Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 27.02.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Rang I | Beitrag vom 18.01.2020

Felix Ensslin inszeniert "Die drei Leben der Antigone"Ein nahezu unspielbares Stück

Felix Ensslin im Gespräch mit André Mumot

Beitrag hören Podcast abonnieren
Die Schauspieler von "die drei Leben der Antigone" als Gruppenbild. (FFT Düsseldorf/Willi Filz)
AGORA Theater – Die drei Leben der Antigone (FFT Düsseldorf/Willi Filz)

Regisseur Felix Ensslin inszeniert für das Agora Theater, das Theater der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, Slavoj Žižeks "Die drei Leben der Antigone". Nun macht es Station im Forum Freies Theater Düsseldorf.

1980 wurde das Agora-Theater in St. Vith, in Belgien gegründet, hat als politisch ambitionierte Laienbühne angefangen, sich stetig professionalisiert, bringt heute 230 Aufführungen pro Jahr heraus und tourt durch Europa – mit Aufführungen in deutscher und in französischer Sprache. Jetzt macht es Station im FFT, im Forum Freies Theater Düsseldorf, mit der aktuellen Produktion zum 40-jährigen Jubiläum: "Die drei Leben der Antigone" geschrieben von Star-Philosoph Slavoj Žižek. Inszeniert hat Felix Ensslin, selbst Philosoph, Hochschullehrer und Regisseur. Er hat unter anderem auch den Briefwechsel seiner Eltern, Gudrun Ensslin und Bernward Vesper herausgebracht, und hat keine Angst vor schwierigen Texten am Theater.

Ursprung des Agora-Theaters

Im "Rang1"-Gespräch schaut er auch auf den Ursprung des Agora-Theaters zurück und erinnert an den Gründer, Marcel Cremer, der 1980 sagte: "Die Revolution kommt nicht. Was machen wir? Wir können eine Partei gründen. Gibt’s aber schon genug. Wir können was anderes machen, aber eigentlich: Lasst uns Theater machen und versuchen, unsere Geschichte hier aufzuarbeiten."

Mit "Die drei Leben der Antigone", hat Ensslin ein nahezu unspielbares Stück fürs Theaterjubiläum ausgesucht, worüber er sich durchaus bewusst sei. Žižek selbst habe gesagt: "Leute, ich bin Slavoj Žižek, ich bin der, der euch einheizt, ich bin der, der auch in klügster Weise über Hegel, Lacan und andere schreiben kann, aber ich bin kein Literat." Trotzdem sei das philosophische Lehrstück, in dem die altbekannte Geschichte der widerspenstigen Antigone in drei unterschiedlichen Varianten durchgespielt wird, und die er nun in Düsseldorf zur deutschen Uraufführung bringt, zurzeit beliebter denn je.

Podiumsdiskussion mit Slavoj Žižek

"Ich glaube, es geht um die Frage der Möglichkeit", so Ensslin. "Wie können wir denken, dass sich Dinge tatsächlich ändern können. Was sind die individuellen, aber auch kollektiven Voraussetzungen dafür, dass – wie der berühmte Slogan der 80er- und 90er-Jahre lautete – eine andere Welt möglich ist."

Zu den Aufführungen im FFT Düsseldorf gehört auch eine Podiumsdiskussion mit dem notorisch eigensinnigen Slavoj Žižek. "Ich kenne Slavoj Žižek seit 20 Jahren", so Ensslin. "Ich habe, glaube ich, schon drei oder vier Podiumsdiskussionen mit ihm gemacht. Und bis jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich zu den Leuten gehöre, die mit ihm eine ganz vernünftige Diskussion führen können."

Ein wenig Sorge habe er aber schon, wie er lachend hinzufügt. "Ehrlich gesagt, bin ich ein bisschen wahnsinnig. Warum sage ich zu, dass ich nach einem Stück, das ich selbst inszeniert habe, mit Slavoj darüber rede. Das ist schon ein bisschen Höchststrafe. Aber irgendwie hab ich auch Lust drauf."

Die drei Leben der Antigone
von Slavoj Žižek, im Rahmen der internationalen Performance-Reihe "Eve of Destruction"
Felix Ensslin inszeniert mit dem AGORA Theater, FFT Düsseldorf.

Mehr zum Thema

Theaterexperiment "Agora" in Wien - "Eine Einladung, Demokratie einzuüben"
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 29.05.2017)

Biografin von Gudrun Ensslin - "Ich will dieser Person ihre Rätselhaftigkeit zurückgeben"
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 24.01.2017)

Starkes Porträt einer umstrittenen Generation
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 25.10.2013)

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur