Fernsehen

Zurück auf die Bühne?

Nach 19 Jahren Late Night ist Schluss © picture alliance / dpa / Horst Ossinger
Von Alexander Kohlmann · 13.03.2014
Ganz zum Schluss ist er dann doch noch melancholisch geworden. In seiner letzten Sendung wirkt Harald Schmidt ungewohnt ernst. Wie es nach dem TV-Aus weitergeht, darüber gibt es bislang nur Gerüchte.
Wer Harald Schmidt einmal live erlebt hat, merkt, dass der Mann nie aufgehört hat, ein Theater-Schauspieler zu sein. Wer zusieht, wie der Showmaster, der einst auf den Städtischen Bühnen in Augsburg Kleinstrollen spielen musste, im Studio mit den Requisiten und dem Publikum umgeht, glaubt ihm, dass er seine Sendung zum Schluss nur noch für die Zuschauer im Studio gemacht hat. Viel mehr haben ja auch nicht mehr zugesehen, die Quoten beim Bezahlsender Sky waren verschwindend gering.
Einen runden, weiß gedeckten Tisch hat er im Studio 449 in Köln zu seiner letzten Show aufbauen lassen. Um ihn herum sitzen zum Familientreffen Gefährten aus den letzten Jahren der Show. Olli Dittrich, Nathalie Licard, Jürgen Vogel, Pierre M. Krause, Klaas Heufer-Umlauf und Bastian Bielendorfer. Es ist eine Runde der Diadochen, ein echter Nachfolger ist nicht in Sicht.
"Eine Partnerschaft mit Schmidt, das war schon immer eine Ehe auf Zeit"
Interessant ist eher, wer fehlt. Manuel Andrack, zum Beispiel, Schmidts kongenialer Redaktionsleiter aus den goldenen Jahren der Show am Anfang des Jahrtausends. Oder Herbert Feuerstein, Schmidts Partner aus "Schmidteinander" ganz am Anfang seiner Karriere. Zu ihnen gibt es offenbar keinen Kontakt mehr, eine Partnerschaft mit Schmidt, das war schon immer eine Ehe auf Zeit.
Mit seiner letzten Sendung verschwindet auch das Format Late-Night aus dem deutschen Fernsehen. 19 Jahre hat er seine Sendung gemacht. 19 Jahre versuchten es immer mal wieder andere neben ihm - und verschwanden oft nach wenigen Monaten schon wieder.
Ist Deutschland ein Land, in dem es die Late-Night schwer hat? Wohl kaum. Es ist eher ein Land, in dem es Formate schwer haben, die zwischen Witz und Anspruch hin und her switchen. Die wie Schmidt von der üblen Zote spielend zum hintergründigen Witz über den Zustand der Gesellschaft wechseln. Und danach, ganz unwitzig, eine Weltklasse-Pianistin Bach spielen lassen.
Schmidt ist nach wie vor der einzige Moderator, der das kann - alle anderen sind entweder oder, im Lager Oliver Pocher oder Dieter Hildebrandt. Es wäre allerdings falsch, aus dem fehlendem Angebot auf eine fehlende Nachfrage zu schließen.
Die Deutschen gucken schließlich auch gerne anspruchsvolle TV-Serien, obwohl es in Deutschland davon praktisch keine Eigenproduktionen gibt. Harald Schmidt hatte in seinem letzten Jahr im frei empfangbaren Fernsehen immer noch täglich um die 700.000 Zuschauer. Dass es keinen Nachfolger gibt, ist auch ein Versäumnis einer Fernsehlandschaft, in der die Debatte um die Quote innovative Formate im Keim erstickt.
"Ein Kölner West-End"?
Es gibt Gerüchte, dass Schmidt nach seinem TV-Aus sein Studio in ein Theater umbauen will. Von einem Kölner West-End sprach er selbst in einem Interview und ließ offen, ob das ein Plan war - oder ein Scherz.
Intendant Claus Peymann jedenfalls schickte zur letzten Show schon einmal ein Fax und schlägt Schmidt zum neuen Burgtheater-Intendanten vor. Wenn das nicht klappt, könnte er in Köln etwas auf der Bühne ausprobieren, was es in der deutschen Regie-Theaterlandschaft noch nicht gibt. Denn auch im deutschen Stadttheatersystem heißt die Abwesenheit bestimmter Spielarten noch lange nicht, dass das Publikum diese nicht sehen will. Harald Schmidt ist erst 56. Ein Alter, in dem für einen Schauspieler die besten Rollen noch vor ihm liegen.
Mehr zum Thema