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Kompressor | Beitrag vom 15.10.2019

Festival "Das Ost-West-Ding"Nicht schon wieder den "Osten auf die Couch" legen

Franziska Werner und Daniela Dröscher im Gespräch mit Shanli Anwar

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Ein Mensch mit einem Bärenkopf steht auf der Straße und hält einen Stadtplan fest. (Marie Weich)
Berliner Problembär? Bei der Anstattführung ergründen "hannsja" als Bärenrudel die Stadt. (Marie Weich)

Zum Jubiläum des Mauerfalls beschäftigt sich ein Festival mit dem "Ost-West-Ding": Tanz- und Performance-Produktionen spüren den Auswirkungen der Wende auf Frauen, Migranten und queere Gruppen nach. Ziel ist ein Dialog von Osten und Westen.

30 Jahre nach dem Mauerfall wird die Beziehung zwischen Ost und West heute vielfältig reflektiert – auch von einer jungen Generation, die kaum die Erfahrung vom Leben in der DDR oder der alten BRD gemacht hat. Dennoch beschäftigt sie die Frage der Herkunft auf neue Weise weiter. Wie genau, zeigt sich auch in Tanz- und Performance-Produktionen beim Festival "Das Ost-West-Ding" in den Berliner Sophiensaelen, das heute beginnt.

Es gehe nicht darum, wie so oft, den "Osten auf die Couch" zu legen, sagt Franziska Werner, Künstlerische Leiterin der Sophiensaele, sondern um einen "Ost-West-Dialog". Auch wenn viele Beteiligte der Millenial-Generation angehörten und die DDR nicht mehr erlebt hätten, habe das Thema ihren Lebensweg geprägt. Einen Monat lang geht es bei dem Festival um Auswirkungen der Wende auf migrantische, queere und feministische Gemeinschaften, aber auch um die Zivilgesellschaft im Osten.

Versuch einer kollektiven Autobiografie

Die Schriftstellerin Daniela Dröscher hat gemeinsam mit Peggy Mädler die Installation "Ansteuerung von Söstweuschland" gemacht. Darin wird eine kollektive Autobiografie versucht. Insgesamt 13 Frauen aus Ost- und Westdeutschland, unterschiedlich sozialisiert und aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen stammend, wurden dafür zu ihrem Alltagsleben und ihren Prägungen befragt: von der Hausärztin bis zur Friseurin. Gecastet wurden die Teilnehmerinnen aus dem sozialen Umfeld der Künstlerinnen. Auch postmigrantische Lebensweisen in Ost und West kämen "selbstverständlich" zu Wort, sagt Daniela Dröscher.

Schwarzweißfotos von Frauen. (Sabine Thiel)Eine weibliche Perspektive auf die deutsche Geschichte zeigt die Installation von Peggy Maedler und Daniela Dröscher. (Sabine Thiel)

Die Lebensläufe der Frauen wurden zu einer gemeinsamen Biografie collagiert, in Form einer audiovisuellen Rauminstallation mit Schiffshörnern. Aus diesen werden intime Geschichten der Frauen erzählt. Diese kollektive Spur läuft über 70 Minuten. Individuelle Lebensläufe sind über Plakate und Tonspuren erlebbar.

Auch andere Arbeiten des Festivals verwerten Interviews zu individuellen Lebensläufen – sowohl aus Ost- als auch aus Westperspektive –, die miteinander verwoben werden. "Es geht immer noch darum, eine gemeinsame Erzählung zu finden", sagt Franziska Werner.

(leg)

Das Ost-West-Ding
Festival vom 15. Oktober bis 10. November 2019
Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin
Eröffnung am 15. Oktober, 19 Uhr mit einem intersektionalen Erinnerungsabend mit Moderatorin Peggy Piesche. In dem Gespräch geht es um die Auswirkungen der Deutschen Einheit auf migrantische Communities. Eintritt: 5 Euro.

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