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Kompressor | Beitrag vom 04.01.2019

Fantasy-Serie dient als politische Vorlage Trump zitiert "Game of Thrones"

Maike Gosch im Gespräch mit Timo Grampes

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Auf seinem Instagram-Account "realdonaldtrump" postete Donald Trump am 3.1.2019 eine Foto-Montage, die an ein Game-of-Thrones-Plakat erinnert, auf dem er und die geplante Grenzmauer zu Mexiko abgebildet ist. Darunter steht "The Wall is coming" (dt. "Die Mauer kommt"). (Detuschlandradio  Screenshot / Instragram-Account "realdonaldtrump")
Donald Trump hat erneut ein Bild von sich gepostet, das auf die Serie "Game of Thrones" anspielt. (Detuschlandradio Screenshot / Instragram-Account "realdonaldtrump")

Auf Instagram postet der US-Präsident den Spruch "The Wall is coming". Es ist nicht das erste Mal, dass er sich auf die Serie "Game of Thrones" bezieht. Den Vergleich mit der umstrittenen Mauer zu Mexiko findet die Kommunikationsberaterin Maike Gosch gefährlich.

US-Präsident Donald Trump hat den Bau der geplanten Grenzmauer zu Mexiko mit der Fantasy-Serie "Game of Thrones" verglichen und damit viel Kritik und Spott auf sich gezogen. Er postete ein Foto von sich über einer Mauer auf Instagram. Dazu prangt der Spruch "The Wall is coming" ("Die Mauer kommt"). Das "O" in "coming" ist dabei wie bei der Serie mit zwei senkrechten Strichen durchzogen.

Zweifache Botschaft

Das etwas bedrohlich wirkende Bild solle vermutlich in der jetzigen politischen Lage Entschlossenheit ausdrücken, sagt die Kommunikationsberaterin Maike Gosch im Deutschlandfunk Kultur. Es sei eindeutig an seine Wähler gerichtet. "Für Trump-Anhänger ist die Wall oder die Mauer etwas, was sie sich wünschen, wovon sie sich Schutz und Sicherheit erhoffen." Das Bild sei auch eine Botschaft an seine politischen Gegner, dass er nicht weichen, zurückschrecken oder aufgeben werde.

Vordemokratische Sehnsüchte

"Games of Thrones" sei ein Epos und eine Heldengeschichte in vordemokratischer Zeit, sagt Gosch. Bei Trumps Wählerschaft komme das Mythische und Martialische dieser Serie sehr gut an. Das gelte auch für die klare Trennung in Gut und Böse, wir und die Anderen. Das seien sehr tiefe, historisch gewachsene Gefühle. "Das spricht diese Serie an, das ist sicher auch einer der Gründe für ihren Erfolg", sagt Gosch.

Gefährliches Zerrbild

Trump handele nicht anders als andere in der politischen Kommunikation, allerdings sei er plumper und krasser. Allerdings sei sein Vorgehen gefährlich, weil er einen Filter auf die Wirklichkeit lege, der manchmal ein Zerrbild erzeugen könne.

In "Game of Thrones" schützt eine riesige Eismauer die Bewohner der "Sieben Königslande" vor den "Wildlingen" aus dem Norden. Wenn Trump dies mit der geplanten Mauer zu Mexiko vergleiche, sähen seine Anhänger die mexikanischen Einwanderer auch als "Wildlinge" an und damit als gefährlich, als unzivilisiert, bedrohlich und nicht als "Menschen wie wir" an. "Das heißt, dieser Filter, den er drüberlegt durch die Metapher, verzerrt die Wirklichkeit, emotionalisiert sie, simplifiziert sie und dessen sollte man sich immer bewusst sein, und da sollte man sehr vorsichtig sein."

This image taken from the Twitter account of President Donald J. Trump @realDonaldTrump, shows what looks like a movie-style poster that takes creative inspiration from the TV series ?Game of Thrones? to announce the re-imposition of sanctions against Iran. Trump tweeted a photo of himself with the words ?Sanctions are Coming? Nov. 5. The U.S. sanctions on Iran had been lifted under a 2015 nuclear pact, but they are taking effect on Monday. (Donald J. Trump Twitter account via AP) | (Donald J. Trump Twitter account/dpa)Schon einmal hatte Trump Anleihen bei "Games of Thrones" genommen und dieses Bild "Sanctions are Coming" (Sanktionen kommen) getwittert. (Donald J. Trump Twitter account/dpa)

Es war der wiederholte "Game of Thrones"-Vergleich von Trump. Zuvor hatte der 72-Jährige bereits ein Plakat mit dem Spruch "Sanctions are coming. November 5" ("Sanktionen werden kommen. 5. November") veröffentlicht. Auch bei diesem Spruch waren die "O"s durchgestrichen.

(gem)

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