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Interview / Archiv | Beitrag vom 26.02.2019

Film "Die Schule auf dem Zauberberg"Arme reiche Kinder

Radek Wegryzn im Gespräch mit Nicole Dittmer

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(Radek Wegryzn)
Elite-Schüler wider Willen: Der junge Türke Berk - hier mit einem Schulfreund - wurde von seinem Vater auf ein Elite-Internat in der Schweiz geschickt. Filmemacher Radek Wegryzn hat ihn mit der Kamera begleitet. (Radek Wegryzn)

Die Superreichen dieser Welt schicken ihren Nachwuchs auf Elite-Internate. Radek Wegryzn hat den Alltag an einer solchen Schule in der Schweiz gefilmt. Milliardärskinder, sagt er, haben die gleichen Träume wie andere Teenager − nur oft weniger Freiheiten.

Am 28. Februar startet der Dokumentarfilm "Die Schule auf dem Zauberberg" in den deutschen Kinos. Regisseur Radek Wegryzn hat viele Wochen in einer internationalen Elite-Schule in der Schweiz verbracht. Die Hälfte der Schüler an der Schule kommt aus Elternhäusern, die vorzugsweise mit Öl ihre Milliarden verdienen, viele aus dem arabischen Raum.

Wegryzn filmte die Kinder der Superreichen in ihrem Schulalltag, fragte sie nach ihren Träumen und Zielen. Im Zentrum des Films: der junge Türke Berk. Er absolviert sein letztes Highschool-Jahr dort, ist nicht freiwillig dorthin gegangen und kommt mit den Erwartungen der Eltern, mit seinem Leben und seiner Rolle in diesem Milieu nicht klar.

"Wir können nicht alles machen, was wir wollen"

Wegryzns Fazit: Die Kinder Superreicher ticken im Grunde genauso wie andere Teenager. Zwar könnten sie sich alles kaufen, was ihnen gefalle, doch träumten sie letztlich auch nur die Träume ganz normaler Jugendlicher, die ihren Platz im Leben finden wollten. Mit einem Unterschied:  Viele hätten – auf den ersten Blick paradox – weniger Freiheiten als andere.

"Ich hatte sehr oft die Situation, dass, wenn ich die Kids darauf angesprochen und gesagt habe: ‚Na, ihr könnt doch eigentlich alles machen, was ihr wollt – wirklich alle, ihr könnt euch alles kaufen.‘ Und die haben mich mit großen Augen angeguckt und gesagt: ‚Mister, Sie verstehen nicht: Wir können nicht alles machen, was wir wollen. Unser Weg ist prädestiniert, unsere Eltern haben sich genau überlegt, was wir machen wollen."

Am Ende des Films steht für Wegryzn die zwar nicht neue, aber trotzdem bewegende Erkenntnis: Was für die Kinder letztlich am meisten zähle, sei die bedingungslose Liebe der Eltern – nicht das viele Geld.

(mkn)

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