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Kompressor | Beitrag vom 24.11.2020

"Fairytale of New York" von den Pogues BBC glättet Weihnachtslied für Jugendwelle

Robert Rotifer im Gespräch mit Max Oppel

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Das Foto zeigt zwei Mitglieder der Folk-Punkband The Pogues bei einem Konzert, 2012: James Fearnley (links im Bild) und Shane MacGowan. (Imago Images / ZUMA / Richard Isaac)
Shane Mac Gowan (rechts) von The Pogues möchte seinen Song nicht als homophob verstanden wissen. (Imago Images / ZUMA / Richard Isaac)

Alles andere als ein Heile-Welt-Song ist "Fairytale of New York" – und trotzdem das beliebteste Weihnachtslied der Briten. Wegen frauenfeindlicher und homophober Begriffe will die BBC den Song der Pogues auf ihrer Jugendwelle nur zensiert spielen.

Das Thema Political Correctness macht auch vor Weihnachtsliedern nicht Halt. In der Vorweihnachtszeit können die Briten, zumindest die noch jüngeren Alters, nun nicht mehr komplett entspannt das Lieblingsweihnachtslied der Insel hören: "Fairytale of New York". Der Song ist eine über 30 Jahre alte Ballade der Folk-Punkband The Pogues im Stil des Irish Folk, gesungen von Shane MacGowan und Kristy MacColl, und darf ab sofort von der BBC-Jugendwelle "Radio 1" nur noch in geänderter Form gespielt werden.

Der Song-Dialog zwischen einem angetrunkenen, in New York gestrandeten Iren und seiner drogenabhängigen Freundin, die gerade im Krankenhaus liegt, ist gespickt mit derben frauenfeindlichen – "slut" (Schlampe) – und homophoben – "faggot" (Schwuchtel) – Begriffen.

Der Kulturjournalist Robert Rotifer lebt seit langem in England, kennt die Bedeutung des Songs – und auch, wie Sänger MacGowan ihn einzuordnen versucht: "Wie Shane MacGowan selbst einmal erklärt hat, sind diese beiden Figuren Charaktere an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Um das zu unterstreichen, hat er 2018 gesagt: 'Der Schauspieler Yul Brynner ist auch nicht wirklich der König von Siam.'"

Älteres Publikum darf Song "unzensiert" hören

Es gehe also um die Distanz zwischen dem verkörperten Charakter, den Performenden und dem Publikum. Rotifer amüsiert sich etwas über die Tatsache, dass die junge Generation vor diesem Hintergrund von dem unzensierten Songtext verschont werden soll, während "die BBC einem älteren Publikum diese Bewertung sehr wohl zutraut". Beim Independent-Sender "Radio 6Music" wiederum dürften sich die DJs aussuchen, welche Version sie spielen.

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Die Kontroverse um den Song koche jedenfalls immer wieder hoch – jeweils, über die Jahrzehnte, mit anderen Vorzeichen, sagt Rotifer: "Der Song wurde nämlich schon mehrmals von der BBC zensiert, immer mit anderen Argumenten, deshalb gibt’s ja diese Version mit dem Wort ‚haggard‘ (ausgezehrt, abgehärmt) aus dem Jahr 1992.

Auch 2007 wurde die Originalversion auf Radio One nicht gespielt, aber damals stieg zum Beispiel im ‚Guardian‘ ein junger Musikjournalist wie Alex Needham auf die Barrikaden und beklagte die Heuchelei der BBC, einerseits homophobe Inhalte in ihrem Programm zuzulassen und andererseits Wortpolizei zu spielen."

(mkn)

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