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Im Gespräch | Beitrag vom 09.11.2020

Extremsportlerin Anja BlachaAllein bis zum Südpol

Moderation: Tim Wiese

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Eine Frau ist alleine auf Langlauf-Skiern mit umgeschnalltem Schlitten, auf dem ein Ruckack liegt, zu sehen. (privat)
Anja Blacha auf ihrem Weg zum Südpol. (privat)

Sie hatte bereits die höchsten Berge sämtlicher Kontinente bestiegen, als Anja Blach zu einem größeren Abenteuer aufbrach: Sie wanderte 58 Tage allein zum Südpol, 1400 Kilometer mit umgeschnalltem Schlitten. Zur Vorbereitung hatte sie Grönland durchquert.

Sie ging als erste Frau eine 1400 km lange Strecke allein und ohne fremde Unterstützung zum Südpol. Nach 58 Tagen im ewigen Weiß und sich selbst als einzig lebendiger Gesellschaft, musste sich Anja Blacha erstmal wieder an die Zivilisation gewöhnen: "Es ist tatsächlich so, dass wenn man ganz lange im Eis, im Schnee unterwegs ist, jede Art von Organischem fehlt. Somit war es ganz intensiv für mich wieder Gerüche von Pflanzen wahrzunehmen, all diese ganz selbstverständlichen Eindrücke, die man ja im Alltag gar nicht so bewusst wahrnimmt, die dann wieder einen starken Effekt auf mich hatten, natürlich neben der Freude über fließend Wasser, Heizung und dergleichen.

58 unterschiedlich lange Tage

Allein im Eis hat sich Blacha an manchen Tagen durchaus gequält. Manchmal lief alles bestens und sie war schneller als geplant, und manchmal ertappte sie sich dabei, wie sie dreimal pro Minute auf die Uhr blickte. Das Ziel, durchzuhalten, auf ihren Langlauf-Skiern mit dem umgeschnallten Schlitten am Südpol anzukommen, sorgte zusammen mit den beeindruckenden Naturerfahrungen für einen Kampfgeist, der sich auch von Schnee- und Eisstürmen nicht unterkriegen ließ. Diese Stürme beschreibt sie als "tatsächlich recht ungemütlich". Acht Tage am Stück musste sie durch solch einen Sturm gehen. Dabei war es wichtig, alle Griffe zum Zeltaufbau so routiniert wie möglich zu beherrschen. "Es kann schnell passieren, dass man in Panik gerät." Wenn das Zelt wegfliegen würde, wäre auch die Überlebensgrundlage verschwunden, erklärt Blacha.

Mit Autoreifen durch die Straßen

Zur Vorbereitung für die Reise trainierte sie neben geschicktem Zeltaufbauen auch Schlittenziehen, Langlaufskifahren und Geräte reparieren in Norwegen.

Anja Blacha (privat)Anja Blacha (privat)

"Zusätzlich war ich noch in Grönland für vier Wochen, wo ich eine Querung von Westen nach Osten gemacht habe. Weil das aber nicht reicht, insgesamt fünf Wochen für so eine Expedition zu trainieren, habe ich mich ein wenig in Zürich zum Deppen gemacht, indem ich ein paar alte Autoreifen zusammengebunden und mir um die Hüften gebunden habe und die Straßen hoch- und runtergezogen habe, um das Ziehen von einem Schlitten zu simulieren." Keine dieser Übungstouren blieb ohne Kommentare.

Es den Zweiflern beweisen

Mit ihrer Fahne, auf der der Satz "Not bad for a girl" stand, ließ sie sich am Ziel fotografieren. "Ich wollte darauf hinweisen, dass man sich nicht davon abhalten lassen sollte, von Denkmustern oder Stereotypen, die man im Kopf hat. Dass man eben nicht groß, stark und männlich sein muss um solch eine Expedition erfolgreich machen zu können, sondern, dass das auch mit anderen Mitteln geht."

Dass bei ihr noch viel mehr geht, als Antarktisdurchquerungen, hat Blacha mit dem Besteigen der höchsten Berge dieser Erde bewiesen.

Die 30-Jährige war bereits auf dem Mount Everest, auf dem K2 und auf den Seven Summits, den jeweils höchsten Bergen jeden Kontinents – und all das in nur wenigen Jahren. Eigentlich waren ihr Berge gar nicht vertraut: "Ich war als Kind und als Jugendliche nie in den Bergen gewesen, Urlaub gab es eigentlich immer nur am Strand oder als Städtetrip. 2013 war ich das erste Mal überhaupt erst draußen, wirklich zelten und campen und tracken." Anderthalb Jahre später bestieg sie mit dem Aconcagua bereits den höchsten Berg Südamerikas. Den Rest der Geschichte kann man im Guinness Buch der Rekorde nachlesen.

(mah)

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