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Studio 9 | Beitrag vom 06.03.2020

Faktencheck zum CoronavirusGesunde Menschen brauchen keine Masken

Martin Mair im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Mann mit einer Schutzmaske vor einer Apotheke, Schutzmasken sind fast ausverkauft. (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)
Fachleute sagen, dass Masken nur für Erkrankte sinnvoll sind. (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)

In Deutschland lässt sich die Ausbreitung des Coronavirus nicht aufhalten. Es ist daher angebracht, gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Was Sie tun können, wenn Sie sich krank fühlen, und andere wichtige Infos.

Man hört von der Weltgesundheitsorganisation WHO, nicht alle Länder seien ausreichend auf den Coronavirus vorbereitet. Wie ist die Lage tatsächlich?

Die Weltgesundheitsorganisation sagt: Das Risiko ist sehr hoch, dass sich das Virus weltweit verbreitet. Den Kampf aufgeben will die WHO aber nicht und fordert deshalb von allen Staaten, die Ausbreitung möglichst effektiv zu unterbinden.

Der größte Feind sei dabei nicht das Virus, sagt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, sondern Angst, Gerüchte und Stigma. Deshalb setzt die WHO auf Aufklärung und konkrete Empfehlungen, um den Erreger einzudämmen.

Letztlich umsetzen müssen das aber die einzelnen Länder. Das passiert sehr unterschiedlich. Beispiel Großveranstaltungen: Während Dänemark künftig keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern mehr erlaubt, gibt es in Deutschland weiterhin keine festgelegte Personenobergrenze.

Ist die medizinische Ausstattung in Deutschland ausreichend?

Darüber wird diskutiert. Fest steht: Schutzausrüstung wie etwa Masken sind derzeit kaum in Apotheken zu bekommen. Die Bundesregierung hat deshalb diese Woche den Export verboten, in Frankreich gibt es sie nur noch auf Rezept.

Ein Grund zur Panik ist das nicht: Fachleute sagen, dass gesunde Menschen im Alltag keine Masken brauchen. Sinnvoll sind sie wenn überhaupt für Erkrankte. Auch Händedesinfektionsmittel – ebenfalls Mangelware – ist laut Robert-Koch-Institut für Gesunde in aller Regel überflüssig. Es genügt nämlich, sich gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.

In Kliniken dagegen sind sowohl Desinfektionsmittel als auch Masken nötig. Hier gibt es nach Angaben großer Krankenhausbetreiber ebenfalls Lieferprobleme. Noch ist die Situation nach Ansicht des Gesundheitsministeriums aber nicht gefährlich. Für die Zukunft gibt es Überlegungen in der Politik, die Kliniken zu verpflichten, mehr Schutzausrüstung zu lagern. Eine Forderung, die auch zahlreiche Infektionsexperten erheben.

Was mache ich, wenn ich mich krank fühle?

Bei Verdacht auf eine Coronainfektion sollten Patienten vor allem eines nicht tun: Unangemeldet zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen. Dann nämlich könnte man andere Wartende anstecken. Stattdessen gilt: zu Hause bleiben und den Hausarzt anrufen, um das Vorgehen zu besprechen.

Alternativ hilft der Patientenservice der Kassenärzte unter der bundesweiten Nummer 116 117 weiter. Auch das örtliche Gesundheitsamt ist ein Ansprechpartner.

Das Krankenhaus ist bei einem Verdacht übrigens gerade am Anfang nicht der richtige Ort. Wer nur einfache Symptome wie Schnupfen oder leichtes Fieber hat, sollte sich im ambulanten Bereich Hilfe suchen und nicht in einer Notaufnahme. Und auch außerhalb der normalen Sprechzeiten gibt es einen Notdienst der niedergelassenen Ärzte.

Was ist dran an Gerüchten über Lieferengpässe für Lebensmittel?

Echte Lieferengpässe drohen nach Angaben der großen Supermarkt- und Discounterketten in Deutschland nicht. Der Nachschub sei gesichert, man arbeite eng mit den Lieferanten zusammen, erklärten Handelsvertreter. Derzeit gebe es aber in einzelnen Filialen eine erhöhte Nachfrage und Ausverkäufe – etwa bei Konserven oder Nudeln.

Hersteller berichten davon, dass sich die Nachfrage zum Teil verfünffacht habe und produzieren in zusätzlichen Schichten Nachschub. Nach Ansicht des Münchener ifo Instituts wird es bei Lebensmitteln nicht dauerhaft zu leeren Regalen kommen: Die Produktion sei weiterhin regional ausgerichtet.

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