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Konzert / Archiv | Beitrag vom 22.05.2020

Festival als Rundfunkkonzert: "Maiklänge" in VerdenSlawisch grundierte Kammermusik

Moderation: Stefan Lang

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Ein großer Mond erscheint über der Stadt Verden mit seinem Dom und den umgebenden Wiesen. (imago images / Ingo Wächter)
In der Idylle von Verden ist Nabil Shehata aufgewachsen. (imago images / Ingo Wächter)

"Maiklänge", das Kammermusikwochenende im Domgymnasium im niedersächischen Verden, wird seit 2017 von engagierten Bürgern organisiert. 2020 wird das Festival in den Rundfunk verlegt. An diesem Abend erklingen Werke von Janáček, Glière und Dvořák.

Konstruktiv umgehen mit der Krise - auch das Kammermusikfestival "Maiklänge" in Verden darf nicht vor Publikum in einem Saal spielen. Aber für das Publikum von Deutschlandfunk Kultur. Spiellaune der Musiker kann sich auch hier - im wahrsten Sinne des Wortes - übertragen.

Heimatverbundenheit

Der Kontrabassist und Dirigent Nabil Shehata - ein Verdener - hat das Festival initiiert. Hier in Verden hat er seine musikalische Grundausbildung absolviert. Am Ort sind Familie und Freunde. Und hierhin lädt er seit 2017 seine musikalischen Freunde aus aller Welt ein. Auch in diesen angespannten Zeiten sind sie angereist, obwohl aus den vier Publikumskonzerten zwei Rundfunkaufnahmen wurden. Der Veranstaltungsort ist geblieben: die Aula des Domgymnasiums.

Sechs Musiker sitzen zwischen Mikrophonen und spielen. (Musik und Kultur am Domgymnasium Verden e.V. 2020)Momo Hiber, Karen Gomyo, José Gallardo, Nabil Shehata, Claudio Bohórquez und Gareth Lubbe spielen Glinka. (Musik und Kultur am Domgymnasium Verden e.V. 2020)

Der Abend beginnt mit der Violinsonate von Leoš Janáček, die 1914 entstand - zu einem Zeitpunkt, als russische Truppen im Umfeld des 1. Weltkrieges in Mähren einmarschierten.

Überwältigend schroff treffen hier verschiedene Stimmungen aufeinander, als ob sich ein sensibler Mensch seiner Lebensumstände vergewisserte: Slawisch-mährisch der 1. Satz mit aufbrausender Geste. Dem folgt eine lyrisch-besinnliche Ballade, auf die ein wirbelnder Volkstanz trifft. Beschlossen wird das Werk mit einem finalen Choral: Befriedung aller Aufladungen. 

Streicherduo: klein mit ganz groß

In der Suite für Geige und Kontrabass von Reinhold Glière wird klein mit groß zusammengebracht. Glière war Sohn eines aus dem Vogtland stammenden Blasintrumentenmachers, der in Kiew zu Geld und Aufträgen kam. Reinhold erhielt in Kiew Violinunterricht und wechselte dann nach Moskau.

Glière war schließlich in der Sowjetunion ein angesehener Komponist und Lehrer - seine Musik ganz der späten Romantik, dem Schönklang, verhaftet. Nabil Shehata kannte vorerst nur die Stücke für Kontrabass und Klavier, bis er dieses Duo ausfindig machte. 

Energie mit und durch Musik verströmen

Das Klavierquintett von Antonín Dvořák - das finale Werk des Programms - bringt noch einmal auf den Punkt, worum es den angereisten Musikern im Domgymnasium geht: Sie wollen sich einbringen, wollen einen Energiefluss entfachen. Und das gelingt bestens mit dieser volkstümlichen, urmusikantischen Musik.


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Aufzeichnung vom 16. Mai 2020 im Domgymnasium

Leoš Janáček
Sonate für Violine und Klavier

Ludwig van Beethoven
Duett für zwei obligate Augengläser Es-Dur WoO 32

Reinhold Glière
Suite für Violine und Kontrabass

Antonín Dvořák
Klavierquintett A-Dur op. 81

Karen Gomyo, Violine
Momo Hiber, Violine
Gareth Lubbe, Viola
Konstantin Sellheim, Viola
Claudio Bohorquez, Violoncello
Tim Park, Violoncello
Nabil Shehata, Kontrabass
José Gallardo, Klavier

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