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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.01.2020

Falk Richters "In my Room" in BerlinEin persönlicher Abend über Väter und Söhne

Tobi Müller im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Szenenfoto aus "In my Room": Eine Band spielt auf einer Bühne. Im Vordergrund Jonas Dassler in einem neongrünen bauchfreien Muskel-Shirt mit dem Aufdruck "Upside Down". Er spielt Gitarre. (Ute Langkafel / MAIFOTO)
Musikalische Geheimwaffen des Abends am Maxim Gorki Theater in Berlin: Jonas Dassler und Benny Claessens. (Ute Langkafel / MAIFOTO)

Falk Richter und das Ensemble des Berliner Maxim Gorki-Theaters begeben sich auf die Suche nach den Spuren der Väter im eigenen Leben. Herausgekommen ist ein humoristischer, aber auch gefühliger Abend über Väter, in dem es um sehr persönliche Geschichten geht.

Der Theaterautor und Regisseur Falk Richter will mit "In My Room" die Männlichkeit von heute beleuchten. Genauer gesagt die in der Krise steckende Männlichkeit. Gemeinsam mit fünf Schauspielern hat er am Maxim Gorki Theater in Berlin ein Stück als Projekt entwickelt, das persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Themen verknüpft.

Beim Thema "Krise der Männlichkeit" fragt man sich sofort, ob darin auch die sogenannte "toxische Männlichkeit", von der man immer wieder liest, behandelt wird. Ist diese nicht sogar verantwortlich für die Krise der Welt, den Rechtspopulismus oder die Klimakatastrophe?

Weniger Allgemeingültiges, mehr Persönliches

Doch soweit geht Richter nicht, wie unser Kritiker Tobi Müller nach der Premiere berichtet. Das Ensemble und Richter setzen jeweils bei ihren eigenen Geschichten, eigenen Erfahrungen mit ihren jeweiligen Vätern an und bringen diese auf die Bühne. 

Herausgekommen ist ein durchaus humoristischer, aber auch gefühliger Abend, in dem es weniger um allgemeine Bestimmungen toxischer Männlichkeit geht, als vielmehr um sehr persönliche Geschichten: "Es ist ein Abend über Väter."

Eine Frau mit Hasenkopf am Bügeltisch mit Bügeleisen in der Hand. Ein Zeitung lesender Mann mit Hasenkopf. Hinter beiden sitzt Benny Claessens mit Mikrofon an einem Tisch. Im Hintergrund gibt es eine übergroße Projektion eines Teils eines Gesichts, man sieht vor allem die Nase. (Ute Langkafel / MAIFOTO)Benny Claessens setzt mit „Born to die“ von Lana del Rey einen fulminanten Schlusspunkt. (Ute Langkafel / MAIFOTO)
Vater und Sohn werden dabei in die über das Bühnenbild von Wolfgang Menardi dargestellte heterosexuelle Kleinfamilie platziert, hier erinnern sich die Söhne an ihre Erzeuger: "Es ist eine Art Krypta der Erinnerung dieser Familien. Und diese fünf Männer erzählen davon. Das ist immer wieder sehr rührend, sehr gefühlig."

Dabei kommen auch die "Klassiker des Mannseins" zur Sprache, also das Nicht-Sprechen über Gefühle oder über die eigene Bisexualität. Vermisst wird hingegen eine Antwort auf die Frage nach dem Erbe: "Also, was heißt das eigentlich für einen selbst? Inwiefern ist man selbst verstrickt als heutiger, schwuler oder heterosexueller oder wie auch immer fluider Mann? Wie gibt man die erlebte Struktur weiter?"

Heterosexualisierung der Homosexualität

Wenn Knut Berger und Jonas Dassler ein homosexuelles Paar spielen, das keinen Sex mehr hat, spielen sie letztlich eine klassisch heterosexuelle Szene, hinterfragen sie dann aber vor ihrem schwulen Hintergrund - und das kann durchaus komisch sein:

"Was ist das jetzt eigentlich? Wie sind wir da gelandet mit unseren Kämpfen für Homosexualität? Jetzt sind wir ein altes Heten-Paar, das nur kuschelt. Das ist das Ende all dessen, was wir uns mal erträumt haben." In solchen Szenen gehe es "so ein bisschen ans Eingemachte der heutigen Figuren", sagt Tobi Müller.

In my Room
Ein Projekt von Falk Richter & Ensemble
Maxim Gorki Theater, Berlin

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