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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.10.2019

FDP korrigiert rechte ParolenEs bleibt stehen, was nicht stehen bleiben sollte

Roland Appel im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Das Bild zeigt ein Video, in dem ein Mann mit Spraydose zu sehen ist. Darüber steht "Orthograffiti". (Facebook / FDP)
Das Kampagnenvideo "Orthograffiti" ist bereits viral gegangen. (Facebook / FDP)

Auf die Forderung nach mehr Bildung können sich die meisten Parteien einigen. Mit einem Kampagnen-Video handelt sich die FDP jedoch gerade einen Shitstorm ein. Darin korrigiert ein Sprayer rechte Parolen – hinsichtlich der Rechtschreibung.

"Je roher die politischen Debatten im Land, desto klarer wird für uns #FreieDemokraten: Nie war #Bildung wichtiger als heute. Deswegen setzen wir uns mit der #Orthograffiti für eine bessere Bildungspolitik ein."

Mit diesem Teaser postete die FDP ein Video auf Twitter, das für Aufregung im Netz sorgt. Unterlegt von Blasmusik und dem Belohnungs-Bling-Bling aus Computerspielen korrigiert darin ein Graffiti-Sprayer die Rechtsschreibfehler in rechten wie linken Parolen an Häuserwänden. In dem Spruch "Sieg HAIL" ersetzt er das "AI" durch ein "EI". Aus  "Fick die Polisei!" macht er "Fick die Polizei!"

Ganz am Ende des Videos folgt ein Hinweis der FDP: "Bildung ist die Antwort. Nicht nur bezogen auf Rechtschreibung, sondern auch gegen Extremismus, Vandalismus und Gewalt. Mit guter Bildung wollen wir auch dafür sorgen, dass menschenverachtende Graffiti, wie die im Film gezeigten, endlich aus unseren Städten verschwinden." Das Video löste einen Shitstorm auf Twitter aus.

"Das ist oberflächlich"

"Es reicht eben nicht, die Orthographie zu korrigieren, da steht dann immer noch 'Scheiß Asylanten' oder 'Fick die Polizei', ob das nun mit 'c' oder 'z' geschrieben wird, darauf kommt es nicht an", sagt Roland Appel, Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung in Bonn, die sich unter anderem gegen Rechtsextremismus engagiert.

Mit Humor und Satire gegen Extremismus vorzugehen, sei ein gutes Mittel. Aber diese Auseinandersetzung müsse tiefer gehen, wie etwa in Marc-Uwe Klings Känguru-Chroniken, in denen nachgedacht und aufgeklärt werde. "Das, was die FDP macht, ist gut gemeint, aber schlecht gelungen. Das ist oberflächlich. Und am Ende bleibt das stehen, was nicht stehen bleiben sollte."

Das Video mache sich eher über Menschen lustig, als sie zu erreichen und zu überzeugen. Und das müsse das Ziel sein. Natürlich gebe es auch einen harten Kern von Neonazis, gegen den man hart durchgreifen müsse, und Positionen in der Mitte der Gesellschaft, denen man entgegentreten müsse. Das gelte auch für Beschimpfungen im Netz, sagt Appel. Der Staat versage bisher dabei, Menschen vor Extremismus zu schützen: "Da hilft es auch nichts, Graffitis zu korrigieren."

(sed)

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