Seit 01:05 Uhr Tonart

Montag, 22.04.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 27.04.2018

f(t)-Festival am Berliner RadialsystemTechno-Musiker: Wider den 4/4-Takt

Stefan Goldmann im Gespräch mit Shanli Anwar

Podcast abonnieren
Der Techno-DJ und Musiker Stefan Goldmann ist der künstlerische Leiter des "f(t) festival: Zeitfunktion" 2018 am Berliner Radialsystem (Stefan Botev)
Techno-DJ und Musiker Stefan Goldmann: "Man muss ab und zu andere Dinge probieren." (Stefan Botev)

Der 4/4-Takt klingt für unsere Ohren geordnet, ein 7/8-Takt dagegen krumm. Der Techno-Musiker Stefan Goldmann lotet gemeinsam mit anderen Künstlern am Wochenende beim Berliner f(t)-Festival alternative Klangwelten aus. Er will damit "empirisch an der Schraube drehen".

Musik sind Klänge auf der Zeitachse. Wie geordnet oder ungeordnet sie für uns klingen, hängt von dem Takt- und Rhythmussystem ab, mit dem sie dargeboten werden – und von den kulturellen Gewohnheiten, mit denen wir Musik hören. Ein 4/4-Takt gilt in unseren Breitengraden als orthodox, ein 7/8-Takt als krumm. Warum das so ist und was passiert, wenn verschiedene Zeitgestaltungen aufeinandertreffen, erkundet das f(t)-Festival im Berliner Radialsystem.

Von Satie bis Electro Guzzi

Das Festival bietet an diesem Wochenende die Möglichkeit, neue Klangwelten zu erkunden. Techno kommt dann nicht nur aus dem Computer, sondern wird auch mit Musikinstrumenten wie einer Barockharfe gespielt. Auf dem Programm finden sich neben dem Marathonwerk "Vexations" des avantgardistischen französischen Komponisten Eric Satie (1866 - 1925), das 840 Mal wiederholt werden soll, eine Performance des Wiener Trios Electro Guzzi.

Plakat des "f(t) festival: Zeitfunktion" 2018 am Berliner Radialsystem (Javier-Benjamin und Hau Le)Das Programm beim "f(t) festival: Zeitfunktion" reicht von Eric Satie bis zum Wiener TriosElectro Guzzi. (Javier-Benjamin und Hau Le)

Beim Festival gehe es darum, die musikalischen Gewohnheiten zu hinterfragen und mit neuen Möglichkeiten zu kontrastieren, erklärt der künstlerische Leiter, Techno-DJ und Musiker Stefan Goldmann:

"Es gibt so viele andere Möglichkeiten und sehr viele spannende Künstler, die die erkunden. Was ich ein bisschen vermisst habe, war eine Gelegenheit, wo man diese Dinge gegenüberstellt. Durch diese Kontraste, die sich dadurch ergeben, wird es nochmal sehr viel deutlicher, was das Besondere an diesen vielen individuellen Ansätzen ist."

Andere Dinge im Techno ausprobieren

Er selbst habe zuerst Klavier und Bassgitarre gelernt, bevor er sich den elektronischen Klangwerkzeugen zugewandt habe:

"Ich veröffentliche seit 15 Jahren Techno. Ich habe in diesem 4/4-Takt so ziemlich alles gemacht, was ich machen kann. Und damit so etwas für einen selber spannend bleibt, muss man ab und zu andere Dinge probieren und empirisch einfach an der Schraube drehen. Ich habe mich in der Vergangenheit mit verschiedenen Stimmsystemen, mit vorgefertigten Klängen beschäftigt – und was mir noch fehlte, war eine alternative, rhythmische Basis, die nicht sofort völlig frei ist."

Im Mittelmeerraum hat der 7/8-Takt Tradition

Während bei uns der 3/4- und 4/4-Takt vorherrscht, sei das in anderen Kulturen ganz anders:

"Ich bin halb Deutscher und halb Bulgare. Und in Bulgarien sind diese krummen Takte traditionelle Musik. Ein 7/8-, 9/8- oder 11/8-Takt ist dort etwas ganz Normales. Daher kenne ich das zumindest passiv schon sehr lange. Es gibt sehr viele Kulturen, die diese Taktarten haben im ganzen Mittelmeerraum – sei das Griechenland, Türkei, in arabischer, iranischer, indischer Musik, sind diese Takte tradiert und etwas völlig Normales – wie bei uns 3/4- oder 4/4-Takt."

Das f(t)-Festival findet am 28. und 29.4.2018 im Berliner Radialsystem statt.

(cosa)

Mehr zum Thema

Klangporträt Myanmars von Alvin Curran - The Irrawaddy Blues
(Deutschlandfunk Kultur, Klangkunst, 20.04.2018)

Surrealistenspiel als Hörstück - Cadavre Exquis
(Deutschlandfunk Kultur, Klangkunst, 06.04.2018)

Klangkunst: Abschied von den Hörgewohnheiten - Untraining the Ear
(Deutschlandfunk Kultur, Klangkunst, 30.03.2018)

Fazit

Kultursponsoring in ItalienVerdacht auf Geldwäsche
Die Außenfassade des Opernhauses "Teatro alla Scala in Mailand" (picture alliance/dpa/imageBROKER - Wilfried Wirth)

Als der Intendant der Mailänder „Scala“ im großen Stil Gelder aus Saudi-Arabien annehmen wollte, provozierte er einen Skandal. Nun ist die Debatte um ethisch einwandfreie Kulturförderung voll entbrannt - und findet nicht nur Freunde im Kulturbereich.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur