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Kompressor | Beitrag vom 06.01.2017

Fehler beim SmartphoneWenn die Handyrechnung plötzlich 15.000 Euro beträgt

Von Nora Gohlke

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Mädchen tippen in Berlin auf ihren Handys. (imago stock&people)
Mädchen tippen in Berlin auf ihren Handys. (imago stock&people)

Smartphones können eine große Hilfe sein. Doch wer nicht aufpasst, für den kann die Technik teuer werden. Etwa wenn Nutzer keine Flatrate haben und nicht an automatisierte Downloads denken. So geschehen in einer kleinen Firma auf der Insel Hiddensee.

"Mobilfunk-Rechnung Geschäftskunden für Januar 2016
Grundpreise Max Flat S Business, Betrag in Euro, ohne Umsatzsteuer: 9,20
Verbindungspreise Telefonie, Betrag: 0,37
Nutzungspreise GPRS/ Daten, Betrag: 3170,77"

Katrin Döde: "Als ich mich damit beschäftigt hab, da hab ich gedacht, ich fall' vom Glauben ab! Das kann nicht wahr sein! Irgendjemand betrügt mich."

Insel Hiddensee, Februar 2016. Die Rechnung eines Diensthandys schlägt hohe Wellen in der kleinen Firma von Katrin Döde. Genauer gesagt: die Rechnung eines Smartphones. Doch der richtige Kaventsmann sollte noch folgen. Die Februarrechnung war dreimal so hoch: 10.003,08 Euro.

Katrin Döde: "Das ist unfassbar. Was kann man runterladen vom Internet für so einen Betrag? Was muss man da machen?"

Vom Handy aufs Smartphone gewechselt

Ja, wie konnte das eigentlich überhaupt alles passieren? Katrin Döde: "Eine Mitarbeiterin hat ein Tastentelefon gehabt, wo das Kabel dazu fehlte. Es war mit einem Mal verschwunden."

Mit leerem Akku aber telefoniert es sich schlecht. Es musste ein Handy mit Ladekabel her. Also wechselten die Angestellten die SIM Karte und steckten sie von einem klassischen Handy ohne Internetzugang in ein Smartphone. Auf diesem Smartphone waren Apps, die sich automatisch aktualisierten und Daten herunterluden - ohne dass die Mitarbeiterin sie überhaupt nutzte:  

"Am 10.2. 814,72 Euro
am 11.2. 0 Uhr für 770 Euro 91 runtergezogen
am 12.2. 0 Uhr für 1925 komma 75 Cent."

Das Smartphone: ein kluges Gadget zum Surfen, Telefonieren, Navigieren, Chatten und und und. Wir führen inzwischen eine symbiotische Cyborg-Beziehung mit ihm. Geben aber wohl nur ungern zu, dass es auch uns steuert. Denn: Wir sind der Kopf, das Smartphone die Maschine. Aber: Sind wir das?

Daten heruntergeladen ohne passende Flatrate

Das Smartphone von Katrin Döde aber hat sich emanzipiert. Klar, es hat weiterhin die automatisierten Prozesse ausgeführt. Doch ohne das Wissen seiner Nutzer. Es wurde autark, es geriet außer Kontrolle. Zur Geisterstunde lud es sich Daten herunter. Zu Horrorpreisen. Zum Tarif "Max Flat S Business". Katrin Döde: "Ich find das schon unglaublich, was man alles wissen sollte, was vorausgesetzt wird, was irgendwann mal abgeschlossen wird und was irgendjemand wissen müsste."

Katrin Döde legte Widerspruch ein. Rief die Überweisungen zurück. Es schien zu wirken. Der Sturm legte sich. Von den 15.678,20 Euro inklusive Umsatzsteuer wurden ihr achtzig Prozent erlassen. Doch auch die verbliebenen 3134,26 Euro will sie nicht zahlen. Wofür auch? Katrin Döde: "Letztens Endes ist das dann drei Monate gut gegangen. Ende Mai wollte ich morgens telefonieren und konnte nicht mehr telefonieren."

Anschluss gesperrt. Für einige Stunden herrschte Flaute in ihrem Unternehmen. Also zahlte Katrin Döde den ausstehenden Betrag. Zuzüglich einer Entsperrungsgebühr. Bis heute fühlt sie sich betrogen - um ihr Geld und ihre Zeit: "Die Gedanken, die man sich abends macht, bevor man ins Bett und nachts wenn man im Bett liegt, darüber nachdenkt, wie man, dass man so was bezahlen muss, weiß ich nicht, die kann ich nicht zusammenrechnen."

Und das Telefon - ist sich keiner Schuld bewusst!

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Der Beitrag ist Teil unserer Sendereihe "Wie das Smartphone uns verändert hat". Weitere Beiträge dieser Reihe finden Sie hier.

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