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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.03.2019

Film der Woche: "Die Maske"Bitterböse Satire über das ländliche Polen

Von Jörg Taszman

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Filmstill aus "Die Maske" von Małgorzata Szumowska mit Mateusz Kościukiewicz als Jacek.  (Grandfilm / Bartosz Mrozowski)
Filmstill aus "Die Maske" von Małgorzata Szumowska mit Mateusz Kościukiewicz als Jacek. (Grandfilm / Bartosz Mrozowski)

Eben noch Teil der Dorfgemeinschaft, im nächsten Moment der Ausgestoßene: In ihrem preisgekrönten Film "Die Maske" hält die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska ihren Mitbürgern den Spiegel vor. Eine satirische Abrechnung mit provinzieller Bigotterie.

Halbnackte Frauen und Männer stürmen einen Supermarkt, um zur Belohnung einen um 70 Prozent gesenkten Flachbildfernseher zu ergattern. Selten hat man im Kino eine so originelle, bitterböse und kapitalismuskritische Eingangssequenz gesehen. Die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska spielt hier eindeutig auf das großartige Mockumentary von Cesky Sen "Der tschechische Traum" von 2004 an. Dort stürmen Verbraucher einen Supermarkt auf der grünen Wiese, von dem es nur eine Fassade gibt.

"Die Maske" kritisiert nicht nur den Konsum, sondern vor allem die dominante Rolle der bigotten katholischen Kirche auf dem Land. Der örtliche Pfarrer dankt  seiner Gemeinde, dass alle für die weltweit größte Jesus-Statue gesammelt haben, die sogar noch größer ausgefallen ist als die in Rio de Janeiro.

Ablehnung des Fremden

Einer der Gelegenheitsarbeiter an diesem kitschigen Monstrum ist auch der Heavy-Metal-Fan Jacek, der eingangs noch zu den Supermarktstürmern gehörte. Jacek will eigentlich nur noch weg aus Polen, hat genug von dem Mief in seiner Familie, den ständigen Streitereien.

Aber dann erleidet er auf der Baustelle einen Arbeitsunfall und wird der erste Pole, der durch eine Gesichtstransplantation gerettet wird. Und nun ist Jacek mit diesem neuen Gesicht – der Maske – plötzlich ein Medienstar, aber nicht sehr lange. Schnell holt ihn der Dorfalltag wieder ein.

Seine Mutter beschwert sich beim Pfarrer über diesen "Anderen", die Verlobte will nichts mehr von ihm wissen, die Kinder rennen an ihm vorbei und nennen ihn nur "Schweinegesicht".

Aber Jacek verfällt nicht in Schwermut. Er wehrt sich und geht seinen eigenen Weg.

Małgorzata Szumowska, Gewinnerin des Silbernen Bären Großer Preis der Jury, für den Film "Twarz" auf dem roten Teppich nach der Preisverleihung der 68. Berlinale am 24.02.2018 in Berlin vor dem Berlinale Palast (imago stock&people)Regisseurin Małgorzata Szumowska wurde 2018 auf der Berlinale für ihren Film "Die Maske" mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet (imago stock&people)

Małgorzata Szumowska hält in ihren Filmen wie "Im Namen des…" über einen homosexuellen Priester ihren Landsleuten gerne den Spiegel vor. Sie hat mit ihrem 7. Spielfilm "Die Maske" eine bitterböse, aber nie bösartige Studie über das Polen auf dem Lande gedreht, das stramm konservativ wählt und denkt, gerne zotige Witze über Ausländer und Frauen reißt und mit dem "Fremden", dem "Anderen" nichts anzufangen weiß.

Das ist eigenwillig gefilmt mit bewusst vielen Unschärfen im Bild, ausgezeichnet gespielt – vor allem Mateusz Kościukiewicz, der Hauptdarsteller und Ehemann der Filmemacherin, brilliert – und rasant inszeniert!

"Die Maske"
Polen 2018
Regie: Małgorzata Szumowska
Darsteller: Mateusz Kościukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Malgorzata Gorol u.a.
Länge: 91 Min

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