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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 07.11.2006

Fesselnde Philosophie

Vor 25 Jahren starb Will Durant

Von Barbara Jentzsch

Die "Kulturgeschichte der Menschheit"  geriet zum Mammutwerk. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Die "Kulturgeschichte der Menschheit" geriet zum Mammutwerk. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Als Autor der 18-bändigen "Kulturgeschichte der Menschheit" wurde Will Durant weltberühmt. Durants enzyklopädisches Wissen und seine mit Humor und leichter Hand geführte Feder machten eine enthusiastische Lesergemeinde mit der Geschichte der Philosophie vertraut und lockten sie auf die Reise von den Babyloniern bis ins Zeitalter Napoleons.

"Die Welt ist schmutzig. Sie wird es immer sein. Ich sehe keinen Grund für eine Änderung."

Will Durant, Amerikas bedeutender Kulturhistoriker, Schriftsteller und Philosoph war alles andere als ein Kulturpessimist. Doch als er am 7. November 1981 in Los Angeles im Alter von 96 Jahren starb - nur wenige Tage nach dem Tod seiner Frau und Co-Autorin Ariel -, da hatte er aus dem lebenslangen Studium der Weltgeschichte ernüchternde Lehren gezogen. Durant, international bekannt als Autor der monumentalen, im mitreißenden Plauderton geschriebenen "Kulturgeschichte der Menschheit” ("Story of Civilization") kam unter anderem zu der Erkenntnis, dass sich der Mensch in seinem Verhalten über die Zeit hinweg kaum verändert habe:

"Die Geschichte ist der beste Wegweiser zum Verständnis des Menschen, und sie lehrt uns, dass der Mensch sein Verhalten über Generationen beibehält. Das heißt, die Gegenwart ist zugleich die Vergangenheit, die darauf wartet, jetzt gestaltet zu werden. Und das Bemühen um Verständnis der Vergangenheit reicht bis in die Gegenwart hinein. "

Als Beispiel für das auf der Stelle treten führt Durant in seinem 1968 erschienenen Buch "Lektionen der Geschichte” den unüberwindlichen Drang der Menschheit zu Kriegen an.

"Krieg ist eine geschichtliche Konstante und weder Zivilisierung noch Demokratie haben vermocht, ihn aus der Welt zu schaffen. In den letztvergangenen dreitausendvierhundertundeinundzwanzig Jahren, von denen wir geschichtliche Kunde haben, gab es nur zweihundertachtundsechzig Jahre ohne Krieg."

Als Will Durant sein alle Epochen umspannendes Kolossalgemälde, die im Deutschen in 18 Bänden erschienene Reise von den Babyloniern zum Zeitalter Napoleons in Angriff nahm, war er 41 Jahre alt. Er vollendete die Reihe mit 87. Im Vorwort zur ersten Auflage erläuterte Durant, worum es ihm in seinem Mammutwerk ging.

"Den Fortschritt der Erfindungen, die verschiedenen Arten der wirtschaftlichen Organisation, den Wechsel der Regierungsformen, die Strömungen des religiösen Lebens, den Wandel von Sitte und Moral, die Meisterwerke der Literatur, die Entwicklung der Wissenschaft, die Weisheit der Philosophie und die großen Werke der bildenden Kunst in ihren Ursachen, ihrem Charakter und ihren Wirkungen aufzeichnen und betrachten."

Dass die selbstgestellten Aufgabe zu einem Parforce-Ritt durch 110 Jahrhunderte geraten würde, hatte der 1885 in North Addams, Massachussetts, geborene Sohn eines Chemiekonzern-Managers nicht vorausgesehen. Aber es hätte ihn auch nicht geschreckt, denn nach Plan verlief William James Durants Leben so gut wie nie:

Eigentlich hatte er Priester werden wollen. Doch nach der Lektüre des jüdischen Philosophen Spinoza, kehrte Durant dem Jesuiten-Kolleg in New Jersey den Rücken und wurde zum Agnostiker. Der Sprung in den Journalismus missglückte, denn als Sex-und-Crime-Reporter des "New York Evening Journal" war der Feingeist Durant schlicht fehl am Platze. Als Lehrer in der Erwachsenenbildung ging es ihm wesentlich besser. Er heuerte bei der unter anarchistischem Einfluss stehenden Labor Temple School an und entwickelte dort seine außerordentliche Fähigkeit, ein Publikum zu fesseln, zur Perfektion. In seinen Philosophie- und Geschichtskursen erhielten Frauen und Arbeiter eine fundierte, dem Humanismus und dem Sozialismus verbundene Chance zur Weiterbildung. Durant praktizierte, was er predigte, und so zogen Lehrer und Schüler am Ende des Unterrichts oft gemeinsam auf die Straße und kämpften gegen Rassismus, für höhere Löhne und das Frauenwahlrecht.

Zum Fan- und Freundeskreis von Will Durant zählten unter anderen George Bernard Shaw, Mahatma Gandhi und Bertrand Russell. 1977 ehrte ihn Präsident Gerald Ford für sein Lebenswerk mit der Freiheitsmedaille. 17 Millionen verkaufte Bücher stiegen Will Durant und seiner Frau Ariel nie zu Kopf. ”Wir freuen uns, wenn man unsere Namen bei unserem Tode noch kennt”, sagte Durant. Inzwischen gibt es eine Will Durant Stiftung, in der über eine Neuauflage der allesamt vergriffenen Bücher nachgedacht wird.

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