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Frühkritik | Beitrag vom 18.04.2019

Film der Woche: "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit"Ein genialisches Mysterium auf der Leinwand

Von Jörg Taszman

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Willem Dafoe als Maler Vincent Van Gogh im Film von Regisseur Julian Schnabel (Imago / CBSFilms)
Willem Dafoe als Maler Vincent Van Gogh im Film von Regisseur Julian Schnabel (Imago / CBSFilms)

Ein überzeugender Willem Dafoe als genialischer Einzelgänger und eine Schar von populären Darstellern als Nebendarsteller: Julian Schnabel hat mit "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" ein sehr sinnliches Porträt des Malers geschaffen.

Worum geht es? 

Zugegeben, ein wenig skeptisch durfte man schon sein. Kann der Amerikaner Julian Schnabel nach den beiden Porträts über die zeitgenössischen Künstler Basquiat (1996) und Reinaldo Arenas (Before Night Falls, 2000) auch einen überzeugenden Film über Vincent Van Gogh drehen? Hinzu kam, dass der Amerikaner Willem Dafoe 63 Jahre alt ist, Van Gogh aber bereits mit 37 Jahren starb.

Schnabel nähert sich dem Einzelgänger Van Gogh zunächst in einem Café in Arles. Der dortige Wirt hat viele Bilder des Malers ohne Sinn und Verstand an die Wand gehängt und findet sie außerdem schrecklich. Er zwingt Van Gogh dazu, alle Bilder wieder mitzunehmen. Dann diskutieren einige Maler lautstark, wie sie sich organisieren könnten und einer unter ihnen wendet sich angewidert ab. Er stellt sich bei Van Gogh als Gauguin vor und will Frankreich nur noch verlassen.

Was ist das Besondere? 

Nach dieser lautstarken Exposition, in der viel geredet wird, wechselt Julian Schnabel die Perspektive. Er zeigt die Einsamkeit des Malers, der oft tagelang nicht spricht, kaum Kontakt zu Menschen hat und in einem fiebrigen Zustand die Natur bei Wind und Wetter malt. Immer wieder folgt die Kamera Van Gogh, umkreist ihn, zeigt ihn bei der Arbeit in einer Mischung aus durchkomponierten Totalen und hektischen Großaufnahmen. "Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit" ist so ein sehr körperlicher, sinnlicher Film, der nicht intellektualiseren will.

Bewertung

Dabei ist vieles gelungen, und doch nicht der ganze Film durchgängig überzeugend. Mitunter wirken die Wechsel zwischen Schweigen und endlosen Dialogen zu gewollt und redundant. Dennoch gelingt es Schnabel, das Mysterium Van Gogh, seine Verlassenheit, Passion für das Malen und Unfähigkeit, unter Menschen zu leben, einzufangen. Auch die Schauspieler reißen es immer wieder heraus: vor allem Willem Dafoe, der für seine Performance den Preis als bester Darsteller in Venedig gewann und für einen Oscar nominiert war. In Nebenrollen gibt es ein Wiedersehen mit so bekannten Darstellern wie Mads Mikkelsen, Oscar Isaak, Mathieu Amalric und Emmanuelle Seigner. Das ermöglicht diesen vorzüglichen Schauspielern schöne Miniaturauftritte, und der Zuschauer genießt es.

Vag Gogh -  An der Schwelle zur Ewigkeit (GB/F 2018)
Regie: Julian Schnabel. Darsteller: Willem Dafoe, Oscar Isaak, Mads Mikkelsen, Rupert Friend

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