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Studio 9 | Beitrag vom 22.03.2019

Fanny Ardant wird 70 Nicht bloß die Frau nebenan

Von Sabine Wachs

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Die französische Schauspielerin Fanny Ardant (picture alliance / dpa / Peter Kovalev / TASS)
Man muss so spielen, als hänge das Leben davon ab, sagt Fanny Ardant über die Schauspielerei. (picture alliance / dpa / Peter Kovalev / TASS)

Mutig und unkonventionell: Fanny Ardant zählt zu Frankreichs bekanntesten Schauspielerinnen. Sie hat mit vielen Regiegrößen zusammengearbeitet, allen voran mit François Truffaut, ihrem langjährigen Lebensgefährten. Heute wird die Diva 70 Jahre alt.

Blond, laut und exzentrisch. So präsentiert sich Fanny Ardant in ihrem aktuellen Film "Ma mère est folle", auf deutsch etwa "Meine Mutter ist verrückt".

Es ist eine Paraderolle für die 70-jährige französische Filmgröße. Als energiegeladene und etwas peinliche Mutter ihres super braven Sohns, gespielt vom französischen Singer Songwriter Vianney, will Fanny Ardant als Nina Drogen verkaufen, um ihre Schulden zu bezahlen. Eine Figur, die die Schauspielerin gereizt hat:

"Ja! Ich habe die Figur geliebt und ich finde sie ganz und gar nicht verrückt. Es sind immer die anderen, die einen als verrückt bezeichnen. Wenn man sich die Figur anschaut, dann wird klar: Sie hat für alles eine Lösung. Ihr macht nichts Angst."

Die Muse von François Truffaut

Furchtlos, mutig und unkonventionell. Wesenszüge, die auch Fanny Ardant eigen sind. 1981 schafft die damals junge Theater- und Fernsehschauspielerin den Durchbruch. François Truffaut, Mitbegründer der Nouvelle Vague und einer der wichtigsten Regisseure für das französische Kino, gibt ihr die Hauptrolle in seinem vorletzten Film "Die Frau nebenan".

An der Seite von Gérard Depardieu spielt Fanny Ardant in ihrer ersten Kinorolle Mathilde, eine verheiratete Frau, die sich in ihren Nachbarn verliebt und mit ihm eine tödliche Affäre beginnt.

Eine Filmszene mit Fanny Ardant und Gérard Depardieu aus "Die Frau nebenan" (La Femme d’à côté) von François Truffaut aus dem Jahr 1981 (picture alliance / United Archives / IFTN)Fanny Ardant mit Gérard Depardieu in "Die Frau nebenan" von François Truffaut aus dem Jahr 1981 (picture alliance / United Archives / IFTN)

"Es war François Truffaut, der mir die Welt des Kinos eröffnet hat."

Bis zu Truffauts Tod im Jahr 1984 war Fanny Ardant seine Lebensgefährtin und Muse, 1983 kam ihre gemeinsame Tochter Joséphine zur Welt. Im selben Jahr erschien Truffauts letzter Film, "Auf Liebe und Tod", in dem Fanny Ardant die weibliche Hauptrolle spielt. Mittlerweile blickt die Schauspielerin auf mehr als 30 Jahre Karriere zurück, hat mit großen Regisseuren wie Volker Schlöndorff, Costa Garvras, Claude Lelouche oder François Ozon gedreht. Unter anderem unter Roman Polanski spielte sie Theater:

"Er ist einer der Regisseure, die mich am meisten geprägt haben. Warum, ist schwierig zu sagen, aber er wusste einfach alles. Er war damals genial."

Jede Rolle muss eine Herausforderung sein

In Polanskis Inszenierung, "Master Class ou la leçon de chant de Maria Callas" spielte Ardant die große Opersängerin. Später verkörperte sie die Callas im Film "Callas Forever", der 2009 in die Kinos kam. Sie sucht das Neue, das Außergewöhnliche. Jede Rolle muss eine Herausforderung sein. Nur was ihren Lieblingskollegen angeht, ist Ardant beständig. Sie dreht am liebsten mit Gerard Depardieu:

"Er ist mein Traumpartner. Er ist nie derselbe, zwischen uns gibt es keine Routine. Ich mag es, verwirrt zu werden, manchmal sogar, erschreckt zu werden."

Er spielt auch die Hauptrolle in "Le Divan de Staline", dem zweiten Film, bei dem Fanny Ardant selbst Regie geführt hat. Regie, Kino, Theater, Fanny Ardant ist vielfältig, ebenso ihre Rollen. Vor ihrem aktuellen Film, "Ma mère est folle" brillierte sie im Film "Lola Pater" als eine aus Algerien stammende Transsexuelle. Jede ihrer Rollen hat etwas von ihr, etwas unkonventionelles, etwas besonderes:

"Ich glaube, man muss so spielen, als hänge das Leben davon ab. Man muss dem Text und der Situation vertrauen, dem Zuschauer, dem Publikum. Sie müssen das Spiel verstehen. Das Verrückte, aber auch das Ernste."

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