkontrolle" erschien erst 1986 zu Zeiten der Perestrojka. Bereits Mitte der 60er-Jahre wollte der damalige Regiedebütant den Roman "Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein" der Strugatzki-Brüder verfilmen. Die düstere Geschichte ist ein historischer Science-Fiction-Roman. Es geht um das Verhältnis von Gelehrten zu einer mittelalterlichen  Diktatur auf dem fernen Planeten Arkanar, der nie die Renaissance erlebte. Ein von der Erde entsandter Wissenschaftler, der sich als Adeliger Don Rumata ausgibt,  versucht das Schlimmste zu verhindern.

Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings erhielt Alexej German keine Dreherlaubnis mehr. Erst 2000 konnte er in der Nähe von Prag (Außenaufnahmen) und in den Lenfilm-Studios (Innenaufnahmen) sein Opus Magnus beginnen. Die Dreharbeiten zogen sich bis 2006 hin. Nach seinem Tod, sieben Jahre später, wurde der fast fertig gestellte Film erstmals aufgeführt.

Kaum zu ertragendes, aber beeindruckendes Kino

In schmuddeligen Schwarzweißbildern folgt der Betrachter einem rastlosen Don Rumata. In langen Plansequenzen mit vielen Großaufnahmen und einer Kamera, die dauernd in Bewegung ist, erlebt und erleidet der Betrachter den gewalttätigen Alltag in einer kulturfeindlichen Welt. Es regnet permanent, ungewaschene Gestalten mit faulen und schiefen Zähnen ziehen plündernd und mordend durch die matschigen Gassen von Burgen und Dörfern. Es fällt schwer, eine nacherzählenswerte Handlung zu erkennen.

German geht es mehr um die trübe Grundstimmung, einen feudalen Faschismus/Stalinismus, der nicht von oben kommt, sondern aus der verarmten, verrohten, ungebildeten Masse. Das ist wirklich schwere Kost und mit fast drei Filmstunden kaum durchgängig zu ertragen, aber dennoch ein durch die Wucht der Inszenierung und der Bilder beeindruckendes Kino.

In gewisser Weise ist dieses letzte Werk von einem einst typischen sowjetischen Regisseur noch ein Spätwerk der untergegangenen UdSSR. Fernab jeder ökonomischer Zwänge konnten dort Regisseure wie Andrej Tarkowski oder Sergej Paradschanow trotz aller politischen Zensur Filme vollenden, die im Westen unmöglich gewesen wären.

Es ist schwer, ein Gott zu sein
Russland, 2013; Regie: Alexej German; 177 Minuten, ab 16 Jahren

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