"Heldenplatz"-Premiere in München

Kein Skandal zu erwarten

06:27 Minuten
Foto von der Inszenierung:
Katharina Bach und Annette Paulmann auf der Bühne.
"Heldenplatz" mit Katharina Bach und Annette Paulmann. © Müchner Kammerspiele / Denis Kuhnert
Falk Richter im Gespräch mit Ute Welty  · 04.12.2021
Audio herunterladen
In München feiert heute das Stück "Heldenplatz" in einer Neufassung von Regisseur Falk Richter Premiere. Es sorgte einst in Wien für Furore und widmet sich jetzt den Gefahren durch rechtsradikale Kräfte im heutigen Deutschland.
Das Stück "Heldenplatz" des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard löste in der Inszenierung von Regisseur Claus Peymann am Wiener Burgtheater 1988 einen großen Theaterskandal aus. Die Geschichte vom Suizid eines jüdischen Professors hat nun in einer Neufassung von Regisseur Falk Richter an den Münchner Kammerspielen Premiere.

Wenn die gesellschaftliche Stimmung kippt

"Das Stück beschreibt ziemlich genau den Moment, wenn eine gesellschaftliche Stimmung kippt, wenn sich radikal rechte Kräfte durchsetzen", sagt Richter. Es zeige, wie sich die Lage für Minderheiten dann verschärfe und sie überlegen müssten, wie sie damit umgehen. "Das wird weitgehend in diesem Stück diskutiert." Die Urfassung spiele im Jahr 1938 und zeige die Begeisterung der Österreicher für Adolf Hitler und den Antisemitismus.

Die Lage in Deutschland steht im Mittelpunkt

Er habe das Stück an die aktuelle Lage in Deutschland angepasst und einen neuen Akt dazu geschrieben, sagt Richter.

"Wir hatten Halle und wir haben Hanau und wir haben eine zunehmend toxischer werdende gesellschaftliche Stimmung, wo sich radikale rechte Kräfte durchsetzen und salonfähig geworden sind."

Falk Richter

Er nehme das Stück zum Anlass, um über die Situation in der Bundesrepublik zu reden. Rechte und Rechtskonservative hätten in Deutschland wie in Österreich eine gewisse "Narrenfreiheit", kritisiert der Regisseur.

Nur wenig Publikum erlaubt

Anders als 1988 in Wien werde der "Heldenplatz" nicht zu einem Skandal führen, so Richter. "Das Stück liegt eine Weile und wir haben auch gar nicht den Anspruch, einen Skandal zu erzeugen." Hinzu komme, dass die Corona-Regeln nur eine Auslastung des Theaters mit einem Viertel der Besucher erlaubten. "Das ist eine relativ intime Aufführung." Er hoffe darauf, die Menschen im Publikum zu erreichen, die glaubten, dass eine wehrhafte Demokratie gebraucht werde.

Abonnieren Sie unseren Weekender-Newsletter!

Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche, jeden Freitag direkt in ihr E-Mail-Postfach.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung!

Wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink zugeschickt.

Falls Sie keine Bestätigungs-Mail für Ihre Registrierung in Ihrem Posteingang sehen, prüfen Sie bitte Ihren Spam-Ordner.

Willkommen zurück!

Sie sind bereits zu diesem Newsletter angemeldet.

Bitte überprüfen Sie Ihre E-Mail Adresse.
Bitte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung.
Mehr zum Thema