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Studio 9 | Beitrag vom 20.01.2020

Federico FelliniFarben, Musik und Einsamkeit

Von Patrick Wellinski

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Der Regisseur Frederico Fellini mit Hut und rotem Schal skizziert etwas auf einem gelben mit Buntstiften. (imago images / Granata Images)
In "Julia und die Geister" oder "Satyricon" habe Fellini Farben in einer manischen Wucht über die Leinwand gepinselt, sagt unser Kritiker. (imago images / Granata Images)

Der italienische Filmemacher Federico Fellini wäre am 20. Januar 100 Jahre alt geworden. Unser Kritiker nennt fünf Gründe, weshalb Fellini als einer der wichtigsten Autorenfilmer des 20. Jahrhunderts gilt.

Erstens: der Zirkus. Alles beginnt mit dem Zirkus. Die Vorstellung, die Attraktion. Für Fellini ist die Geschichte jedes Einzelnen die Geschichte einer Vorführung. Das menschliche Leben als Nummernrevue in der Manege.

Zweitens: Giulietta Masina, 50 Jahre waren sie verheiratet. Maestro Fellini und Giuletta Masina, die Kindfrau, diese einzigartige Schauspielerin mit den expressivsten Augen des europäischen Kinos.

Guiletta Masina in einer Close Up-Szene aus La Strada aus dem Jahr 1954. Für 10.000 Lire hat Gaukler Zampano einer armen Bäuerin die Tochter Gelsomina abgekauft . Die naive und unwissende, doch sensible Gelsomina soll ihn bei seinen Darbietungen unterstützen (imago images / United Archives)Guiletta Masina, hier in "La Strada" 1954, hat als Schauspielerin eigenwillige Frauenfiguren erschaffen. (imago images / United Archives)

Als Straßenclown Gelsomina, als Prostituierte Caibiria oder als alternder Tanzstar Ginger hat "Die Masina" sicherlich die eigenwilligsten Frauenfiguren der letzten 100 Jahre Filmgeschichte erschaffen.

Traurige Musik als Soundtrack des Lebens

Und weil auch das Fellini-Kino eine One-Man-Show ist – drittens: Die Musik von Nino Rota. Fellini sagte seinem Freund: "Nino, schreib eine schöne Melodie und mach sie sehr, sehr traurig." Musik als Soundtrack des Lebens. Vom traurigen Trompeten-Solo in "La Strada" bis zur frivolen Suite in "Amarcord".

Viertens: die Farben. Anfang der 1960er-Jahre experimentierte Fellini mit LSD. Er habe da Farbe als Farbe erkannt, sagte der Maestro. Und wie will man ihm da widersprechen, wenn man sieht, wie er in "Julia und die Geister" oder in "Satyricon" Rot und Grün und Blau in einer manischen Wucht über die Leinwand pinselt, die die größten Expressionisten vor Neid erblassen lassen würde.

Fünftens: die Einsamkeit, unsere innerste Einsamkeit, die Fellini durch seine hedonistischen Exzesse im Auge hatte. Für uns gilt der Ausdruck "La Dolce Vita" als lebensbejahendes Konzept. Doch wer den Film wiedersieht wird geschockt sein, wie leer das Leben nach der Orgie ist. Fellini sagt, die Party währt nicht ewig und erst im Kater danach zeigt sich, wer wird sind und wovor wir uns verstecken. 

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