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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.12.2020

Festivalchefin zur Berlinale 2021"Im Sommer erwarte ich sehr viel Festivalatmosphäre"

Mariette Rissenbeek im Gespräch mit Axel Rahmlow

Mariette Rissenbeek steht mit verschränkten Armen in einem roten Oberteil vor einer dunkelroten Wand.  (picture alliance/AP Images | Markus Schreiber)
"Anfang September hatten wir nicht den Eindruck, dass es vermessen wäre, im Februar eine Berlinale stattfinden zu lassen", erinnert sich Mariette Rissenbeek. (picture alliance/AP Images | Markus Schreiber)

Die Berlinale wird 2021 nicht wie üblich im Februar stattfinden, sondern in zwei Teilen auf März und Juni verschoben. Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek erklärt, warum das Festival geteilt wird und was sich nicht verändert.

Die Berlinale wird im kommenden Jahr zweigeteilt: Anfang März wird digital der Filmmarkt für die Filmbranche stattfinden, im Sommer 2021 werden für das Berliner Publikum die Filme im Festivalrahmen gezeigt. Das kündigt Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin, an: "Wir reißen die bislang zusammen stattfindende Berlinale dadurch ein wenig auseinander. Aber wir glauben auch, dass das neue Möglichkeiten bietet."

Filmmarkt im März, Publikumsfestival im Juni

Ein Filmmarkt sei sehr jahreszeitenabhängig. "Die Berlinale hat sich im Februar am Anfang des Jahres etabliert als der Ort, wo man noch mit vollen Taschen unterwegs ist, wo man sich die Filme anguckt, die Filme verhandelt, eben kauft und einkauft." Dieses Element könne man nicht einfach zum Beispiel in den Juni verlegen, betont Rissenbeek, da im Mai das Filmfestival in Cannes stattfindet. "Direkt nach einem anderen großen Filmmarkt würde man nicht mehr so viele Anreize haben, neue Filme einzukaufen."

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Beim Publikumsfestival sollen voraussichtlich etwa 70 Filme gezeigt werden, sagt Rissenbeek über die Pläne für den zweiten Teil der Berlinale. "Im Sommer erwarte ich sehr viel Festivalatmosphäre." Es werde Open-Air-Vorführungen geben und wie immer auch einen Wettbewerb. 

"Die Jury wird die Wettbewerbsfilme sehen, unter hygienisch sauberen Bedingungen im Februar, so wie es eigentlich normalerweise geplant gewesen wäre. Das Publikum wird diese Filme im Juni sehen und wir werden dann auch im Juli die Filmschaffenden von den Gewinnerfilmen nach Berlin einladen, damit sie ihre Goldenen und Silbernen Bären in Empfang nehmen können."

Berlin ist nicht Venedig

Das Filmfestival in Venedig im September habe gezeigt, dass ein Festival unter bestimmten Bedingungen trotz der Pandemie stattfinden könne, so Rissenbeek. Doch das Beispiel lasse sich nicht auf Berlin übertragen.

"Anfang September hatten wir nicht den Eindruck, dass es vermessen wäre, im Februar eine Berlinale stattfinden zu lassen", erinnert sich Mariette Rissenbeek. Diese Situation habe sich Ende Oktober geändert, sodass es sich einfach nicht umsetzen lasse.

Es gab auch Überlegungen, die komplette Berlinale in den April zu verschieben. Das Branchenblatt Variety hatte berichtet, dass dieser Plan an der Bundesregierung als wichtigster Fördererin des Festivals gescheitert sei. "Das stimmt nicht", widerspricht Rissenbeek. "Die Staatsministerin für Kultur und Medien", betont die Berlinale-Chefin, "hätte es sehr begrüßt, wenn wir im April hätten stattfinden können." Aber aufgrund der Unwägbarkeiten sei es besser gewesen, das Festival aufzuteilen. Sonst hätte 2021 womöglich gar keine Berlinale stattfinden können.

(jfr)

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