Fiktiver Gerichtsprozess am Thalia Theater: Jury stimmt für Prüfung eines AfD-Verbots

    Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren sitzt an einem Tisch und unterhält sich.
    Der Schweizer Regisseur, Autor und Filmemacher Milo Rau © picture alliance / APA / picturedesk.com / Georg Hochmuth
    Es war ein ungewöhnliches Projekt, das lange im Voraus für Aufsehen sorgte: In einem fiktiven Gerichtsprozess am Hamburger Thalia Theater haben drei Tage lang Fachleute, Prominente und normale Bürger über ein AfD-Verbot verhandelt. Am Ende des Pseudo-Verfahrens stimmten die Geschworenen dafür, dass ein Verbot durch das Bundesverfassungsgericht geprüft und die AfD von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossen werden soll. Inszeniert wurde das Theaterprojekt mit dem Titel "Prozess gegen Deutschland" von dem Schweizer Regisseur Milo Rau. Als Vorsitzende Richterin fungierte die frühere SPD-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Für die Anklage hatte die Hamburger Juristin Gabriele Heinecke in ihrer Schlussrede erklärt, die AfD sei eine Bedrohung für den großen Teil der Bevölkerung. Die Publizistin Liane Bednarz als Verteidigerin betonte, dass mit einem Verbot kein Problem gelöst werde. Sorgen, die real da seien, bekomme man so nicht weg. Beteiligt war an der Inszenierung auch die ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry. Sie betonte, Verbote seien der Anfang vom Ende des Fortschritts. Und der Moderator Michel Abdollahi erklärte, nicht die AfD sei der Hauptangeklagte in diesem Prozess, sondern "die Bequemlichkeit der sogenannten Mitte". Er fügte hinzu: "Demokratie ist Arbeit, und wir sind verdammt faul geworden." Der fiktive Prozess wurde auch im Internet übertragen. Als Prozessberichterstatter fungierten Reporter vom Hamburger Abendblatt.