Seit 00:00 Uhr Nachrichten
Sonntag, 01.11.2020
 
Seit 00:00 Uhr Nachrichten

Fazit | Beitrag vom 05.10.2020

Festnahme der Philosophin Olga ShparagaBelarus geht weiter gegen Kulturszene vor

Olga Dryndova im Gespräch mit Gabi Wuttke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Teilnehmende an einer Protestdemonstration in Minsk in Belarus am 4.10.2020 stehen auf einer Grünfläche, im Vordergrund ist ein Polizeifahrzeug zu sehen.  (picture alliance / dpa / Stringer /TASS)
Festnahmen und Gewalt: Der Staat in Belarus geht mit Härte gegen die Protestierenden vor. (picture alliance / dpa / Stringer /TASS)

Der Protest der Frauen in Belarus habe die Staatsführung überrascht, sagt die Politologin Olga Dryndova. Nun gehe sie aber rabiat vor. Zuletzt wurde die Philosophin Olga Shparaga festgenommen. Inzwischen soll sie wieder frei sein.

In den vergangenen beiden Monaten sind in Belarus mehr als 13.000 Menschen festgenommen worden. Zu ihnen zählen die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa und zuletzt die Philosophin Olga Shparaga. Shparaga lehrt am European College of Liberal Arts in Belarus.

Olga Dryndova von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen war erst am Sonntag mit Olga Shparaga in Kontakt. "Weil sie einen Artikel für die Belarus-Analysen schreibt, deren Redakteurin ich bin", erzählt sie. Trotzdem habe sie erst am heutigen Montag von ihrer Festnahme erfahren: "Wir haben gemeinsame Bekannte, so dass ich heute in den sozialen Netzwerken davon gelesen habe." 

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Dass die Philosophin und ihr Mann Alexander Adamjanc jetzt freigelassen worden sein sollen, habe sie bislang lediglich in den sozialen Netzwerken gelesen und noch nicht persönlich von Shparaga bestätigt bekommen, sagt Dryndova. Nach Informationen der Zeitschrift "Osteuropa" wurde Shparaga freigelassen.

Schockierende Gewalt

Dass man mit Blick auf die Proteste der vergangenen beiden Monate jederzeit verhaftet werden kann, "das wusste sie", ist sich Dryndova sicher. "Inzwischen muss man sich nicht mal mehr an den Protesten beteiligen." Die Polizei gehe inzwischen rabiat vor, auch gegen Frauen. Der Protest der Frauen habe den Staat zu Beginn überrascht. Der Staat habe mehrere Wochen nicht damit umzugehen gewusst. Die Repression jetzt sei das Resultat. "Sie nehmen jetzt auch Frauen brutal fest. Die Frauen werden auch geschlagen."

Dryndova sagt, sie habe versucht, sich daran zu gewöhnen, "aber es geht nicht". Die Gewalt sei schockierend. "Egal ob Autokratie oder Demokratie, es sind alle Menschen, die das machen. Ich bin in Belarus geboren und aufgewachsen, einen solchen Polizeistaat habe ich da noch nicht gesehen", sagt Dryndova.

Am Dienstag will die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin über die Situation beraten. 

(mfied)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsEmpörung über Lockdown
Das Schild «Closed» (Geschlossen) hängt an der Tür eines Geschäftes.  (picture alliance /dpa/Oliver Berg)

Am Boden, ausgeknockt, zum Schweigen gebracht: Die Feuilletons finden viele zornige Worte zur Entscheidung der deutschen Regierung, Kultureinrichtungen für vier Wochen zu schließen. Kunst und Kultur seien unentbehrlich.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur